Schmerzmedizin 6 / 2018

Medi zin Report aktuell Tapentadol Gegen Mixed Pain mit dualemWirkmechanismus Über den dualen Wirkmechanismus von Tapentadol kann nozizeptiver und neuropa thischer Schmerz gleichzeitig adressiert werden. Damit ist der Wirkstoff insbesondere für Patienten mit gemischten Schmerzformen geeignet. „Gemischte Schmerzformen (Mixed Pain) sind häufiger als angenommen“, er- klärte Dr. Dietmar Wulfert, Herten, und nannte als Beispiel eine osteoporotische Sinterungsfraktur: „Durch den Knochen- bruch wird ein nozizeptiver Schmerz hervorgerufen, gleichzeitig sind aber auch Spinalnerven und das Periost mit seinen zahlreichen Nerven betroffen. An diese Verknüpfung von nozizeptivem und neuropathischem Schmerz wird im Behandlungsalltag aber oft nicht gedacht.“ Analgetikummit dualem Effekt Eine Option für diese Patienten kann Ta- pentadol ( sein, das sich durch eine starke Analgesie bei guter Verträglich- keit und eingeringes Interaktionspotenzial auszeichnet. Tapentadol zeigt einen syner- gistischen Wirkmechanismus, indem es die Effekte von MOR (µ-Opioid-Rezeptor- Agonist) und NRI (Noradrenalin-Wiederauf- nahmehemmer) in einem einzigen Molekül vereint. Synapse im Hinterhorn des Rückenmarks Glutamat, Substanz P Tapentadol blockiert die Noradrenalin- Wiederaufnahme TAP Erhöhung der Noradrenalin- Konzentration im synaptischen Spalt absteigende Noradrenalin-Bahn aufsteigende Nervenbahn Schmerz- weiterleitung reduziert Schmerz α 2 2 Abb. 1: Dualer Wirkmechanismus von Tapentadol: Die Schmerzweiterleitung wird reduziert und die Schmerzhemmung verstärkt (modifiziert nach [1, 2]) Auf Rückenmarksebene sorgt die MOR- Komponente dafür, dass Tapentadol so- wohl an die präsynaptischen als auch die postsynaptischen µ-Opioid-Rezeptoren aufsteigender Nervenbahnen bindet und auf diese Weise die Schmerzweiterleitung zumGehirn reduziert. Die NRI-Komponente des Analgetikums blockiert dieNoradrena- lin-Wiederaufnahme in den absteigenden Noradrenalin-Bahnen und erhöht so die Konzentration des Neurotransmitters im synaptischen Spalt – die Schmerzhem- mung wird verstärkt ( Abb. 1 ). Die MOR- Komponente adressiert dabei insbeson- dere den nozizeptiven Schmerz, die NRI- Komponente lindert den neuropathischen Schmerz [1, 2]. In der Verträglichkeit überlegen Neben dem dualen Wirkmechanismus zeichnet sich Tapentadol bei starker Wirk- samkeit durch eine gute Verträglichkeit aus. Eine Studie zeigt, dass das starke Analgeti- kum bei akuten postoperativen Schmerzen eine mit Oxycodon vergleichbare Wirkung aufweist, abermit einer deutlich geringeren Rate an Übelkeit und Erbrechen assoziiert ist [3]. Entsprechend kommt Tapentadol in der Klinik auch wegen der Einsetzbarkeit bei leichter Einschränkung der Leber- und leichter bis mittlerer Einschränkung der Nierenfunktion unter anderem für die post- operative Versorgung von Patienten aller Altersstufen zum Einsatz und ermöglicht eine rasche Mobilisierung der Patienten. Bei Tumorschmerzen zeigt Tapentadol eine zu retardiertemMorphin vergleichba- re Wirksamkeit mit ebenfalls deutlich bes- serem Verträglichkeitsprofil [4]. Weitere Ar- gumente, die für Tapentadol sprechen, sind die verhältnismäßig einfache Titration und die in der Regel problemlose Absetzbarkeit. Analgesie: Stellenwert für Patienten hoch Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Christian Simanski, Langenfeld, führte an der Univer- sität Witten/Herdecke eine Evaluation des weiteren Verlaufs der Analgesie nach einer stationären postoperativen Akutschmerz- therapie durch: Die Patientenzufriedenheit wurde in der prospektiven Beobachtungs- studie kurz vor der Entlassung sowie zwei Wochen und sechs Monate nach der Ent- lassung mithilfe von Fragebögen erhoben. In die Auswertung gingen die Rückmel- dungen von 128 Patienten ein. Außerdem konnten die Aussagen von 103 niederge- lassenen Ärzten in die Untersuchung ein- bezogen werden [5]. Zufriedene Patien- ten gaben bei drei Viertel der Fragen nach der Schmerzintensität signifikant weniger Schmerzen an als „unzufriedene“ oder „un- entschlossene“ Patienten. Eine effektive Schmerztherapie besitzt also einen hohen Stellenwert für die Patienten. Viele Patienten leiden postoperativ trotz analgetischer Behandlung unter mäßig starken bis starken Schmerzen, dies zeigt eine Auswertung von 179 verschiedenen Operationen an mehr als 70.000 Patien-

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