Schmerzmedizin 2 / 2019

Unabdingbar ist, dass sie ͵über den Tod hinaus´ gilt.“ Testamentarische Verfügungen Selbstverständlich können in einem (no- tariellen) Testament auch Verfügungen über den Fortbestand oder die Löschung von Social-Media- und E-Mail-Konten getroffen werden. Notariell aufgesetzte und hinterlegte Testamente sind die sichersten. Passwort-Speicher Eine passable und kluge Art und Weise, seinen digitalen Nachlass für die Erben zu regeln, ist eine Liste mit allen Konten und Zugängen samt Passwörtern, die in einem haptischen Vorsorgeordner für den Todesfall hinterlegt sind. Die Bun- desverbraucherzentrale rät, solche Listen auf einem USB-Stick zu speichern. Durch die Passwortlösung umgeht man alle Erbrechtsprobleme, weil der Provi- der nichts von dem Tod erfährt. Auch ist es sinnvoll, an dieser Stelle zu dokumen- tieren, welche Cloud-Lösungen genutzt worden sind. Hier kann der Erbe sich dann ganz der digitalen Katharsis ver- schreiben oder bewusst Blogs oder Ähn- liches postmortal am Leben erhalten und so schöne Erinnerungssteine schaf- fen. Tatsächlich erlaubt es schon eine Reihe von Friedhöfen, einen QR-Code auf dem Grabstein anzubringen, damit auf den digitalen Grabstein in der Netz- welt verwiesen werden kann. Implikationen bei Fortführung von Social-Media-Konten Erben sollten sich überlegen, ob es ein angemessener und würdevoller Umgang mit dem Persönlichkeitsprofil ist, wenn bei Facebook der „Tote“ weiter Meldun- gen postet. „Der Facebook-Account meines verstorbenen Bruders wird von seiner Frau weiter genutzt. Als Schwes- ter finde ich das absurd und befremd- lich, und mein Freundeskreis fragt mich, wieso der Verstorbene bei Face- book weiterlebt“, berichtet eine Kran- kenschwester. Insofern ist der „Gedenk- modus“ bei Facebook sinnvoll, auch wenn dann der Status eingefroren wird und die Kommunikationskanäle ge- schlossen werden. Bei einem Symposium von Professor Norbert Fischer, Universität Hamburg, konnten wir lernen, dass die Kreise von Trauernden deutlich größer werden, wenn sie digital fundiert in der Social- Media-Welt stattfinden. So können sich in Social-Media-Kanälen neue Trauer- formen etablieren, die als Voraussetzung haben, dass der Tod durch den Gedenk- modus auch angezeigt wird. Bei vielen Bestattungshäusern gibt es inzwischen kostenlose, digitale Trauerportale, wo entfernt lebende Angehörige und Freun- de kondolieren können, so auch beim Großhamburger Bestattungsinstitut (GBI). Wie können wir im Netz finanzielle Ansprüche aufspüren, wenn keine Zugangsdaten vorliegen? Viele Menschen machen sich tatsächlich in keiner Weise Gedanken um ihre digi- talen Spuren in der virtuellen Welt. Die Abdrücke in der Netzwelt können auch Verpflichtungen bergen oder Ansprüche auf Geldleistungen. Wenn keine Pass- wörter aufgeschrieben und keine Doku- mentationen dazu gefertigt sind, ist gu- ter Rat buchstäblich teuer. Daher hat die Firma Columba aus Ber- lin ein Angebot geschaffen, das ohne Passwörter Geld in verborgenen Ecken und Quellen des Internets findet – durch ein dezidiertes Forschungsprogramm, das nach den neuesten Richtlinien der Datenschutzverordnung durchgeprüft ist. Basis ist der durch eine amtliche Ster- beurkunde nachgewiesene Tod eines Nutzers. Spannend ist, dass auch digita- le Banken wie PayPal das Geld solange aufbewahren, bis ein Berechtigter, sprich Erbe, einen Herausgabeanspruch stellt. Stellt niemand einen Anspruch, wird das Geld auf dem Konto belassen. Die Firma Columba möchte aber nicht selbst imGeschäft mit den Privatkunden auftreten und bedient sich ausgewählter Qualitätsbestattungshäuser als Ver- triebskanal. In Hamburg bietet diesen Service etwa die Firma Otto Musfeldt Bestattungen an. Columba kann auch komplexe Löschaufträge durchführen, beispielsweise: „Bitte lassen Sie alle Ein- träge der Arztpraxis meines Mannes lö- schen, aber nicht die wissenschaftlichen Publikationen.“ Da Columba viele Kooperationspart- ner aus dem Internethandel aufweist, könnte man nach einem solchen Verfah- ren von einer digitalen Katharsis spre- chen. Auch „unliebsame“ Mitgliedschaf- ten können so gelöscht werden, ohne dass der Erbe davon erfährt. Holger Wende Werbeleiter, Trauerbegleiter, Hamburg E-Mail: iflebenskunde@gmail.com Literatur 1. AnwaltBl 2018;472 2. BGHZ: Urteil vom 12. Juli 2018 – III ZR 183/17 No-Go: Digitale Passwort-Speicher Verbraucherschützer raten davon ab, die höchstsensiblen Zugangsdaten in einem digitalen Tresor zu speichern, der von gewerblichen Anbietern betreut wird. Auch ist davon abzuraten, auf seinem Computer Listen mit dem Dateinamen „Passwörter“ zu speichern, denn jeder digitale Einbrecher/Trojaner freut sich über solche Steilvorlagen für den Datendiebstahl, dem mögliche Vermögensschäden oder Erpressungs- versuche folgen können. 56 Schmerzmedizin 2019; 35 (2) DAGST Deutsche Akademie für ganzheitliche Schmerztherapie

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