Schmerzmedizin 4 / 2019

Ärztlich assistierter Suizid BGH bestätigt Freispruch — — Der Bundesgerichtshof (BGH) hat den Freispruch zweier Ärzte bestä- tigt, die wegen ärztlich assistierten Suizids vor Gericht gestanden hatten. Die Deutsche Gesellschaft für Pallia- tivmedizin (DGP) begrüßt dies. Der Präsident der DGP Professor Lukas Radbruch: „Es wäre völligwidersinnig, wenn der Arzt weiß, dass der Patient sterben möchte und lebenserhalten- de Behandlungen ablehnt, und trotz- dem diese Behandlungen durchfüh- renmüsste.“ Das Urteil, dass die Ärzte in einer solchen Situation keine Tö- tung durch Unterlassung begehen, wenn sie lebenserhaltende Behand- lungen nicht durchführen, gebe den Ärzten die notwendige Sicherheit in der Begleitung. Entscheidend sei, dass der Sterbewunsch freiverantwortlich getroffenwurde und keine psychische Erkrankung oder äußerer Druck zu- grunde liegen. red Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin Cannbis als Medizin „Leider noch kein Medikament wie jedes andere“ — — NachMeldung der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin nutzen mittlerweile, zwei Jahre nach seiner Zulassung, 40.000 Patienten in Deutschland Cannabis als Me- dizinprodukt. Dennoch sei es noch kein Medikament wie jedes andere, bedauert Professor Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS): „Ein zen- trales Problem ist, dass in denmeisten Fällen weder die Patienten noch die Ärzte wissen, dass Cannabis als Medizin helfen könnte. Diese Wissenslücke in der Ärzteschaft ist ein Flaschenhals beim Einsatz von Cannabis in Deutschland. Zahlreiche Ärzte lehnen eine Behandlung mit Cannabis ab, weil sie die- sem skeptisch gegenüberstehen, verunsi- chert sind, Angst vor negativer Reputation haben oder die bürokratischen Hürden fürchten.“ Um dieses Problem anzugehen, hat Stöver gemeinsam mit Maximilian Plenert, der vomAufmerksamkeits-/Hyperaktivitätssyn- drom (ADHS) betroffen ist und sich die Cannabismedikation auf dem Rechtsweg erstritten hat, daher den Ratgeber „Cannabis als Medi- zin – Praxisratgeber für Patienten, Ärzte und Angehörige“ verfasst. Neben einer Einführung zur Cannabispflanze und deren Wirkung finden sich darin Antworten auf rechtliche wie medizinische Fragen sowie Hilfestellungen, etwa wie man eine Kostenübernahme durch die Kran- kenkasse erreichen kann und welche Wider- spruchsvorlage man verwenden sollte. Da die Cannabisblüte noch ohne Beipackzettel abgegeben wird, stellt das Werk diesen erstmals den Patienten zur Verfügung. red Nach Informationen der Frankfurt University of Applied Sciences ©© digihelion / Getty Images / iStock Verbesserung der Migräneversorgung Generelle Rezeptfreiheit für Triptane? — — In Deutschland sind bislang lediglich zwei Triptanpräparate zur Akuttherapie von Migräneattacken rezeptfrei zugelassen: Naratriptan und Almotriptan. Dass aber ein niederschwelliger Zugang zu mehr Thera­ piemöglichkeiten nicht nur für die Patien- ten, sondern für das ganze Gesundheitssys- tem von Vorteil wäre, hob der Gesundheits- ökonom Professor Uwe May auf der dritten Switch-Konferenz des Bundesverbandes der Arzneimittelhersteller (BAH) in Berlin hervor. So läge die Arbeitsbelastung von Ärzten in Deutschland oberhalb dessen, was überhaupt noch als sicher angesehen wird. „Wenn Medikamente rezeptfrei ver- fügbar werden, sparen Ärzte die wertvolle Ressource Arbeitszeit.“ Auch ließen sich Krankschreibungen reduzieren, wennmehr Menschen Zugang zu den für sie wirksamen Triptanen hätten. „Viele berichten, dass sie sich bei Migräne einfach ins dunkle Zimmer legen und leiden. Das würden sie nicht machen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten“, betonte May. In einer Befragung gab fast die Hälfte aller Teilnehmer an, bei Migräne in die Apotheke zu gehen, circa 40% der Migränepatienten hingegen gingen zumArzt. Davon erwarten 88% ein Rezept, 98% lösen dieses auch ein. Als Hauptgrund für den Arztbesuch nennen 69%, dass die Packungenmit Rezept größer sind. „OTC-Packungen enthalten nur zwei Pillen, damit kommt man nicht weit“, berich- tete Cosima Bauer, Lehrbeauftragte im Studiengang Consumer Health Care an der Charité in Berlin. 76% der Befragten berich- ten, ihr Triptan sei derzeit rezeptpflichtig. „Das bedeutet, dass die meisten Migräne­ patienten zum Arzt gehen müssen, um ihr passendes Triptan überhaupt erst zu be- kommen.“ Sarah Weckerling Von Rezeptfreiheit für Triptane könnte auch das Gesundheitssystem profitieren. ©© contrastwerkstatt / Fotolia (Symbolbild mit Fotomodellen) Schmerzmedizin 2019; 35 (4) 7

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