Schmerzmedizin 3 / 2019

30. Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2019 Individualisierung statt Standardisierung Unter dem Motto „Individualisierung statt Standardisierung“ fand Anfang März der Deutsche Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt am Main statt. Damit adressierte der Kongress nicht nur die zunehmende Diskrepanz zwischen wissenschaftlicher Evidenz und schmerzmedizinisch relevanter Individualisierung, sondern auch die Themen Bedürfnisorientierung und Patientennutzen. „Waz wirret dier?“ – Von der Notwendigkeit zu fragen Zuwendung, Empathie und Gespräche sind unverzichtbare Bestandteile bei der Therapie von Patienten mit chronischen Schmerzen. Wie Professor Jan Philipp Reemtsma in seinem Exzellenzvortrag schilderte, finden sich diese Empfehlungen bereits in alten Klassikern der Literatur. D ie meisten Patienten mit chroni­ schen Schmerzen sind multi­ morbide. Diese Multimorbidität steht nach Ansicht von PD Dr. Michael Überall, Schmerztherapeut aus Nürn­ berg, Präsident der Deutschen Schmerz­ liga (DSL) und Vizepräsident der Deut­ schen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS), einer Standardbehandlung nach Leitlinien entgegen: „Denn die in­ dividuellen Bedürfnisse der Betroffe­ nen entsprechen nicht der Evidenz“, so der Schmerzmediziner in seinem Gruß­ wort zur Kongresseröffnung. Daraus dürfe allerdings nicht die Schlussfolge­ rung gezogen werden, die Evidenz aus dem Versorgungskontext des Alltags in der Schmerzmedizin auszuklammern: „Denn nicht Evidenz oder Erfahrung, sondern versorgungsrelevante Evidenz mit Erfahrung bilden das Fundament für eine optimale Therapie chronisch schmerzkranker Menschen“, betonte Überall. Im Umgang mit Schmerzpati­ enten unverzichtbar seien Aufklärung, Zuwendung, Gespräche, Zeit und Em­ pathie. Die immense Bedeutung von Gesprä­ chen und Mitgefühl für Schmerzpatien­ ten griff Professor Jan Philipp Reemts­ ma, Hamburg, in seinem anschließen­ den Exzellenzvortrag auf. Unter dem Ti­ tel „Waz wirret dier? Der Schmerz und das Reden“ stellte der Literatur- und So­ zialwissenschaftler zwei Beispiele aus der Literatur vor, deren zentrales Thema der Schmerz ist: Sophokles‘ Tragödie ©© Nikolay N. Antonov / Stock.adobe.com 10 Schmerzmedizin 2019; 35 (3) Medizin aktuell

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