Schmerzmedizin 1 / 2019

enten häufig nur in Narkose durchge- führt werden können, aufgrund des schlechten Allgemeingesundheitszu- standes als äußerst problematisch und risikoreich. Nachteilig für die Mundge- sundheit sind auch die häufig kariogen ausgerichtete Ernährung mit vielen klei- nen Mahlzeiten sowie die alters-, aber auch therapiebedingte Reduktion der Speichelfließrate (Strahlentherapie, Me- dikamente). Die Folgen Nicht behandelte kariöse Zähne und fortgeschrittene Parodontitiden verursa- chen nicht nur Schmerzen und Mundge- ruch. Sie beeinträchtigen die Lebensqua- lität, können die gerade im Alter wichti- ge Nahrungsaufnahme zusätzlich beein- trächtigen und führen zu einer weiteren Reduktion mundpflegerischer Maßnah- men. Es kann zu akuten oder chroni- schen Entzündungen der Pulpa und der Wurzelspitzenregion kommen. Redu- zierte Abwehrmechanismen im Alter begünstigen dabei akute Exazerbationen mit zum Teil fulminanten Verläufen. Da vor der zahnärztlichen Behandlung multimorbider älterer Menschen mit Mehrfachmedikationen stets die Rück- sprache mit dem behandelnden Allge- meinmediziner eine wichtige Vorausset- zung zur Vermeidung von Komplikatio- nen ist, gestaltet sich eine zwingend er- forderliche Notfallmaßnahme für den betreffenden Patienten als besonders ri- sikoreich (Blutungsrisiko bei Antiko- agulantia, Osteonekroserisiko bei The- rapie mit Bisphosphonaten oder mono- klonalen Antikörpern, Allergien, Diabe- tes, Lebererkrankungen, Niereninsuffi- zienz) oder ist bei behandlungsunwilli- gen und/oder dementen Patienten ohne Narkose erst gar nicht möglich. Die neue Datenschutzgrundverordnung ist eine zusätzliche große Hürde imKonsil zwei- er Ärzte, weil ein Austausch von patien- tenbezogenen Daten nur nach zuvor er- teiltem Einverständnis des Patienten oder seines Betreuers möglich ist. Der rasche unbürokratische Austausch wichtiger Gesundheits- und Behand- lungsdaten ist damit nicht mehr mög- lich! Chronische Entzündungen an den Zähnen können im Sinne der Herdwir- kung Erreger in den Körper streuen und andere Erkrankungen auslösen oder be- günstigen (z. B. Endokarditis, Rheuma). Aus ganzheitlich-systemischer Sicht be- stehen rein empirische, enge Verbindun- gen zwischen jedem einzelnen Odonton (Zahn mit zugehörigem Zahnhalteappa- rat, Alveole und Schleimhautanteilen) und den unterschiedlichen Strukturen des Gesamtorganismus. Entsprechende Bezüge wurden von Voll-Kramer mittels Elektroakupunktur, basierend auf den traditionellen chinesischen Akupunk- turmeridianen, propagiert. Ein anderes System sind die Odonton-Organbezüge nach Schmid-Bahr [4]. Aus diesem Sche- ma lassen sich vor allem bei chronischen Tab. 2: Zahnärztliche Maßnahmen, die bei der Betreuung einer Pflegeein­ richtung im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung vorgesehen sind: — — Erstellung eines Erstbefunds bei Aufnahme in die Pflegeeinrichtung — — Regelmäßige Untersuchung der Bewohner direkt in der Pflegeeinrichtung (ein- bis zweimal jährlich) mit Fortführung des Bonushefts — — Erstellung eines individuellen Betreuungs- und Pflegeplans zur Verbesserung der Mundpflege (zweimal jährlich) — — Individuelle Instruktion zum Thema Mundhygiene für Bewohner des Pflegeheims, Pflegepersonal, Angehörige und/oder Betreuungspersonen (zweimal jährlich) — — Beratung des Bewohners, der Angehörigen beziehungsweise Betreuer über notwendige Behandlungen — — Zahnsteinentfernung bis zu zweimal pro Jahr — — Durchführung einfacher Behandlungen vor Ort — — Durchführung aufwendiger Behandlungen in der Kooperationspraxis (Alternative: beim eigenen Hauszahnarzt) oder in einer stationären Einrichtung — — Kooperation und Absprache mit betreuenden Haus- beziehungsweise Fachärzten sowie Zahn­ ärzten — — Regelmäßige Schulung des Pflegepersonals in der täglichen Zahn- und Mundpflege aller Betreuten — — Informationsveranstaltungen für Bewohner und Angehörige Erläuterungen zu Tab. 1: Odonton-Organ-Relationen Jeweils in den Spalten über und unter den Zahnangaben (violett markiert) sind die möglichen systemisch-ganzheitlichen Verbindungen aufgelistet. Ableiten lassen sich diese Verbindungen unter anderem aus dem System der Wandlungsphasen, nach dem einem Naturelement jeweils ein Yin- und ein Yang-Meridian zugeordnet wird, aber auch unzählige andere Entsprechungen, etwa aus der Anatomie und Physiologie des Organismus oder anderen Bezügen (z. B. Emotionen, Stimmungen, Farben, Geschmack, Sinnesorgane). Für die orthopädischen Bezüge (Wirbelsäule, Extremitäten) spielen auch locoregionale Zusammenhänge eine wichtige Rolle. So verlaufen zum Beispiel der Lungen- und der Dickdarmmeridian über die gesamte obere Extremität, weshalb gerade Hand, Ellbogen und Schulter einen engen Bezug zu diesen Meridianen und den zugeordneten Zähnen haben. Abkürzungen: C = Halswirbel; Th = Brustwirbel; L = Lendenwirbel; S = Kreuzbein; KG = Konzeptionsgefäß; Le = Leber; Lu = Lunge; Ma = Magen; Gb = Gallenblasen; Bl = Blase; He = Herz; Dü = Dünndarm; MP = Milz-Pankreas; Di = Dickdarm; Ni = Niere; KS = Herz-Kreislauf Farbcode: Grün: Wandlungsphase Holz (Yin-Meridian Leber und Yang-Meridian Gallen- blase), Rot: Wandlungsphase Feuer (Yin-Meridian Herz und Yang-Meridian Dünndarm), Gelb: Wandlungsphase Erde (Yin-Meridian Milz-Pankreas und Yang-Meridian Magen), Weiß: Wandlungsphase Metall (Yin-Meridian Lunge und Yang-Meridian Dickdarm), Schwarz: Wandlungsphase Wasser (Yin-Meridian Niere und Yang-Meridian Blase). Blaue Schrift kennzeichnet Akupunkturpunkte eines Yin-Meridians, rote Schrift die eines Yang-Meridians. Die farbig hervorgehobenen Wirbelbereiche geben exakt die Höhe an, auf der der Zustimmungspunkt („Shu-Punkt“) für den in der Zeile „Wandlungsphase“ genannten Yin- bzw. Yang-Meridian lokalisiert ist. Schmerzmedizin 2019; 35 (1) 59

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