Schmerzmedizin 2 / 2019

wurde als sie auf das Opioid um- gestellt wurden [4]. Im Matched- Pair-Verfahren wurden daraus Sub- kohorten mit jeweils 185 Patienten gebildet. Die jeweiligen Paare wur- den nach Alter, Geschlecht, Diagnose, Begleiterkrankungen und anderen behandlungsunabhängigen Parame- tern abgeglichen. Mittels Propensity- Score-Analyse wurden dann die Sub- gruppen miteinander verglichen, die auf oral retardiertes Morphin, Oxy- codon oder Hydromorphon eingestellt worden waren. Primärer Endpunkt der Studie war eine Beschwerdeabnahme um min- destens 50% in der Responderanalyse. Beurteilt wurden Schmerzintensität, Funktionalität und der im QLIP (Quality of Life Impairment by Pain Inventory)- Fragebogen zur schmerzbeding- ten Lebensqualitätseinschränkung erhobene Gesamtscore. Patientencharakteristika und Dosierungsverlauf Das mittlere Patientenalter lag bei 60 Jahren, der Frauenanteil bei 56%. Die durchschnittliche Dosis in Morphin- äquivalent (MÄQ) war laut Überall zu Therapiebeginn vergleichbar; die Pa- tienten seien nach MÄQ gematcht worden. Am Ende des 12-wöchigen Beobachtungszeitraums lag die Dosis bei 117,3±42,8mg MÄQ Hydromor- phon, 106,2±39,3mg MÄQ Oxycodon bzw. 101,2 ± 40,2mg Morphin. Wirkstoffspezifische Risiken und Therapieerfolg Therapieabbrüche waren in der Hydro- morphon-Gruppe mit 20% (p<0,001) seltener als unter den beiden ande- ren Therapien. Die Therapie mit Oxy- codon wurde in 41,1% und die mit Morphin in 48,7% der Fälle abgebro- chen. Der häufigste Grund waren Ne- benwirkungen, als stärkster Prädiktor wurden wirkstoffspezifische Kontrain- dikationen ermittelt. Deren Prävalenz lag insgesamt bei 54,2%, war in der Morphin-Gruppe am höchsten und in der Hydromorphon-Gruppe am nied- rigsten ( Abb. 1 ) [4]. Die Schmerzintensität wurde unter der Opioid-Therapie in der gesam- Schmerzlinderung ≥50% Funktionsverbesserung ≥50% Lebensqualitätsverbesserung ≥50% Verbesserung in allen Bereichen ≥50% 24-h-Hydromorphon (n=103) Hydromorphon sonstige (n=82) 0 10 20 30 40 50 77,7 68,3 58,3 54,9 76,7 63,4 49,5 32,9 60 70 80 90 dokumentierte Ereignishäufigkeit (%) Abb. 2: Häufigkeit des Ansprechens, das heißt einer ≥50%-igen Reduktion des Ausgangswertes, unter 24 Stunden wirksamem Hydromorphon und anderen Hydromorphon-Retardpräparaten (modifiziert nach [4]) ten Population um 26,3±16,7mm auf der visuellen Analogskala (VAS) reduziert. Laut Responderanalyse er- füllte ein größerer Teil der mit Hydromorphon behandelten Patien- ten die Kriterien für ein Thera- pieansprechen als in den ande- ren Gruppen. Eine klinisch rele- vante Beschwerdelinderung in al- len drei Zielbereichen Schmerz- intensität, Funktionalität und QLIP- Wert, erreichten 42,2% der Hydromor- phon-Gruppe, 21,6% der Oxycodon- Gruppe und 20,0% der Morphin- Gruppe. Für beide Vergleiche mit Hydromorphon war der Unterschied signifikant (p<0,001). Etwas mehr als die Hälfte der Hy- dromorphon-Gruppe hatte das lang wirksame 24-h-Hydromorphon erhal- ten. Unter dieser Behandlung wurde das Ansprechen hinsichtlich des pri- mären Endpunkts und dessen drei Teilkomponenten, Schmerzintensität, Funktion und QLIP-Wert, signifikant häufiger erreicht als unter ande- ren Hydromorphon-Formulierungen ( Abb. 2 ) [4]. Erfolgreiche Opioidtherapie erfordert hohe Sorgfalt Da es sich um eine nichtinterventio- nelle retrospektive Kohortenstudie handelt, sind die Ergebnisse über- wiegend deskriptiv. „In Bezug auf die Wirksamkeit sind die drei betrachteten Literatur 1. Bao Y et al., Cochrane Database Syst Rev 2016, 10:CD011108 2. Deutsche Schmerzgesellschaft (DGS), S3-Leitlinie Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht tumorbedingten Schmerzen (LONTS). AWMF-Leitlinie Nr. 145–003, Stand 2015; www.awmf.org 3. DGS, PraxisLeitlinie Tumorschmerz V2.0, 2014; http://dgs- praxisleitlinien.de 4. Überall MA et al., Schmerzmedizin 2018, 34 (5):46–56 Opioide vergleichbar. Hydromorphon ist nur besser verträglich, so erklä- ren sich die geringere Abbruchrate und die Vorteile bei den Endpunkten“, vermutet Überall. Die Studie belegt eine hohe Rate an Behandlungen mit Stufe-III-Opioiden ungeachtet sub- stanzspezifischer Kontraindikationen und dass dies stark mit dem Abbruch- risiko und einem Therapieversagen assoziiert ist. Die Studie stützt aber, was unter er- fahrenen Schmerztherapeuten längst Konsens ist, und was die einschlägigen Leitlinien mit hohem Empfehlungs- grad vorgeben: Eine Behandlung mit starken Opioiden soll mit hoher Sorg- falt, indikationsgerecht und unter Beachtung der Kontraindikationen erfolgen. Impressum Pharmawissen aktuell 459002 in: MMW – Fortschritte der Medizin 21–22/2018 Schmerzmedizin 2/2019 „Tabuthemen in der Schmerztherapie“, Symposium anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses, 19.10.2018, Mannheim Berichterstattung: Dr. Thomas Heim, Freiburg i. Br. Redaktion: Sabine Jost Leitung Corporate Publishing: Ulrike Hafner (verantwortlich) Springer Medizin Verlag GmbH Heidelberger Platz 3 14197 Berlin Geschäftsführer: Joachim Krieger, Fabian Kaufmann Die Springer Medizin Verlag GmbH ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Nature. © Springer Medizin Verlag GmbH Mit freundlicher Unterstützung der Aristo Pharma GmbH, Berlin Die Herausgeber der Zeitschrift übernehmen keine Verantwortung für diese Rubrik.

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