Schmerzmedizin 5 / 2019

S3-Leitlinie Palliativversorgung Acht neue Kapitel ergänzt — — Unter der Federführung der Deut- schen Gesellschaft für Palliativmedi- zin e. V. (DGP) wurde im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie die aus dem Jahr 2015 stammende S3- Leitlinie „Palliativmedizin für Patien- ten mit einer nicht heilbaren Krebser- krankung“ aktualisiert und um acht Themengebiete erweitert. Neben den bereits bestehenden Kapiteln zu Versorgungsstrukturen, Kommunikation, Atemnot, Tumor- schmerz, Obstipation, Depression und Sterbephase widmet sich die neue Leitlinie nun auch den Themen Therapiezielfindung, Fatigue, nächt- liche Unruhe, Übelkeit und Erbrechen (unabhängig von der Chemothera- pie), maligne intestinale Obstruktion, maligne Wunden, Angst und Todes- wünsche. An der Leitlinie waren 70 Fachgesellschaften und Organisatio- nen beteiligt. eb Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin Zusammenhang entdeckt Autoimmunerkrankung als Ursache für Polyneuropathie — — Polyneuropathien werden oft durch Diabetes oder Alkoholismus hervorgerufen. Bei schweren Polyneuropathien kommt jedoch auch eine ganz andere Ursache in Betracht, wie Forscher der Medizini- schen Hochschule Hannover (MHH) nun herausgefunden haben. In ihrer Studie stellten sie bei jedem vierten Patienten mit Polyneu- ropathie ein Sjögren-Syndrom als Auslöser fest [Seeliger T et al. Front Immunol 2019;10:1600]. Diese Autoimmunerkrankung machte das Team um Dr. Tabea Seeliger innerhalb von zweieinhalb Jahren bei 44 von 184 Patienten als Ursache für die Beschwerden aus. Für die Diagnose Sjögren-Syndrommessen Ärzte die Tränen- und Speichel- produktion der Patienten. Zusätzlichmüssen imBlut Autoantikörper gegen das SS-A/Ro-Antigen nachzuweisen sein. Liegen diese Auto- antikörper nicht vor, klärt erst eine nachgewiesene Entzündung der Speicheldrüsen die Diagnose Sjögren-Syndrom. Durch eine Therapie mit Immunsuppressiva ließ sich bei vielen Pa- tienten ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern und sogar die schweren Behinderungen bessern. Die Forscher wollen nun Haus- ärzte und Kliniker für das Sjögren-Syndrom sensibilisieren, berichtet die MHH. Das Problem nämlich: Patienten mit der üblichen Sjögren- Symptomatik – trockener Mund, trockene Augen und Durchblu- tungsstörungen – werden bislang vor allem von Rheumatologen behandelt, denen das Sjögren-Syndrom vertraut ist. Patienten mit schweren Lähmungen werden dagegen in neurologische Kliniken eingewiesen, wo das Krankheitsbild Sjögren-Syndrom weitgehend unbekannt sei. Anne Bäurle Epidemiologischer Suchtsurvey 2018 Schmerzmittelsucht stärker verbreitet als Alkoholabhängigkeit — — Gesunde Lebensführung gilt in Deutsch- land längst als chic. Doch Alkohol und Tabak, aber auch Drogen wie Cannabis und Am- phetamine sind in der Bevölkerung nachwie vor weit verbreitet. Das legen die Ergebnisse des Epidemiologischen Suchtsurveys 2018 des Instituts für Therapieforschung in Mün- chen nahe [Atzendorf J et al. Dtsch Arztebl Int 2019;116:577-84 und Seitz NN et al. Dtsch Arztebl Int 2019;116:585-91]. Die Schmerz- mittelabhängigkeit liegt dabei nun sogar knapp vor der Alkoholabhängigkeit. Im Survey wurde untersucht, was die Deut- schen in den letzten 30 Tagen vor der Befra- gung an potenziell suchtauslösenden Stof- fen zu sich genommen hatten. Hochgerech- net hatten demnach 36,9 Millionen der 18- bis 64-Jährigen Alkohol getrunken und 12 Millionen haben Zigaretten geraucht. Täg- lich zur Zigarette greifen dabei knapp 8 Millionen Menschen, 2,8 Millionen sogar mehr als 20 Mal am Tag. Auffällig war auch die Gebrauchsprävalenz von Schmerzmit- teln. 26 Millionen Befragte hatten imMonat vor der Befragung Schmerzmittel zu sich genommen, mehrheitlich ohne ärztliche Verordnung. Als alkoholabhängig gelten nach den Ergebnissen des Surveys 1,6 Milli- onen Menschen in Deutschland (Prävalenz von 3,1%). Leicht höher liegt sogar die Prä- valenz für Schmerzmittelabhängige (3,2%). Das Gros dieser Suchterkrankungen führen die Studienautoren auf nicht opioidhaltige, freiverkäufliche Analgetika mit gleichwohl hohem Abhängigkeitspotenzial zurück. Zusammenfassend sehen die Autoren ris- kante Konsummuster in der Bevölkerung weit verbreitet. Die substanzbezogenen Störungen müssten als erhebliche Belas- tung für die Gesellschaft gewertet werden. Anno Fricke ©© sangriana / Getty Images / iStock Schmerzmittelabhängige konsumieren vor allem freiverkäufliche, nicht opioid- haltige Analgetika. Typisch für das Sjögren-Symptom sind trockene Augen – und wohl auch Polyneuropathien, wie Forscher gefunden haben. ©© ia_64 / Getty Images / iStock Schmerzmedizin 2019; 35 (5) 7

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