Schmerzmedizin 5 / 2018

in einem Bereich entstanden, den sich nicht wenige Pflegende und Ärzte er- träumt haben. Also Personal kein Prob- lem? Alle Stellen besetzt? Klinikärzte springen oft ein Zweifel kommen bei einem Blick in die Stellenanzeigen der Website der Deut- schen Gesellschaft für Personalwesen (DGP) auf: Aktuell werden für die am- bulante Palliativversorgung allein zehn Pflegekräfte, acht Koordinatoren und acht Ärzte gesucht. Anzeigen aus West- falen-Lippe sind nicht dabei. Also alles in Butter in unserem „Musterländle“ der ambulanten Palliativversorgung? Weit gefehlt! In Westfalen-Lippe liegt die am- bulante Palliativversorgung in der Hand von spezialisierten Vertragsärzten. Häusliche Versorgung von Patienten am Lebensende – eine ur-hausärztliche Auf- gabe. Eine aktuelle Befragung der palliativ- medizinischen Konsiliardienste (PKD) ergab, dass in 13 von 24 PKD insgesamt 26 Krankenhausärzte mitarbeiten, da- von fünf nur im „Bereitschaftsdienst“. Einige von ihnen von Anbeginn der am- bulanten Palliativversorgung – eine re- gionale, „historisch“ zu sehende Beson- derheit. Nicht wenige jedoch aber aus Anlass mangelnder Bereitschaft von Ver- tragsärzten, sich in diesem doch attrak- tiven Gebiet der Patientenversorgung zu engagieren. Gründe dafür mögen per- sönliche Ressentiments der Beteiligten oder eine noch verbesserungswürdige Organisation im PKD sein. Abschre- ckend könnten für manche zudem die Teilnahme an einem Dienstsystem mit Nacht- und Wochenendarbeit sowie die mitunter weiten Wege zum Patienten sein. Zeitraubende, lange Fahrstecken können allerdings durch ein durch ein „Patensystem“ weitestgehend vermieden werden. Patenärzte entlasten die PKD Bei diesem Patensystem werden jedem qualifizierten Palliativarzt (QPA) Palli- ativpatienten, die nahe seinemWohnort leben, als „Patenpatienten“ zugeteilt. Diese Patienten erhalten dann die Handynummer ihres „Patenarztes“. Er ist quasi immer der erste Ansprechpart- ner, wenn der Hausarzt nicht zu errei- chen ist. Erst wenn die Patienten auch den Patenarzt nicht erreichen können, wählen sie die Nummer des 24-stündi- gen Bereitschaftsdienstes im PKD. Hat dieses System Vorteile? Ja, denn ein QPA, der den Patienten bereits kennt, kann Probleme besser einschätzen. So manches Problem lässt sich dann auch telefonisch lösen (sofern eine Notfallbox beim Patienten zuhause liegt) und der diensthabende Arzt im PKD wird ent- lastet. In PKD Lünen-Werne hat sich dieses Vorgehen sehr bewährt. Die Frage nach den Sozialabgaben Auf welche Personalressourcen kann ein PKD aber zurückgreifen, wenn aus den Reihen der Vertragsärzte nicht ausrei- chend QPÄ rekrutiert werden können? Die Antwort sind interessierte Klinik­ ärzte, Ärzte im Ruhestand sowie Hono- rarärzte, von denen die einen nur die Nacht- und Wochenenddienste absi- chern, andere auch in der Regelarbeits- zeit Patienten versorgen. Der eine PKD nimmt diese Ärzte in seine juristische Struktur auf, andere bieten ein Arbeits- verhältnis auf Honorarbasis an. Und hier lauern Fallstricke von der einen oder an- deren Seite: Denn Klinikärzte müssen eine Nebentätigkeitserlaubnis beim Ar- beitgeber erwirken. Da nicht von einer selbstständigen Tätigkeit auszugehen ist, müssen Sozialabgaben geleistet werden. Ob in der primären Anstellung, in der Tätigkeit als niedergelassener Vertrags- arzt oder als Privatarzt bereits die Bei- tragsbemessungsgrenze überschritten wurde, ist hier zunächst ohne Belang. Es braucht auch dann eine Befreiung, die auf Antrag an den Rententräger gewährt werden kann. Genau hier liegen aktuell große Prob- leme, da in einem Sozialgerichtsurteil begründet wird, dass es sich bei der Tä- tigkeit in einem PKD – auch als Teil des PKD (Gesellschafter) – um nicht selbst- ständige Arbeit handelt. Argumentiert wird hier unter anderem mit der Tätig- keit im Rahmen einer Dienstplanbin- dung, dem Fehlen eines „unternehmeri- schen“ Risikos sowie der Tätigkeit an- hand von Regeln, Normen und Stan- dards in einem PKD. Man kann nicht davon ausgehen, dass die Arbeit im PKD hinsichtlich der Sozialabgaben wie die Tätigkeit als Notarzt behandelt wird, bei der keine Sozialabgaben anfallen. Sollte die Frage nach der Sozialver­ sicherungspflicht tatsächlich bejaht wer- den, kommen hohe zusätzliche Kosten auf die PKD zu – zumal möglicherweise rückwirkende Zahlungen anstehen könnten. All diese Probleme werden ak- tuell juristisch geprüft. Welche weiteren konkreten Schritte in jedem PKD erfol- gen sollten, wird auf einer nächsten PKD-Leiter-Tagung diskutiert. Es gilt also auch weiterhin dicke Bret- ter zu bohren. Wer hätte vor zehn Jahren daran gedacht, dass wir einmal eine so erfolgreiche Arbeit leisten könnten? Da sollten wir derartige sozialversiche- rungsrechtliche Probleme auch zu einem guten Ende bringen können. Wir haben unsere KV als starken Partner an unse- rer Seite, die Kostenträger haben die am- bulante Palliativversorgung schätzen gelernt und der Rückhalt unter unseren Patienten und deren Zugehörigen wächst von Jahr zu Jahr. Dr. med. Eberhard A. Lux, Lünen Schmerzmedizin 2018; 34 (5) 61

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQxNTg=