Schmerzmedizin 3 / 2019

Rückenschmerzen bei Kindern Von Bewegung in der Jugend profitiert man auch im Alter — — Rückenschmerzen sind nicht nur bei Erwachsenen weit verbreitet, sondern haben auch bei Kindern stark zugenom- men. In der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutsch- land (KiGGS) des Robert Koch-Instituts gaben mehr als drei Viertel der 11- bis 17-Jährigen an, in den letzten drei Mona- ten Schmerzen gehabt zu haben. Fast die Hälfte davon klagte dabei über Rücken- schmerzen. Als häufigste Ursache für die enorme Zu- nahme vermuten Ärzte zu wenig Bewe- gung. „Denn ohne ausreichend Bewe- gung werden die für die Haltung so wichtigen kindlichenMuskeln zu schwach ausgebildet. Das begünstigt Fehlstellun- gen der Wirbelsäule. Es kann zur Verküm- merung der Muskulatur kommen, sodass die stützende und koordinierende Funk- tion der Muskeln auf die Körperhaltung unzureichend ist“, betont Professor Robert Rödl, erster Vorsitzender der Sektion „Vereinigung für Kinderorthopä- die“ der Deutschen Gesellschaft für Or- thopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und Chefarzt der Abteilung für Kinder­ orthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie am Universitätsklini- kum Münster. Die DGOU ruft daher dazu auf, mehr körperliche Aktivitäten in den Alltag der Kinder und Jugendlichen zu integrieren, im Idealfall mindestens eine Stunde täg- lich. „Wenn Kinder Sport und Bewegung nicht selbstverständlich in ihre tägliche Freizeit einbauen, sind Verspannungen der Rückenmuskulatur, Haltungsschäden und damit Rückenschmerzen im Erwach- senenalter vorprogrammiert“, betont auch Professor Bernd Kladny, DGOU-Ge- neralsekretär und Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie, m&i- Fachklinik Herzogenaurach. Nach Informationen der DGOU ©© Pictures4you / stock.adobe.com Mindestens eine Stunde Bewegung täglich empfiehlt die DGOU, um Rückenschmerzen bei Kindern entgegenzuwirken. ©© FatCamera / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen) Studie zu den Auslösern von Kopfschmerzen Rotwein – Migräne-Trigger oder nicht? — — Eine aktuell im European Journal of Neurology publizierte, niederländische Studie [Onderwater GLJ et al. Eur J Neurol 2019;26:588-95] untersuchte den Stellen- wert alkoholischer Getränke als Auslöser von Migräneattacken und den Effekt auf den Konsum von Alkohol bei Migränepati- enten. 2.197 Patienten im Alter zwischen 18 und 80 Jahren wurden webbasiert zu ihrem Trinkverhalten und ihren Kopfschmerz- Triggern befragt. Von den Befragten erklärten insgesamt 783 Patienten (35,6%), dass Alkohol bei ihnen Kopfschmerzattacken auslöst. Unter den 1.547 Befragten, die gelegentlich Alkohol trinken, war der Anteil sogar noch höher: In dieser Gruppe gaben 42,5% an, dass Alko- hol bei ihnen ein Migräne-Trigger ist. Pati- enten, bei denen der Konsum von Alkohol Migräneanfälle auslöst, hatten imVergleich zu den anderen einen geringeren Body- Mass-Index (BMI), litten häufiger unter Mig- räne ohne Aura-Symptome, hatten mehr Migräneattacken pro Jahr und mehr „Mig- ränetage“. In der Studie wurde auch untersucht, wel- che alkoholischen Getränke besonders häufig zu Migräneattacken führen. Am häufigsten wurde Wein, insbesondere Rot- wein, genannt. Die Befragten gaben an, dass bereits zwei Standardgläser ausrei- chen, um einen Migräneanfall zu provozie- ren. Andererseits berichteten aber nur 8,8% der Studienteilnehmer, dass Rotwein bei ihnen immer und ausnahmslos zu Migräne- anfällen führt. Die Studienautoren zweifeln daher an, dass Alkohol/Rotwein ein eigen- ständiger Trigger ist. Fakt sei aber, dass Mi- gräne das Konsumverhalten von Alkohol verändert, viele Patienten nehmen Abstand. Laut den Studienautoren kann daher disku- tiert werden, ob Alkohol ein echter oder nur ein „gefühlter“ Auslöser von Migräneatta- cken sei. Professor Hans-Christoph Diener, Presse- sprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) aus Essen, ordnet die Er- gebnisse folgendermaßen ein: „Selten ist nur ein einziger Trigger für den Ausbruch eines Migräneanfalls verantwortlich, meist kom- men mehre- re Auslö- ser zusam- men. Rotwein kann man leicht umgehen, andere Migräneauslöser wie Hormonschwankungen oder Wetterum- schwünge aber nicht. Deswegen ist es klug, auf vermeidbare Auslöser zu verzichten, um das Risiko für das Auftreten von Migräne­ attacken geringer zu halten. Die Studie sollte keinesfalls so interpretiert werden, dass Migränepatienten ruhig Rotwein trin- ken sollten – Alkohol, insbesondere Rot- wein, bleibt ein Migräne-Trigger, nicht ge- klärt ist nur, wie groß sein Einfluss tatsäch- lich ist. Migränepatienten sind immer gut beraten, jeden vermeidbaren Auslöser einer Migräneattacke zu umgehen.“ Nach Informationen der DGN Schmerzmedizin 2019; 35 (3) 9

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