Schmerzmedizin 1 / 2019

Zahn- und Mundraumpflege Zähne und Alter – wie verträgt sich das? Unter ganzheitlich-systemischen Gesichtspunkten bestehen direkte Zusammenhänge zwischen Erkrankungen der Mundhöhle und ver- schiedenen allgemeinmedizinischen Problemen. Eine angemessene Pflege des Mundraums gestaltet sich jedoch bei älteren und teilweise pflegebedürftigen Menschen aus physischen, psychischen, sozial- und gesundheitspolitischen Gründen oft schwierig. Der vorliegende Bei- trag soll die wesentlichen Fakten beleuchten und Hilfestellung bei der Versorgung mehr oder weniger pflegebedürftigen Senioren geben. Die Problematik In unserer Gesellschaft nimmt die Zahl älterer Menschen stetig zu. Nach einer Erhebung des Bundesamtes für Statistik steigt dabei der Anteil Pflegebedürftiger mit zunehmendem Alter [1]. Aufgrund verbesserter zahnprophylaktischer Maß- nahmen und zahnärztlicher Sanierun- gen in jungen Jahren finden sich auch bei Senioren immer mehr Menschen mit ei- genen Zähnen, Implantaten und tech- nisch aufwendig hergestelltem Zahner- satz. Gleichzeitig verschlechtert sich der Pflege- und Gesundheitszustand in der Mundhöhle mit zunehmendem Alter und mit steigendem Grad der Pflegebe- dürftigkeit [2, 3]. Dafür gibt es verschie- dene Gründe: Die beiden Haupterkrankungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich sind Karies und Gingivitis beziehungsweise Parodontitis. Bei der Entstehung und Progression beider Erkrankungen spie- len die Art und Dominanz spezifischer, imMund vorkommender Bakterien und die entsprechende Immunreaktion des Organismus eine entscheidende Rolle. Eine optimale Zahn- und Mundraum- pflege unter Berücksichtigung der Er- nährung ist deshalb für den Erhalt ge- sunder Zähne besonders wichtig, jedoch verschlechtern sich diese Maßnahmen naturgemäß im Alter. Die Effektivität der selbst durchgeführten Mundpflege lässt aufgrund körperlicher und kogni- tiver Einschränkungen mit zunehmen- dem Alter nach. Pflegenden Angehöri- gen oder Pflegepersonal in altersgerech- ten Einrichtungen fehlt häufig das Wis- sen zur unterstützenden, korrekten, individuellen Zahn-, Mundraum- und Zahnersatzpflege, zudem mangelt es oft an der notwendigen Zeit zur unterstüt- zenden Mundraumpflege. Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen unterbleiben häufig, weil der Transport zum Haus- zahnarzt eine logistische Herausforde- rung ist und sich kein Kooperations- zahnarzt für die Vor-Ort-Betreuung in den Betreuungs- und Pflegeeinrichtun- gen findet. Werden Schäden an den Zähnen fest- gestellt, dann gestalten sich umfangrei- che Sanierungen, die bei dementen Pati- ©© Ingo Bartussek / Fotolia (Symbolbild mit Fotomodell) Schmerzmedizin 2019; 35 (1) 57 DAGST Deutsche Akademie für ganzheitliche Schmerztherapie

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