Schmerzmedizin 6 / 2018

EU-Zulassung für Erenumab zur Migräneprophylaxe Die Europäische Kommission hat die Zulassung von Erenumab zur Prophylaxe von Migräne bei Erwachse­ nen mit vier oder mehr Migränetagen im Monat erteilt. Der Antikörper wird alle vier Wochen vom Patienten selbst sub­ kutan mit dem Autoinjektor Pen injiziert. In zulassungsrelevanten klinischen Studien mit mehr als 2.600 Patienten reduzierte sich nach Anti­ körpergabe die Zahl der monatlichen Migränetage in Patienten signifikant. Das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil war dabei ähnlich wie von Placebo. Nach Informationen von Novartis Kombipräparat hilft gegen Obstipation und Schmerzen Eine häufige und belastende Nebenwir­ kung von Schmerzmitteln der Stufe II und III ist die Opioid-induzierte Obsti­ pation (OIC). Daher hat Medac das Kom­ binationspräparat Oxycodon/Naloxon entwickelt, das sowohl star­ ke Schmerzen als auch die OIC mindert. Die retardierte Tablette hat eine Wirk­ dauer von 12 Stunden und steht Patien­ ten in vier Wirkstärken zur Verfügung: 5/2,5 mg, 10/5 mg, 20/10 mg, 40/20 mg sowie 30/15 mg. Zudem lassen sich die Tabletten ab der Stärke von 10/5 mg in dosisgleiche Hälften teilen. Nach Informationen von Medac Fremanezumab in den USA zur Migräneprophylaxe zugelassen Die US Food and Drug Administration (FDA) hat die Zulassung für Fremane­ zumab-vfrm (Ajovy™) zur Migräne­ prophylaxe erteilt. Fremanezumab ist ein humanisierter, monoklonaler Antikörper gegen das Calcitonin-Gene-Related-Peptid (CGRP). Er wird entweder monat­ lich (225 mg) oder vierteljährlich (675 mg) verabreicht. In zwei placebo­ kontrollierten klinischen Phase-III-Studien sank im Verlauf von 12 Wochen die Zahl der monatlichen Migränetage um 3,4 (episodische Migräne) bezie­ hungsweise 4,3 Tage (chronische Migrä­ ne). Häufigste Nebenwirkung waren Reaktionen an der Injektionsstelle. Nach Informationen von Teva Cannabis: Krankenkassen lehnen jeden dritten Antrag ab — — Seit März 2017 kann medizinisches Cannabis (Cannabis-Blüten sowie gut defi­ nierte Cannabis-Extrakte wie Dronabinol, Nabiximol und Nabilon) in Deutschland auf Betäubungsmittelrezept verordnet werden. Ziel dieser Gesetzesneuerung war es, das Leiden schwerstkranker Patienten zu lin­ dern, berichtete Dr. Marc Seibolt, Schmerz­ therapeut am Algesiologikum in München. Er kritisierte, dass der Einsatz dieser neuen Therapieoption in der täglichen Praxis häufig durch bürokratische Erstattungsver­ fahren erschwert wird. So wird derzeit jeder dritte Antrag von den gesetzlichen Kran­ kenkassen (GKV) negativ beschieden, ob­ wohl die Kostenübernahme laut Gesetz die Regel sein sollte. Nicht im Gesetzestext vermerkt sei auch eine Befristung der kas­ senärztlichen Leistung. Diese „holprige“ Erstattungspraxis führe dazu, dass viele Ärzte ihren Patienten Cannabinoide nur zögerlich verordnen. Wie Professor Sven Gottschling, Chefarzt am Zentrum für Palliativmedizin und Kin­ derschmerztherapie in Homburg/Saar, ausführte, kannmedizinisches Cannabis bei einem breiten Spektrum belastender Sym­ ptome eingesetzt werden: von chronischen Schmerzen und Spastiken über Inappetenz, Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten bis hin zu psychischen Störungen wie Angst, Unruhe und Schlaflosigkeit. Die vielfältigen Wirkungen der Cannabino­ ide beruhen vor allem darauf, dass es fast überall im Körper Rezeptoren für sie gibt. Eine Ausnahme bilde das Stammhirn, erklärte Gottschling weiter, ein Grund da­ für, dass eine Überdosierung mit Todesfol­ ge kaum möglich sei. Der Schmerz- und Palliativmediziner bezeichnete Cannabino­ ide als sehr sichere Medikamente mit guter Langzeitverträglichkeit. So könne man Patienten gerade in der palliativen Situati­ on wirksam mit einem nebenwirkungs­ armen Präparat helfen. Die Studienlage sei zwar noch dünn, sie rechtfertige aber durchaus den individuel­ len Einsatz bei schwerkranken Patienten, bei denen verschiedene andere Therapien versagt haben. „Cannabis sollte nicht mit der Gießkanne ausgeschüttet werden, sondern mit Augenmaß für ausgewählte Patienten“, urteilte Gottschling abschlie­ ßend. Dr. Martina-Jasmin Utzt Pressekonferenz „Cannabis in der Medizin“, München, 24.7.2018; Veranstalter: Komitee Forschung Naturmedizin Opioidabhängigkeit – so können Ärzte ihre Patienten unterstützen — — Zum Thema „Opioidabhängigkeit“ hat die neuraxFoundation gGmbH eine neue Broschüre veröffentlicht. Ziel ist es, Ärzte und Fachkräfte ohne großen Zeitaufwand imGesprächmit Patienten und deren Ange­ hörigen zu unterstützen, wenn es um sozial­ rechtliche Fragen geht – etwa in Bezug auf Rehabilitationsmöglichkeiten und Pflege­ leistungen. In der Broschüre neuraxWiki­ print sind unter anderem Hintergründe zur Opioidabhängigkeit, die verfügbaren The­ rapie- und Unterstützungsangebote sowie relevante sozialrechtliche Aspekte aufberei­ tet. Auch finden Betroffene Adressen von relevanten Anlaufstellen und Ansprech­ partnern. Die Broschüre ergänzt den neuraxWikiprint Hauptratgeber „Sozialrecht“. Der etwa 140 Seiten umfassende Hauptratgeber wird jährlich mit generellen Informationen zu sozialrechtlichen Leistungsansprüchen, die Patienten gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse, Pflegekasse und anderen Sozialleistungsträgern haben, neu aufge­ legt. Hauptratgeber und Broschüre lassen sich kostenlos downloaden (www.neuraxWiki. de) beziehungsweise bestellen. Viele Inhal­ te sind zudem direkt über das Portal und per Suchfunktion schnell auffindbar. red Nach Informationen der neuraxFoundation Schmerzmedizin 2018; 34 (6) 67

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