Schmerzmedizin 6 / 2018

Deutscher Schmerzkongress 2018 Die „Droge Arzt“ und der Therapieerfolg Wie facettenreich das Thema „Schmerz“ ist, machte der diesjährige Deutsche Schmerzkongress in Mann­ heim im Oktober wieder deutlich. Das beginnt damit, wie Schmerz überhaupt richtig erfasst werden kann, und endet nicht zuletzt mit Fragen zur richtigen Therapie. Wie viel Einfluss dabei eine positive Patienten­ erwartung auf den Therapieerfolg haben kann und wie entscheidend die Rolle des Arztes ist, war ebenso Thema wie eine Möglichkeit, mittels Imaginationsverfahren selbst Psychotherapieskeptiker zu überzeugen. Schmerzen lassen sich nicht nur über ihre Intensität beurteilen Schmerzen sind immer mehrdimensional und umfassen neben ihrer reinen Intensität immer auch eine Vielzahl weiterer wahrnehmungsbezogener und psychosozialer Faktoren. Dennoch wird in der Mehrzahl der Fälle die Schmerzintensität als alleiniger Parameter zur Beurteilung von Schmerzen herangezogen – sowohl in Studien als auch in der Patientenversorgung. Der Mangel an validierten, patientenrelevanten Schmerzverlaufsparametern zeigt sich exemplarisch in Studien zur Qualitätssicherung in der postoperativen Akutschmerztherapie. U m die Fallstricke einer eindimensi- onalen Schmerzbewertung zu illus- trieren, nennt Professor Esther Pogatzki- Zahn, Klinik für Anästhesiologie, ope- rative Intensivmedizin und Schmerzthe- rapie der Uniklinik Münster, das Beispiel einer Patientin, die einen Tag nach einer Knie-Operation in ihrem Zimmer sitzt und strickt. Auf die Frage „Wie stark sind Ihre Schmerzen gerade?“ antwortet die Frau lapidar, während sie weiterstrickt (sic!): „Ja, so sieben“. Eine gute Schmerzbehandlung dürfe, so Pogatzki-Zahn, an dieser Stelle nicht stoppen: Als zusätzliche wichtige Aspek- te des Schmerzerlebens seien beispiels- weise die Differenzierung zwischen Be- lastungs- und Ruheschmerz, die allge- meine Zufriedenheit mit der Behand- lung und ein möglicher Wunsch nach mehr Schmerzmittel zu erfragen. Wird das Angebot, die medikamentöse Schmerztherapie zu intensivieren, nicht angenommen, kann der Grund darin lie- gen, dass unter der bisherigen Behand- lung Nebenwirkungen aufgetreten sind. Auch die schmerzbedingte Funktions­ beeinträchtigung sei eine wichtige und daher immer aktiv zu erfragende Di- ©© Ernst Wrba / picture alliance 8 Schmerzmedizin 2018; 34 (6) Medizin aktuell

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