Schmerzmedizin 4 / 2018

Schmerzmedizin 4 / 2018

AAN-Kongress 2018 in Los Angeles Neues zu CGRP-gerichteten Therapien bei Migräne Aktuelle, zulassungsrelevante Studienergebnisse zu gleich drei gegen CGRP gerichteten monoklonalen Antikörpern und einem oralen CGRP-Rezeptorantagonisten zur Therapie von akuter, episodischer und chronischer Migräne wurden beim diesjährigen AAN-Kongress vorgestellt. Die Zulassungen der entsprechenden Präparate sind für 2018 und 2019 geplant. E ptinezumab ist ein alle drei Mona- te intravenös zu infundierender humanisierter monoklonaler Anti- körper gegen das Calcitonin-gene-rela- ted-peptide (CGRP). In der Phase-III- Studie PROMISE-1 führte die erste intravenöse Gabe von Eptinezumab in- nerhalb eines Tages zur signifikanten Reduktion einer akuten Kopfschmerz­ attacke bei episodischer Migräne mit ei- nem über drei Monate anhaltenden Effekt [1]. Eptinezumab An der Studie nahmen 888 Erwachsene mit im Mittel zehn Kopfschmerztagen pro Monat teil, von denen durchschnitt- lich 8,5 Tage die Kriterien der Interna­ tionalen Kopfschmerzklassifikation ICHD II für Migräne erfüllten. Rando- misiert erhielten die Patienten alle zwölf Wochen Eptinezumab i. v. in einer Dosis von 30, 100 oder 300 mg oder Placebo. In den ersten zwölf Wochen nahm die Zahl der Migränetage (primärer End- punkt) in allen Verumgruppen signifi- kant deutlicher ab als unter Placebo. Die Wahrscheinlichkeit für eine Migräne war unter Eptinezumab bereits ab dem ersten Tag gegenüber Placebo reduziert. Eine mindestens 75%ige Reduktion der Migränetage erreichten nach zwölf Wo- chen 22,2% der Patienten unter 100 mg und 29,7% unter 300 mg Eptinezumab (Placebo: 16,2%). Dr. Stephen Silberstein von der Jeffer- son Universitätsklinik in Philadelphia betonte, dass die Wirksamkeit danach noch weiter ansteigt: Nach der dritten und vierten Infusion von Eptinezumab (300 mg) erreichten über 50% der Pati- enten eine mehr als 75%ige Reduktion der monatlichen Migränetage. Aber auch im Placeboarm nahm die An- sprechrate weiter zu und lag nach Monat 12 vergleichbar hoch wie in der 100-mg- Dosisgruppe (> 40% Patienten mit einer Reduktion der Migränetage ummindes- tens 75%). Unerwünschte Ereignisse wa- ren im Placebo- und den Verumarmen vergleichbar häufig. Die Phase-III-Studie PROMISE-2 prüfte die 100-mg- und 300-mg-Dosie- rung von Eptinezumab (alle zwölf Wo- chen i. v.) gegenüber Placebo bei 1.072 erwachsenen Patienten mit chronischer Migräne. Der primäre Endpunkt – die Reduktion der monatlichen Migräne­ tage nach zwölf Wochen – zeigte auch hier wieder eine signifikant deutlichere Reduktion mit der Antikörpertherapie verglichen mit der Placebo [2]. Ein min- destens 75%iges Ansprechen in den ers- ten zwölf Wochen nach Erstinfusion wiesen unter 100 mg Eptinezumab 26,7% und unter 300 mg Eptinezumab 33,1% der Patienten auf. Auch hier war die Wahrscheinlichkeit einer Migräne bereits ab dem ersten Tag nach Infusion signifikant gegenüber Placebo reduziert, die Nebenwirkungen blieben auf Place- boniveau. Da diese und andere CGRP-gerichte- te Therapien unter Umständen ein Le- ben lang eingesetzt werden, sind Lang- zeitstudien zur Beurteilung der Sicher- heit abzuwarten. Laut Dr. Richard B. Lipton, Albert Einstein College of Me- dicine in New York, sind die bisherigen Daten aus Extensionsstudien günstig. Bedenken, dass CGRP-Blocker über die Hemmung der gefäßrelaxierenden Wir- kung des Peptids eine Hypertonie und damit ein erhöhtes Schlaganfallrisiko ©© spiritofamerica / Fotolia Medizin aktuell 8 Schmerzmedizin 2018; 34 (4)

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