Schmerzmedizin 5 / 2018

Alternative zu Laxanzien bei opioidinduzierter Obstipation Die opioidinduzierte Obstipation (OIC) ist eine häufige Komplikation der Thera- pie mit Opioiden. Dennoch gibt es in Deutschland aktuell keine spezifische Leitlinie zur Behandlung der OIC. Als Ori- entierungshilfe für Ärzte hat eine deut- sche Expertengruppe um Professor Martin Storr, Internist am Zentrum für Endoskopie Starnberg, und PD Dr. Stefan Wirz, Facharzt für Anästhesie am CURA- katholischen Krankenhaus, Bad Honnef, jetzt eine Konsensus-Empfehlung für die Diagnose und Therapie der OIC entwi- ckelt. Die Experten raten darin nach Versagen von Laxanzien zu einer medi- kamentöse Therapie mit einem PAMORA (peripherally acting μ-opioid receptor antagonist), zum Beispiel orales Nalox- egol ). Naloxegol ist ein pegyliertes Derivat des Opioid-Rezeptor-Antagonisten Naloxon. Als PAMORA wirkt es im Gastrointestinal- trakt, wobei es die obstipierende Wir- kung von Opioiden reduziert, ohne dabei die opioidvermittelten analgeti- schen Wirkungen im Zentralnerven­ system zu beeinträchtigen. Es ist indiziert zur Behandlung der opioid­ induzierten Obstipation bei Erwachse- nen, die nur unzureichend auf Laxanzien angesprochen haben. Nach Informationen von Kyowa Kirin „Schmerzpumpe“ für die Langzeittherapie Die Riemser Pharma GmbH, hat von der japanischen Eisai Co., Ltd. die exklusiven Entwicklungs- und Vermarktungsrechte in Europa für das nicht opioide Schmerz- therapieprodukt (Ziconotid) er- worben. Aktuell wird in zwölf europäischen Ländern vertrieben. Bei handelt es sich um eine nicht opioide intrathekale Infusion zur Behandlung schwerer chronischer Schmerzen. Das Arzneimittel wird mittels einer implantierten Schmerz- pumpe direkt ins Rückenmark injiziert. Im Gegensatz zu Opioiden entwickelt sich bei dem in eingesetzten Wirkstoff Ziconotid keine Toleranz oder Abhängigkeit. Damit ist das Medikament gut für die Langzeittherapie geeignet. Nach Informationen von Riemser Pharma Cannabinoid-Spray gegen schmerzhafte Spastik bei Multipler Sklerose — — Seit 2011 ist ein cannabinoidhaltiges Oromukosalspray als Add-On-Therapie für die mittelschwere bis schwere Multiple- Sklerose (MS)-induzierte Spastik zugelassen. Die bisher vorliegenden positiven Studien wurden kürzlich durch die Studie SAVANT as Add-on therapy vs. further opti- mized first-line ANTispastics) ergänzt. Sie untersuchte dieWirksamkeit und Verträglich- keit von als Zusatztherapie im Ver- gleich zu einer optimierten antispastischen Standardtherapie bei MS-Patienten, die mit antispastischer Standardtherapie keinen ausreichenden Therapieerfolg erreicht hat- ten [Markovà et al. Int J Neurosci 2018:1-28. doi:10.1080 /00207454.2018 .1481066]. Primärer Endpunkt war der Anteil der Pati- enten, die nach 12 Wochen randomisierter Behandlung eine Verbesserung der Spastik um mindestens 30% zeigten. Außerdem untersuchten die Forscher die Wirksamkeit des Sprays bei Spastik-assoziierten Sympto- men wie Schmerzen. Das therapeutische Ansprechen wurde mit der numerischen Rangskala (NRS) beurteilt (0 = keine Spastik; 10 = schlimmste vorstellbare Spastik inner- halb der vergangenen 24 Stunden). In einer vierwöchigen Phase A wurden zu- nächst mögliche Responder identifiziert, die unter der Zusatztherapie eine Reduktion (≥ 20% des NRS-Ausgangswer- tes) und in der darauffolgenden ein- bis vierwöchigen Auswaschphase eine Ver- schlechterung (≥ 80% des NRS-Ausgangs- wertes) ihrer Spastik zeigten. In der sich anschließenden 12-wöchigen Phase B wendeten die 106 identifizierten Patienten das Spray zusätzlich zu ihrer optimierten antispastischen Therapie (Baclofen und/ oder Tizanidin) an. Nach Ende der Phase B war der Anteil der Patienten mit einer mindestens 30%igen Verbesserung ihrer Spastik in der Verum- gruppe signifikant höher als unter Placebo (77,4% vs. 32,1%, adjustierte OR [odds ratio] 7,03; 95%-Konfidenzintervall: 2,95–16,74; p<0,0001). Die Spastik-assoziierten Schmerzen (NRS 0–10) waren nach zwölf Wochen ebenfalls signifikant reduziert (–3,2 vs. –1,8; p < 0,0013). Bei 22,6% der Patienten in der Verumgruppe und bei 13,2% der Patienten unter Placebo traten uner- wünschte Ereignisse (meist Schwindel und Müdigkeit) auf, die überwiegend mild beziehungsweise moderat ausgeprägt waren. „Aufgrund dieser Ergebnisse ist eine wichtige Add-On-Option für MS-Patienten, die mit hergebrachten Anti- spastika keinen ausreichenden Therapieer- folg erfahren“, sagte der Neurologe Profes- sor Michael Haupts, Augustahospital Anholt, Isselburg. Dr. Claudia Bruhn Pressegespräch „Cannabinoide: Therapeutische Option nur für die MS-Spastik?“, Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neuro- physiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) 2018, Berlin, 15.3.2018; Veranstalter: Almirall Der Anästhesiologe PD Dr. Tom Meuser, GFO-Kliniken Rhein-Berg, Bergisch Glad- bach präsentierte eigene Daten, die einen Vergleich zwischen PCA mit sublingualem Sufentanil und PCA mit intravenösem Piri- tramid nach Kniegelenksersatz erlauben. Bei 60 Patienten je Gruppe zeigen die noch nicht publizierten Ergebnisse hinsichtlich Schmerzreduktion, Sauerstoffsättigung, Patientenzufriedenheit und Verträglichkeit keine Unterschiede zwischen den Behand- lungsarten auf. In Bezug auf die Mobilität nach der Operation erhielt die „kabellose“, sublinguale PCA von Patienten und Physio- therapeuten im Durchschnitt aber eine bessere „Schulnote“ als die intravenöse PCA. Weitere, noch unveröffentlichte Daten zeigten zudem, dass das sublinguale PCA- System für das Pflegepersonal eine Zeit­ ersparnis von durchschnittlich mehr als 15 Minuten pro Patient mit sich bringt. Dr. Matthias Herrmann Satellitensymposium „Postoperatives Schmerz- management im 21. Jahrhundert: Patienten­ gesteuert, nicht invasiv und fachübergreifend“, Deutscher Anästhesiecongress 2018, Nürnberg, 27.3.2018; Veranstalter: Grünenthal GmbH Industrieforum  64 Schmerzmedizin 2018; 34 (5)

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