Schmerzmedizin 3 / 2019

Medi zin Report aktuell Selbstwirksamkeit“, so der Psychologe [7]. Das bio-psycho-soziale Schmerzverständ- nis müsse ausreichend vermittelt werden. Nobis nannte daher u. a. folgende Tipps für die Praxis: 4 Die einfachste Sprache hat die größte Wirkung. Ersetzen Sie jeden Fachbegriff durch ein anschauliches Wort. 4 Machen Sie sich immer wieder klar, dass auchüber Gestik, Mimik und Tonfall kom- muniziert wird ( Abb. 1 ) . 4 Fordern Sie die Selbstverantwortung des Patienten ein. Dieser soll lernen, dass er aktiv an der Gesundheitserhaltung und/ oder Genesung beteiligt ist. 4 Nutzen und empfehlen Sie Ihren Patienten Lernhilfen: Broschüren, Computerprogramme und seriöse Internetquellen. 4 Antizipieren Sie mögliche Vorurteile: Patienten vermuten meist, dass hinter jedem Schmerz ein körperlicher Defekt steckt. Nebenwirkungs-Management Zur medikamentösen Therapie chroni- scher Schmerzen werden regelmäßig auch starke Opioide eingesetzt. Transderma- le therapeutische Systeme in abgestuften Dosierungen können die Dosisfindung erleichtern und eine individuelle, kontinu- ierliche Analgesie ermöglichen. Wie Dr. Michael Küster, Schmerzthe- rapeut, Bonn/Bad Godesberg, ausführte, dürfen die Nebenwirkungen dieser poten- ten Therapie nicht unterschätzt werden. Eine der häufigsten und schwerwiegends- ten unerwünschten Wirkungen ist die Opioid-induzierte Obstipation (OIC), die in Metaanalysen in bis zu 41%, in Beobach- tungsstudien sogar in bis zu 81% der Fälle beobachtet wurde [8, 9]. Das Spektrumder Beschwerden bei der OIC ist vielfältig und reicht von Veränderungen der Stuhlfre- quenz und/oder des Stuhlverhaltens über Blähgefühl bzw. Gasbildung, schmerz- haften Stuhlentleerungen bis hin zum Eindruck der unvollständigen Entleerung und rektalen Blutungen [10]. Impressum Kompetent kommunizieren, Nebenwirkungen therapieren – Der Blick über den „Opioid-Tellerrand“ (Lunchseminar anlässlich des Deutschen Schmerz- und Palliativtags 2019. 30. Deutscher interdisziplinärer Schmerz- und Palliativkongress, Frankfurt/M, 7. März 2019) • Medizin Report aktuell Nr. 463458 in: Schmerzmedizin 3/2019 • Berichterstattung: Dr. Silke Wedekind, Frankfurt/Main • Redaktion: Dr. Sabine Lohrengel • Leitung Corporate Publishing: Ulrike Hafner (verantwortlich) • Springer Medizin Verlag GmbH, Heidelberger Platz 3, 14197 Berlin • Geschäftsführer: Joachim Krieger, Fabian Kaufmann • Die Springer Medizin Verlag GmbH ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Nature • © Springer Medizin Verlag GmbH Mit freundlicher Unterstützung der Hexal AG, Holzkirchen Die Herausgeber der Zeitschrift übernehmen keine Verantwortung für diese Rubrik. OIC=Opioid-induzierte Obstipation; PAMORA=Peripherally Acting µ-Opioid-Receptor Antagonist ggf. Kombination der Stufen PAMORA + Laxans oder Prokinetika Überprüfung, ob Umstellung der Analgesie notwendig OIC peripher wirksamer µ-Opioid-Rezeptor Antagonist PAMORA (z.B. Naloxegol, Naldemedin) Opioid-Therapie osmotische und/oder stimulierende Laxanzien und/oder Prokinetika (wie Macrogol, Bisacodyl etc.) Aufklärung über OIC Präventionsmaßnahmen unzureichende Wirkung? unzureichende Wirkung? Abb. 2: Management der Opioid-induzierten Obstipation (OIC; modifiziert nach [12, 13]) OIC immer behandeln „Während die zentral verursachten Neben- wirkungen einer Opioidtherapie oftmals schon nach kurzer Behandlungsdauer ab- klingen, tritt bei der peripher ausgelösten enteralen Dysfunktion keine Toleranzent- wicklungein“, erklärte Küster. DieOIC könne die Patienten daher über den gesamten The- rapiezeitraum stark belasten und im Alltag einschränken. „Die Auswirkungen einer dau- erhaften OIC auf die Lebensqualität gehen u. U. so weit, dass die durch ihre Grunder- krankung ohnehin erheblich belasteten Patienten ihreOpioide absetzen“, soKüster. Deshalb sollten Schmerztherapeuten ihre Patienten frühzeitig über die OIC aufklären und diese gemäß der aktuellen Leitlinien behandeln [11]. Da die OIC so vielgestaltig ist, muss sie multifaktoriell behandelt werden. Die The- rapie sollte so frühwiemöglichnach einem rationalen Stufenplan mit definierten Eska- lationsschritten erfolgen ( Abb. 2 ) [11–13]. „Erwogen werden muss gegebenenfalls auch einWechsel des Opioids oder der Dar- reichungsform“, ergänzte Küster. Da sich die OICmit Laxanzien oft nicht ausreichend be- handeln lässt, sollten stattdessenmoderne Arzneimittel wie die PAMORA (Peripheral- ly Acting µ-Opioid-Receptor Antagonists) genutzt werden. „PAMORA greifen kausal in die Pathophysiologie der OIC ein, oh- ne die gewünschte analgetische Wirkung zu beeinträchtigen“, erläuterte Küster. Mit Naldemedin sei ein solcher neuer PAMORA in Europa zugelassen worden. Literatur 1. http://dgschmerzmedizin.de , letzter Aufruf: 22. März 2019 2. Nobis HG (2016) Schmerz und Psyche. In: Nobis HG et al. (Hrsg) Schmerz – eine Herausforderung. Springer, Berlin Heidelberg, S. 8–15 3. Dibbelt S et al., Rehabilitation 2010, 49:315–325 4. Di Blasi Z et al., Lancet 2001, 357:757–762 5. http://www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag6/ downloads/Ergebnisbericht_HLS-GER.pdf, letzter Aufruf: 22. März 2019 6. https://elib.uni-stuttgart.de/ bitstream/11682/8693/1/AB195.pdf, letzter Aufruf: 22. März 2019 7. Kröner-Herwig B et al., (2017) Schmerzpsychotherapie. Grundlagen – Diagnostik – Krankheitsbilder – Behandlung. Springer, Berlin Heidelberg 8. Kalso E et al., Pain 2004, 112:372–380 9. Bell TJ et al., Pain Med 2009, 10:35–42 10. Coyne KS et al., Clinicoecon Outcomes Res 2014, 6:269–281 11. https://dgs-praxisleitlinien.de/index.php/ leitlinien/oic, letzter Aufruf: 22. März 2019 12. Andresen V, Z Gastroenterol 2013, 51:651–672 13. Storr M et al., Thieme Praxis Report 2017, 9:1–12

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