Schmerzmedizin 3 / 2019

onsmedizin des Universitätsklinikums des Saarlandes gemeinsam mit der Ab- teilung für Anästhesiologie und Schmerzmedizin eine interdisziplinäre, gynäkologische, integrative Schmerz- sprechstunde eingerichtet. Aufgrund der großen Bandbreite und Variabilität des Leidens der Patientinnen war der gemeinsame Gedanke dazu entstanden. Die Sprechstunde besteht aus einer onkologisch-integrativ zertifizierten Gynäkologin, dem Leiter der anästhe- siologischen Schmerzambulanz mit psychotherapeutischer Zusatzausbil- dung sowie einer Psychotherapeutin. Die Idee entstand angelehnt an die He- rangehensweise der hauptsächlich im angloamerikanischen und indischen Raum bereits bestehenden integrativen Zentren. Die Behandlung erfolgt nach einem individuell auf jede Patientin zuge- schnittenen, interdisziplinären und in- tegrativen Plan. Als Hilfsmittel zur The- rapieplanung und zur Modifikation der bereits laufenden Behandlung wird ein etablierter Fragebogen im Sinne eines patientenfokussierten Testsystems („Pa- tient Reported Outcome Measures“) ver- wendet [23, 24, 25]. Sowohl die Verwen- dung von Fragebögen als Messsysteme als auch die Durchführung in integrati- ver, multimodaler Zusammenarbeit bei chronischen Unterbauchschmerzen sind unserer Meinung nach wichtige Bestandteile der individualisierten Schmerztherapie. Hier spielt insbeson- dere die Einstellung und aktuelle Le- benssituation der Patientinnen eine be- sondere Rolle [26, 27]. Arbeitsweise der Sprechstunde Die Sprechstundenzeit beläuft sich auf 30–60 Minuten pro Patientin. Wichtig ist, dass alle aktuell zu behandelnden Pa- thologien bereits im Vorfeld ausge- schlossen wurden beziehungsweise be- reits behandelt werden. Vor der ersten Therapie wird der oben genannte Frage- bogen von der Patientin ausgefüllt und zunächst eine ausführliche Anamnese erstellt. Es ist elementar, bereits zu Be- ginn der Therapie noch einmal gemein- sam mit der Patientin ein Ziel festzule- gen, das im Fokus stehen soll. Bei teil- weise sogar jahrelang bestehender Chro- nifizierung, ist es Sache des Teams, der Patientin Möglichkeiten vor Augen zu führen, wie das Leben mit einer gut zu behandelnden, chronischen Schmerz­ erkrankung aussehen kann. Mit fal- schen Versprechen wie einer schnell her- beizuführenden vollständigen Schmerz- freiheit sollte man vorsichtig sein, da die Enttäuschung über das nicht Eintreffen- de die Chronifizierung der Schmerzen verstärken kann. Dennoch kann und sollte man Ziele definieren. Hierbei ver- wenden wir das biopsychosoziale Schmerzmodell [28]. Es folgt eine körperliche Untersu- chung. Dann wird ein integrativer The- rapieplan erstellt und ausführlich die notwendigen Komponenten sowie deren Notwendigkeit in einem multimodalen Konzept erklärt. Die Umsetzbarkeit wird mit der Patientin besprochen und zum Beispiel Kontakt zur Psychothera- pie oder Selbsthilfe vermittelt. Es folgen Wiedervorstellungen alle 6–8 Wochen zur Kontrolle mit Modifikation der The- rapie [29]. Dr. med. Patric Bialas Leiter Fachbereich Schmerzmedizin Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitäts­ klinikum des Saarlandes Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes Kirrberger Straße 100 66421 Homburg E-Mail: patric.bialas@uks.eu Dr. Eva-Marie Braun Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin, Universitäts­ klinikum des Saarlandes Dipl.-Psych. Svenja Kreutzer Universität des Saarlandes Literatur 1. McKay M. J Reprod Med 1984;29:457 2. Harlow BL et al. J Am Med Womens Assoc (1972) 2003;58:82-8 3. De Andres J et al. Pain Pract 2016;16:204-36 4. Pagano R. Austr N Z J Obstet Gynaecol 1999;39:79-83 5. Lev-Sagie A et al. Am J Obstet Gynecol 2009;200:303.e1-6 6. Mendling W et al. Vestibulodynie. Frauenarzt 2014 7. McKay M. J Reprod Med 1993;38:9-13 8. Smith KB et al. J Sex Med 2013;10:2009-23 9. deBelilovsky C. Gynecol Obstet Fertil 2013;41:505-10 10. Leo RJ. J Sex Med 2013;10:2000-8 11. Zakrzewska JM et al. Cochrane Database Syst Rev 2005;25:CD002779 12. Romito S et al. Gynecol Obstet Invest 2004;58:164-67 13. Yoon H et al. Int J Impot Res 2007;19:84-7 14. Vancaille T et al. Pain Med 2012;13:596-603 15. Murina F et al. BJOG 2008;115:1165-70 16. Goetsch MF. J Reprod Med 2008;53:407-12 17. Bergeron S et al. Pain 2001;91:297-306 18. Farage MA et al. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2005;123:9-16 19. Bachmann GA et al. J Reprod Med 2006;51:447-56 20. Haefner HK et al. J Low Genit Tract Dis 2005;9:40-5 21. Siedentopf F. Geburtshilfe Frauenheilkd 2012;72:1092-8 22. Mandal D et al. Brit J Dermatol 2010;162:1180-6 23. Fischer F et al. Qual Life Res 2018;27:999- 1014 24. Liegl G et al. Clin Rehabil 2018;32:84-93 25. Mathias SD et al. Obstet Gynecol 1996;87:321-7 26. Kaiser U et al. Pain 2018;159:673-83 27. Miller RM et al. Curr Pain Headache Rep 2018;22:22 28. Nobis HG et al. Schmerz 2013;27:317-24 29. Braun EM et al. Frauenarzt 2018; 59:918-20 Schmerzmedizin 2019; 35 (3) 59

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