Schmerzmedizin 3 / 2019

Neue Statistik für 2018 Ärztemangel bereitet weiter Sorgen In Deutschland arbeiten so viele Ärzte wie noch nie, offenbart die neue Ärztestatistik. Dennoch schlägt die Bundesärztekammer Alarm – und warnt vor erheblichen Engpässen in der medizinischen Versorgung. D er Zuwachs an Ärzten – im Jahr 2018 ein Plus von 1,9%auf 392.402 – ist nach Auffassung des Präsiden­ ten der Bundesärztekammer, Professor Frank UlrichMontgomery, zu gering, um damit den künftigen Versorgungsbedarf zu erfüllen. Eindringlich fordert Montgo­ mery anlässlich der Ärztestatistik 2018 eine Aufstockung der Kapazitäten für das Medizinstudium, damit es vor dem Hin­ tergrund der demografischen Entwick­ lung nicht zu Engpässen in der Versor­ gung kommt. Trotz einer steigenden Zahl von Köp­ fen nimmt die Arbeitskapazität nicht un­ bedingt zu. Ursächlich dafür sind zwei Entwicklungen: Mit einem Anteil von 47,2% haben Ärztinnen in Klinik und Praxis fast die Parität erreicht; sie sind al­ lerdings überdurchschnittlich häufig in Teilzeit tätig. Der Anteil der Ärztinnen wird künftig noch weiter steigen. Der zweite strukturelle Trend: Die Zahl der angestellten Ärzte in der am­ bulanten Medizin steigt dynamisch. Der Zuwachs betrug im vergangenen Jahr 10,4%, sodass nunmehr 39.816 Ärzte im Angestelltenverhältnis arbei­ ten ( Abb. 1 ) – ein erheblicher Teil da­ von nicht auf einer Vollzeitstelle. Auch werden ihre Arbeitsproduktivität und das Ausmaß geleisteter Stunden vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung nicht so hoch eingeschätzt wie die der als Freiberufler tätigen Ärz­ te. Deren Zahl sinkt aber stetig – allein im vergangenen Jahr erneut um 884 auf zuletzt 117.472. Es gibt aber auch gegenläufige Ent­ wicklungen: Nach einem jahrelangen Abwärtstrend stieg der Anteil junger Ärzte unter 35 Jahren seit 2005 wieder von 15,4% auf aktuell 18,9%. Die Zahl der Facharztanerkennungen ist weiter um 3% auf insgesamt 13.336 gestiegen. Zugenommen hat die Zahl auslän­ discher Ärzte um 7,3% auf 48.672. Der Zuwanderung steht allerdings der Weg­ zug deutscher Ärzte gegenüber, der den Nettowanderungssaldo verringert. Deut­ sche Ärzte präferieren dabei die Schweiz, Österreich und die USA. Der Zuwachs an Ärzten verteilt sich auch regional sehr un­ terschiedlich: Das geringste Wachstum haben Brandenburg, Mecklenburg-Vor­ pommern, Thüringen und Bremen mit Werten zwischen 0,2% und 1,2%. Nach Angaben des Zentralinstituts für die kassenärztlicheVersorgung arbeiteten niedergelassene Ärzte im Durchschnitt etwa 50 Stunden pro Woche. In den Krankenhäusern seien Wochenarbeits­ zeiten zwischen 60 und 80 Stunden keine Seltenheit. Die jetzt vom Gesetzgeber beschlossene Ausweitung der Sprech­ stundenzeiten sei in Anbetracht dieser Zahlen „ein Affront gegen die vielen Kol­ leginnen und Kollegen, die jeden Tag am Limit arbeiten“, so Montgomery. Ein un­ verzüglicher Ausbau der Studienkapazi­ täten sei deswegen dringend nötig. Helmut Laschet Viele Ärzte arbeiten als Angestellte – und gerade Ärztinnen oft in Teilzeit. ©© Alexander Raths / fotolia.com (Symbolbild mit Fotomodellen) Ärztestatistik 2019 der Bundesärztekammer Abb. 1 : Der Schein trügt: Zwar steigt die Zahl der angestellten Ärzte, doch viele arbeiten nicht in Vollzeit. 1993 5.397 5.741 6.629 6.900 7.035 7.821 7.300 8.271 8.311 8.189 8.146 8.048 8.546 9.057 10.406 12.576 14.348 16.776 18.843 20.845 22.304 26.307 29.373 32.348 36.013 39.816 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Ambulant tätige Ärzte in Anstellung 74 Schmerzmedizin 2019; 35 (3) Praxis konkret

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