Schmerzmedizin 3 / 2019

Registerdaten bestätigen Vorteile von retardiertem Hydromorphon Im PraxisRegister Schmerz der Deutschen Gesellschaft für Schmerz­ medizin (DGS) wurden bis zum 31. Dezember 2018 rund 210.000 Behand­ lungsfälle dokumentiert. Darunter waren auch 16.762 Patienten mit tumor­ bedingten Schmerzen, die mit einem retardierten Stufe-3-Opioid behandelt wurden. Dabei führte während der Erstlinien­ therapie das Hydromorphon-Präparat mit 24-Stunden-Retardierung ( bei 66,0% der Patienten zum Erfolg – häufiger als die konventionellen Hydromorphon-Präparate mit 51,0%. Auf Oxycodon sprachen 29,0% und auf Morphin 22,3% der Patienten an, berichtete PD Dr. Michael Überall vom Institut für Neuro­ wissenschaften, Algesiologie und Pädiat­ rie in Nürnberg. Die Abbruchrate aufgrund mangelnder Verträglichkeit lag zwischen 5% unter 24-Stunden-Hydro­ morphon und 35,8% unter Morphin. „Für den bevorzugten Einsatz von Morphin gibt es heute keine Evidenz mehr“, unter­ strich Überall. Die Ansprechraten waren unter dem 24-Stunden-Hydromorphon-Präparat auch bei weiteren Therapieversuchen am höchsten [Überall MA et al. Praxis­ Register Schmerz/iDocLive®, 2019]. Bei bis zu sechs Versuchen ging der Anteil der Responder aber bei allen Opioiden mehr und mehr zurück. „Wenn die Therapie nicht wirkt, verlieren wir somit auf jeder Stufe Patienten, die trotz ihrer Schmerzen nicht mehr bereit sind, noch einen weiteren Therapieversuch zu unternehmen“, gab Überall zu be­ denken. Bei 19,3% aller Patienten setzten die Schmerzen am Ende des Dosierungs­ intervalls wieder ein. Unter dem 24- Stunden-Hydromorphon-Präparat war der Anteil mit 7,4% aber am geringsten. Laut Praxisleitlinie „Tumorschmerz“ der DGS ist Hydromorphon daher aufgrund seiner pharmakologischen Vorteile in der Verträglichkeit die Präferenz­ substanz in der Tumorschmerztherapie [www.DGS-PraxisLeitlinien.de] . Dr. Matthias Herrmann Symposium „Opioide in Schmerz- und Pallia­ tivmedizin – Fundament oder Supplement einer patientengerechten Individualisierung“, Deutscher Schmerz- und Palliativtag, Frankfurt am Main, 8.3.2019; Veranstalter: Aristo Pharma Angemessene Schmerztherapie für einen verbesserten Krankheitsverlauf im Alter — — Unzureichend behandelte chronische Schmerzen setzen eine immunsupprimie­ rende Kaskade in Gang und steigern so die Empfänglichkeit für Infektionen. Außerdem können sie Heilungsprozesse beeinträchti­ gen sowie bei onkologischen Patienten das Tumorwachstum und die Metastasierung begünstigen. „Mit einer guten Schmerzthe­ rapie verhelfen wir Patienten deshalb nicht nur zu einer besseren Lebensqualität. Der gesamte Krankheitsverlauf nimmt dann ei­ nen besseren Weg“, betonte Dr. Mario Lau­ fer, niedergelassener Facharzt für Anästhe­ siologie mit Zusatzbezeichnung Spezielle Schmerztherapie, Leipzig, auf dem Praxis­ nah-Kongress von Hexal in Berlin. Besonder­ heiten bei der Schmerztherapie älterer Pa­ tienten würden sich unter anderem durch das sogenannte Underreporting von Schmerzen, die häufig vorhandene Multi­ morbidität und durch ein protrahiertes Schmerzerleben durch Depression und Vereinsamung ergeben. Physiologisch seien Faktoren wie ein altersbedingter Rückgang der Nierenfunktion zu berücksichtigen. Zu den Zielen der chronischen Schmerzthe­ rapie zähle eine starke und dauerhafte An­ algesie bei guter Verträglichkeit und wenig Interaktionen. Von Vorteil sei die Möglich­ keit der flexiblen Dosierung, wie sie trans­ dermales Buprenorphin (z. B. Bupre-HEXAL) biete. Bei einer Wirkdauer von drei bis vier beziehungsweise sieben Tagen sind die Pflaster in einer großen Dosisbreite verfüg­ bar. Wie Laufer in Bezug auf die Polymedi­ kation anmerkte, nehmen ältere Patienten mit chronischen Schmerzen durchschnitt­ lich rund fünf ärztlich verordnete Medika­ mente ein [Basler HD et al. Schmerz 2003;17:252-60]. Um damit einhergehende Probleme zu vermeiden, sei der Einsatz ei­ ner Referenzliste für den Arzneimittelge­ brauch imAlter sinnvoll – etwa die PRISCUS- Liste, das Bewertungssystem FORTA („fit for the aged“) oder die Anwendung der START- und STOPP-Kriterien [Werner H. DMW 2009;134:95-6; Gallagher P et al. Int J Clin Pharmacol Ther 2008;46:72-83]. Dr. Matthias Herrmann PRAXISNAH – Der Kongress von Hexal, Berlin, 7.–8.12.2018; Veranstalter: Hexal Geschlechtsspezifische Unterschiede bei primären Kopfschmerzen — — Clusterkopfschmerzen treten zwar bei Männern häufiger auf, der Anteil der Frauen steigt jedoch vor allem bei spätem Beginn und chronischem Verlauf, betonte PD Dr. Charly Gaul, Neurologe an der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein, auf ei­ nem von Hormosan veranstalteten Sympo­ sium anlässlich des Deutschen Schmerz­ kongresses in Mannheim. Bei Frauen wer­ den Clusterkopfschmerzen häufig als Migräne ohne Aura, Trigeminusneuralgie oder auch als Zahnerkrankung fehldiagnos­ tiziert. Eine exakte Abgrenzung zu anderen trigeminoautonomen Kopfschmerzen oder Migräne basiert auf der Attackenhäufigkeit, der Dauer der Attacken sowie auf dem Verhalten der Patienten im Rahmen der Schmerzattacke. Mittels MRT müssen se­ kundäre Kopfschmerzen stets ausgeschlos­ sen werden. Die Zeit bis zur Diagnosestellung Cluster­ kopfschmerz ist mit imMittel 6,2 Jahren viel zu lang und die Patienten sind häufig thera­ peutisch unterversorgt, unterstrich Gaul. Unbehandelt haben chronische Cluster­ kopfschmerzen oft Depressionen und suizi­ dale Gedanken zur Folge. Kennzeichen von Clusterkopfschmerzen sind sehr starke, einseitige Schmerzepisoden direkt hinter dem Auge, die mit trigemino­ autonomen Begleiterscheinungen wie ipsi­ laterale Lakrimation, Rhinorrhö, nasale Kon­ gestion, Gesichtsschwitzen, Hautrötung oder Lidschwellung einhergehen. Im Unter­ schied zur Migräne verspüren die Patienten während der eher kurz andauernden Atta­ cken oft einen ausgeprägten Bewegungs­ drang aufgrund von körperlicher Unruhe oder Agitiertheit. Einzelne Attacken, die häufig 1–2 Stunden nach dem Einschlafen Industrieforum  64 Schmerzmedizin 2019; 35 (3)

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