Schmerzmedizin 6 / 2018

Hauptdosis unter Druck berichtet der Patient folgende Symptome: — Pelzige Zunge — Übelkeit — Schläfrigkeit — Hypästhesie der Beine, ohne motori- sche Ausfälle Die Pupillen sind normal weit mit nor- maler, seitengleicher Reaktion auf Licht. Es fallen eine verwaschene Sprache so- wie kurzfristige Desorientiertheit auf. Die Sauerstoffsättigung und der Puls bleiben während der gesamten Überwa- chung im Normbereich, aber der Blut- druck entgleist bis auf 205/115 mmHg. Differenzialdiagnostische Überlegungen Intravasale Injektion als Ursache Übelkeit, pelzige Zunge, Dysästhesien, Verwirrtheit und verwaschene Sprache sprechen für eine intravasale Injektion oder eine Lokalanästhetika-Unverträg- lichkeit. Der exzessive Blutdruckanstieg sowie die stabile Sauerstoffsättigung und der stabile Puls sprechen eher nicht dafür. Intrathekale Injektion als Ursache Die Dysästhesien in den Beinen könnten ein Hinweis auf eine partielle intrathe- kale Injektion sein, die fehlenden moto- rischen Ausfälle, der Blutdruckanstieg – statt eines Abfalls – sowie die fehlende aufsteigende Hypästhesie am Körper sprechen dagegen. Gegen eine intrathe- kale Injektion spricht auch die unauffäl- lige Probedosis. Kardiovaskuläre Ursache Die verwaschene Sprache, die Desorien- tiertheit, die Schläfrigkeit, die Dysästhe- sien und insbesondere der exzessive Blutdruckanstieg sprechen für einen Apoplex oder eine transitorische ischä- mische Attacke (TIA), eine ausgeprägte Hemisymptomatik ist dabei allerdings nicht aufgetreten. Behandlung und Verlauf In der Folge fraktionierte Gabe von ins- gesamt vier Ampullen Clonidin (entspre- chend 0,6 mg) über den liegenden Zu- gang, wodurch eine allmähliche Norma- lisierung des Blutdrucks erreicht wird. Etwa 15 bis 20 Minuten nach dem Er- eignis wird die Sprache wieder klar, der Patient ist zeitlich und räumlich orien- tiert. Zwei Stunden nach dem Ereignis wird der Patient mit stabilen Kreislaufverhält- nissen (RR: 140/90, Puls: 68, Sauer- stoffsättigung: 96%) mit Verdacht auf einen Apoplex in die Neurologie über- wiesen. In der darauf folgenden Diagnostik wird eine TIA/ein Apoplex bestätigt. Es werden eine vaskuläre Enzephalopathie sowie eine Stenose der rechten Arteria carotis interna festgestellt, was die Ursa- che für das Ereignis gewesen sein dürfte. Der Patient wird auf eine dauerhafte Antikoagulation eingestellt. Fazit für die Praxis — Zwar ist das zeitliche Zusammen­ treffen einer TIA/eines Apoplex mit einer invasiven schmerztherapeuti- schen Intervention wie einer rücken- marksnahen Opiod-Applikation äußerst unwahrscheinlich, es muss differenzialdiagnostisch aber in Er- wägung gezogen werden. Denn nicht immer ist die naheliegende Vermu- tung – hier einer intravasalen Injek- tion – zutreffend. — Eine sorgfältige Abwägung und Wer- tung der auftretenden Symptome sollte trotz der gebotenen Eile immer erfolgen. — Die Vorhaltung der erforderlichen Notfallausrüstung sollte eine Selbst- verständlichkeit sein. — Die rückenmarksnahe Applikation von Opioden, Lokalanästhetika und Kortison bleibt eine sehr wertvolle therapeutische wie auch differenzial- diagnostische Option, auch wenn seit einiger Zeit die Injektion von Korti- son als Off-Label-Use gilt und trotz jahrzehntelanger Erfahrung und guter Wirkung seitens der Kranken- kassen von der Kostenübernahme ausgeschlossen wurde. Dr. Alexander Philipp Facharzt für Anästhesiologie Spezielle Schmerztherapie; Homöopathie/ Naturheilverfahren; Sportmedizin/Algesio- loge DGS; (Implantat-) Akupunktur/ Laser-Zentrum Asperger Str. 16 71634 Ludwigsburg E-Mail: A.PHILIPP@Schmerz-Arzt.de Schmerzmedizin 2018; 34 (6) 61 A58855 € (D) sind gebundene Ladenpreise in Deutschland und enthalten 7 % für Printprodukte bzw. 19 %MwSt. für elektronische Produkte. € (A) sind gebundene Ladenpreise in Österreich und enthalten 10 % für Printprodukte bzw. 20%MwSt. für elektronische Produkte. Die mit * gekenn- zeichneten Preise sind unverbindliche Preis- empfehlungen und enthalten die landesübliche MwSt. Preisänderungen und Irrtümer vorbehalten. F. Block (Hrsg.) Praxisbuch neurologische Pharmakotherapie 3., überarb. Aufl. 2018. X, 469 S. 2 Abb. Book + eBook. Brosch. € (D) 49,99 | € (A) 51,18 | CHF 50.50 ISBN 978-3-662-55837-9 € (D) 39,99 | CHF 40.00 ISBN 978-3-662-55838-6 (eBook) • Kurze, prägnante Informationen mit Dosierungen, Handlungsanweisungen, Bewertungen - geordnet nach Störungsbildern • Therapiesicherheit für die häufigsten Krankheitsbilder, darunter Schlaganfall, multiple Sklerose und Parkinson-Syndrom • Spezielle Aspekte zur Medikation beimgeriatrischen Patienten springer.com/empfehlung

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