Schmerzmedizin 2 / 2019

Korrekte Todesbescheinigung Zeitnahe Leichenschau auch bei Palliativpatienten Auch ambulant tätige Palliativmediziner sollten daran denken, dass eine inkorrekte Leichenschau und ein fehlerhaftes Ausfüllen der Todesbescheinigung mit Geldstrafen und im Extremfall sogar mit Freiheitsentzug geahndet werden kann. D ie überwiegende Zahl der Todes- bescheinigungen in Deutschland wird imKrankenhaus ausgestellt. Anders ist dies bei Patienten, die in die „Vereinbarung zur Umsetzung der am- bulanten palliativmedizinischen Versor- gung von unheilbar erkrankten Patien- ten im häuslichen Umfeld“ integriert sind. Diese Patientengruppe stirbt vor- wiegend zu Hause, in Pflegeheimen und Hospizen. Deswegen ist eine korrekte Leichenschau für ambulant tätige Palli- ativmediziner ein wichtiges Thema, bei dem sicherlich Fortbildungsbedarf be- steht. Wir sollten nicht vergessen, dass eine fehlerhafte Leichenschau oder ein vor- sätzlich oder fahrlässig falsches Ausfül- len der Todesbescheinigung mit Geld- strafen von bis zu 25.000 € und im Ext- remfall nach §§ 222 und 271 StGB zu Freiheitsstrafen führen können. Die Lei- chenschau korrekt durchzuführen und die Todesbescheinigung mit Sorgfalt auszufüllen, sollte ein allgemeiner An- spruch unserer beruflichen Tätigkeit sein. Konkrete Anleitung zur korrekten Durchführung der ärztlichen Leichen- schau finden sich in der S1-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaft- lichen Medizinischen Fachgesellschaf- ten e.V. unter www.awmf.org. Krankheitsbild meistens bekannt Bevor ein Patient in die Vereinbarung zur Umsetzung der ambulanten pallia- tivmedizinischen Versorgung von un- heilbar erkrankten Patienten im häusli- chen Umfeld integriert wird, hat in vie- len Fällen eine komplexe Diagnostik in Krankenhäusern stattgefunden. Wir be- treuen also zum Großteil Patienten, de- ren Krankheitsbild gut bekannt ist. Auf- grund des Erstkontakts mit dem Patien- ten und des Austauschs mit dem Haus- oder Facharzt sind Palliativmediziner in der Regel mit den psychosozialen Um- ständen vertraut. Dies erleichtert uns die Arbeit. Im Gegensatz zu Bereitschafts- und Notärzten kennen wir unsere Pati- enten ungleich besser. Zudem ist ein plötzlich eintretender, unerwarteter Tod bei diesen Patienten eher die Ausnahme. Wer den Palliativpatienten während seiner letzten Lebenstage betreut und letztendlich die Leichenschau durch- führt und dies in der Todesbescheini- gung attestiert, ist unterschiedlich. Je nach Palliativmedizinischem Konsiliar- dienst (PKD) übernimmt diese Aufgabe entweder der Hausarzt oder der PKD selbst. Für Palliativpatienten gelten dieselben Regeln Wichtig: Für Palliativärzte gelten diesel- ben Regelungen wie für alle anderen Mediziner auch. Die ärztliche Leichen- schau hat demnach „unverzüglich“ statt- zufinden. Nach juristischem Sprachge- brauch bedeutet dies so viel wie „ohne schuldhaftes Zögern“. Diese Regelung hat den Hintergrund, dass nur ein Arzt die Differenzialdiag- nose „lebend“ oder „tot“ stellen kann und deswegen gegebenenfalls über den Einsatz von Reanimationsmaßnahmen entscheidet. In unseremAlltag spielt die Reanimation sicher keine Rolle. Im Ge- genteil, viele Patienten werden von uns Unsere Ziele sind: — Qualitätsindikatoren in der ambulan- ten Palliativmedizin zu definieren und weiterzuentwickeln, — Betroffene und Angehörige über die Möglichkeiten einer fachgerechten palliativmedizinischen Versorgung zu informieren, — die Diskussion über ethische und rechtliche Fragestellungen am Lebensende anzustoßen und zu vertiefen, — ein langfristiger Kulturwandel im Umgang mit Tod und Sterben. Berufsverband der Palliativmediziner in Westfalen-Lippe e.V. Geschäftsstelle: Sabine Schäfer Dieckmannstraße 200 48161 Münster Tel. 02 51 / 5308-9960 E-Mail: info@bv-palliativmediziner.de Öffentlichkeitsarbeit: Dr. med. Eberhard A. Lux Klinik für Schmerz- und Palliativmedizin am Klinikum St.-Marien-Hospital Lünen Telefon: 02306 77-2920 Fax: 02306 77-2921 E-Mail: drlux@web.de www.bv-palliativmediziner.de Berufsverband der Palliativmediziner 58 Schmerzmedizin 2019; 35 (2) in Westfalen-Lippe e.V.

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