Schmerzmedizin 5 / 2018

60. Jahreskongress der American Headache Society in San Francisco Migräne und psychische Störungen: nur Begleiter oder auch Verwandte? Chronische Migräne wird häufig von anderen chronischen Schmerzerkrankungen und psychischen Störungen begleitet. Neuere Studien fanden viele Parallelen zwischen Migräne und diesen Begleiterkrankungen, nicht nur aus psychosozialer und pathophysiologischer, sondern auch aus genomischer Perspektive. Es verwundert daher nicht, dass die Verfahren, deren Wirksamkeit in der nicht medikamentösen Migräneprophylaxe am besten belegt ist, überwiegend aus dem Spektrum psychotherapeutischer Interventionen stammen. E s gibt auf biologischer Ebene erheb- liche Unterschiede zwischen chro- nischer Migräne und anderen chronischen Schmerzerkrankungen“, erklärte Professor DavidW. Dodick von der neurologischen Abteilung der Mayo Klinik in Phoenix auf dem 60. Jahres- kongress der American Headache Soci- ety in San Francisco. Allerdings gäbe es auch viele Gemeinsamkeiten, vor allem auf der Ebene der Stressverarbeitung und hinsichtlich der Bedeutung psycho- sozialer Faktoren. So hätte sich beispiels- weise gezeigt, dass ähnliche Störungen deszendierender Schmerzmodulations- mechanismen im Hirnstamm an der Chronifizierung von sowohl Migräne als auch anderer Schmerzerkrankungen be- teiligt sind. Für einen unidirektionalen und quasi „dosisabhängigen“ pathophysiologischen Chronifizierungsmechanismus spreche auch, dass Menschen mit Migräne oder häufigen Kopfschmerzen anderer Gene- se ein erhöhtes Risiko für extrakranielle Schmerzen haben – besonders für mus- kuloskelettale Schmerzen. Je mehr Schmerzorte beteiligt sind, desto höher das Chronifizierungsrisiko – dieser Hauptsatz der Schmerztherapie gilt auch, wenn man die Migräne einschließt. Als weitere Faktoren, die eine Chronifizie- rung begünstigen, nennt Dodick unter ©© luciano mortula / Fotolia 8 Schmerzmedizin 2018; 34 (5) Medizin aktuell

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