Schmerzmedizin 4 / 2019

Repräsentative Umfrage Vier von zehn Schülern leiden an chronischen Schmerzen — — Eine repräsentative Umfrage des Deut- schen Kinderschmerzzentrums an der Ves- tischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln befasste sich ausgiebig mit dem Schmerz- auftreten bei Schülern. Für diese Studie waren mehr als 2.000 Schüler ein Jahr lang zu fünf Zeitpunkten online befragt worden. Die Kinder und Jugendlichen der fünften bis zehnten Klasse wohnten in städtischen Re- gionen in Nordrhein-Westfalen. Gefragt wurde nach Schmerzen, körperlicher und psychischer Gesundheit, Schule und Freizeit sowie nach der Häufigkeit von Arztbesu- chen und die Medikamenteneinnahme. Er- gänzt wurden die Aussagen der Kinder durch Angaben von rund 1.600 Eltern. 40% der befragten Schüler gaben chroni- sche Schmerzen an. Das sind nach gängiger Definition Schmerzen, die seit mindestens drei Monaten wenigstens einmal imMonat auftreten. Rund 33% aller Schüler berichte- ten sogar, mindestens einmal pro Woche Schmerzen zu haben. Am häufigsten han- delte es sich um wiederkehrenden Kopf- schmerz. Über chronische Kopfschmerzen klagten 27%, wobei Mädchen häufiger be- troffen waren als Jungen (35 vs. 18%). Bio- logische Faktoren, etwa das Einsetzen der Menstruation, aber auch psychologische und emotionale Faktoren spielten eine Rolle, so Studienleiterin Dr. Julia Wager. 37% derjenigen mit chronischen Kopf- schmerzen hatten im letzten Quartal einen Arzt aufgesucht. 76% gaben an, dass sie in den letzten drei Monaten Medikamente eingenommen hatten – im Schnitt an vier Tagen im Monat und in rund 13% der Fälle sogar eine Woche lang. Mädchen greifen dabei laut Studie häufiger zu Schmerzmit- teln als Jungen. „Der hohe Medikamenten- konsum hat uns überrascht und ist alarmie- rend“, betont Wager. Bei Spannungskopf- schmerz könne bekanntlich auch frische Luft, Bewegung und Ablenkung helfen. Jungen Leuten müsse klar sein, dass die Arzneien Nebenwirkungen haben können. Und dass man selber aktiv etwas tun könne gegen den Schmerz, betont Wager. red Nach Informationen der dpa ©© Africa Studio / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell) Gute Nachricht für Schmerzpatienten Chronischer Schmerz im neuen Diagnoseschlüssel ICD-11 enthalten — — Ende Mai verabschiedete die Weltge- sundheitsorganisation (WHO) die elfte Version der Internationalen statistischen Klassifikation von Krankheiten und ver- wandten Gesundheitsproblemen (ICD- 11). Die neue Version verspricht positive Auswirkungen unter anderem auf die Schmerzmedizin. Denn mit dem Inkraft- treten der ICD-11 zum 1. Januar 2022 wird der Schmerz erstmals nicht mehr nur als Symptom erfasst: Unter der Diagnose- Ziffer MG30 findet sich eine eigenständi- ge Kategorie für die Klassifizierung chro- nischer Schmerzen. Insgesamt sechs Jahre dauerte die Arbeit der ICD-11 Task Force der International Association for the Study of Pain (IASP) unter dem Vorsitz von Professor Rolf- Detlef Treede vom Lehrstuhl für Neuro- physiologie der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und Professor Winfried Rief, Leiter der klinischen Psychologie und Psychothe- rapie der Philipps-Universität Marburg. Auf Basis umfangreicher Datensammlun- gen erstellten sie Diagnosecodes für chronische Schmerzen sowie Codes für die häufigsten und klinisch relevantes- ten Gruppen chronischer Schmerzzu- stände. Daher ist die Freude auf Seiten der For- scher nun groß. Denn ob eine Beeinträch- tigung der Gesundheit als Diagnose an- erkannt ist oder nicht, hat weitreichende Folgen sowohl für die Behandlung als auch für die Forschung. Ohne Diagnose- ziffer keine Abrechnung mit der Kranken- kasse und entsprechend nur schwer Zu- gang zu einer angemessen Behandlung durch den Schmerztherapeuten. Keine Diagnoseziffer bedeute aber auch keine offiziellen internationalen Statistiken und daher weniger Forschungsgelder, so Treede. red Nach Informationen der Universitätsmedizin Mannheim Von allen Schmerzformen ist chronischer Kopfschmerz unter Schülern ammeisten vertreten – bei Mädchen häufiger als bei Jungen. 8 Schmerzmedizin 2019; 35 (4) Panorama

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