Schmerzmedizin 1 / 2019

Präventionsmaßnahmen nötig Studenten wissen zu wenig über Kopfschmerz — — Eine repräsentative Umfrage unter 2.169 Studenten der Humboldt-Universität Berlin, der TU Dresden und der Fachhoch- schule Kiel hat ergeben, dass fast zwei Drittel der Studenten unter Kopfschmerzen leiden. Gleichzeitig offenbarte die Umfra- ge einen nur wenig professionellen Umgangmit den Schmerzen. So sind nur 33% der Studenten mit Migräne und 15% der Stu- denten mit Spannungskopfschmerz darüber informiert, auf welche Erkrankung ihre Beschwerden zurückzuführen sind, und weit mehr als die Hälfte der Betroffenen gab Freunde und Ver- wandte als die wichtigste Quelle für Informationen zu Krankheit und Therapie an. Folglich werden Migräne und Spannungskopf- schmerz zu 88% beziehungsweise 95% in Eigenregie behandelt – zu einem erheblichen Teil mit hohemMedikamentengebrauch, was die Gefahr steigert, zusätzlich einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch zu entwickeln. Die Erhebung ist Teil der Präventionskampagne „KopfHoch – Kopfschmerz und Migräne an der Hochschule kompetent vor- beugen“, die von Januar 2016 bis Oktober 2019 läuft und von der Schmerzklinik Kiel, der ZIES GmbH Frankfurt und der Barmer Ersatzkasse getragen wird. Ziel des Projekts ist es, dem wenig angemessenen Umgangmit Kopfschmerzen entgegenzuwirken. Speziell für die Zielgruppe der Studenten wurden dafür die Broschüre und der Film „headache hurts“ sowie eine Website (headache-hurts.de ) entwickelt. Auf dieser Website können sich Betroffene über die häufigsten Kopfschmerzarten informieren, es gibt Anleitungen zu Entspannungsübungen, einen Kopf- schmerzkalender sowie die Möglichkeit, eine Kopfschmerz-App herunterzuladen. Helmut Laschet Der Letzte-Hilfe-Kurs Lernen, das Sterben gemeinsam auszuhalten — — Was kommt auf mich zu, wenn ich Ange- hörige beim Sterben begleite? Wie kann ich ihr Leiden lindern? Und immer wieder: Was macht mich weniger hilflos? Viele Menschen haben das das Gefühl, viel zu wenig über das Sterben zu wissen. „Letzte Hilfe“ nennt sich der Ansatz, den Palliativmediziner da- her vor einigen Jahren entwickelt haben. Ein vierstündiges Seminar soll der Breite der Bevölkerung kompaktes Wissen über einen würdevollen Tod vermitteln. Die Analogie zur Ersten Hilfe ist dabei kein Zufall, erklärt Georg Bollig. Der gelernte Rettungssanitä- ter und Palliativarzt hatte die Idee für das Konzept: „Was im Notfall zu tun ist, haben viele im Erste-Hilfe-Kurs gelernt. Doch die wenigsten kommen je in so eine Situation. Beim Tod ist es andersherum“. Wir verlieren ältere Familienangehörige, Freunde können unheilbar krank werden. „Dann macht es doch nur Sinn, dass wir uns mindestens genauso gut auf die Begleitung von Ster- benden vorbereiten wie auf das Wiederbe- leben eines Menschen im Notfall“, bekräf- tigt Bollig. Themen des Kurses sind neben rechtlichen Fragen, etwa zur Vorsorgevollmacht, auch praktische Tipps für die letzten Stunden im Leben eines Menschen. So erfahren die Teilnehmer, dass es den Sterbenden gut tut, wenn die Lippen mit Feuchtigkeit benetzt werden und sie geliebte Geschmäcker wahrnehmen können. Undmanchmal gelte es einfach, die unsagbar schwere Situation des Sterbens gemeinsam auszuhalten. In der Fachwelt findet das Konzept Anklang: Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedi- zin etwa zeichnete die Kurse nach den ers- ten Pilotversuchen 2015 mit einem Förder- preis aus. Und auch die steigende Nachfrage unterstreicht die Bedeutung des Projekts: Den ersten Kurs gab Bollig 2015 in Schles- wig, inzwischen werden die Kursmaterialien europaweit in andere Sprachen übersetzt. Allein im deutschsprachigen Raum haben sich 800 Kursleiter ausbilden lassen. Fast 8.000 Teilnehmer konnten sie bisher errei- chen. Caroline Seidel und Florentine Dame Informationen zur Letzten Hilfe unter: www.letztehilfe.info Was zu tun ist, um Leben zu retten, lernt man im Erste-Hilfe-Kurs. Aber wie begleitet man richtig am Lebensende? ©© CandyBox Images / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen) Zwei Drittel der Studenten in Deutschland leiden an Kopf- schmerzen – aber nur die wenigsten sind adäquat informiert und therapiert. ©© Jan Woitas / dpa Schmerzmedizin 2019; 35 (1) 7

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