Schmerzmedizin 4 / 2018

Schmerzmedizin 4 / 2018

Abb. 1 : Bereits nach einer Eptinezumab-Infusion reduzieren sich die Migränetage über zwölf Wochen bei Patienten mit episodischer Migräne signifikant im Vergleich zu Placebo. 0 –1,0 –2,0 –3,0 –4,0 –5,0 Placebo (n = 222) Eptinezumab 30mg (n = 223) p = 0,0046* Eptinezumab 100mg (n = 221) Eptinezumab 300mg (n = 222) –3,2 –4,0 –3,9 –4,3 Mittlere Veränderung monatliche Migränetage in den ersten zwölf Wochen p = 0,0182 p < 0,0001 * nicht angepasst ©© Mod. nach Vortrag S. Silberstein, S20.001, AAN 2018 verursachen könnten, hätten sich bis- lang nicht bestätigt. Erenumab Patienten mit episodischer Migräne, bei denen mehrere Vorbehandlungen ver- sagt haben, profitieren stark von Erenu- mab. Unter dem CGRP-Rezeptor-bin- denden monoklonalen Antikörper war die Wahrscheinlichkeit, dass die Zahl der monatlichen Migränetage um min- destens die Hälfte sank, fast dreimal so hoch wie unter Placebo, zeigte die Pha- se-IIIb-Studie LIBERTY [3]. Sie unter- suchte Erenumab bei Patienten mit epi- sodischer Migräne: Bei 38,6% von ihnen waren zwei, bei 37,8% und 22,8% drei und vier vorherige Therapien fehlge- schlagen. In der zwölfwöchigen, doppel- blinden, randomisierten Studie erhielten 246 Patienten entweder 140 mg Erenu- mab oder Placebo. Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten, bei denen die Zahl der mittleren monatlichen Mi- gränetage (MMD) in den Wochen 9 bis 12 um mindestens die Hälfte gesunken war. Sekundäre Endpunkte beinhalteten Veränderungen der MMD und der Zahl der Tage pro Monat, an denen migräne- spezifische Akutmedikation eingenom- men wurde (MSMD), sowie Sicherheit und Verträglichkeit. Nach zwölf Wochen hatten Patienten unter Erenumab im Vergleich zu Place- bo eine 2,73-mal höhere Wahrschein- lichkeit für eine Reduktion ihrer monat- lichen Migränetage ummindestens 50%. Auch bei den MMD und MSMD schnitt die Erenumab-Gruppe gegenüber Place- bo signifikant besser ab. Das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil von Erenu- mab entsprach dem aus früheren Stu­ dien und war von Placebo nicht ver- schieden. Kein Patient in der Erenumab- Gruppe setzte die Studienmedikation nebenwirkungsbedingt ab. Galcanezumab Zur Wirksamkeit des CGRP-gerichteten Antikörpers Galcanezumab bei Patien- ten mit Versagen von zwei und mehr Vortherapien gibt es eine gepoolte Aus- wertung aus den Phase-III-Studien EVOLVE-1, EVOLVE-2 und REGAIN [4]. In allen drei Studien war der Anti- körper (120 oder 240 mg) einmal monat- lich bei episodischer wie auch chroni- scher Migräne zur Prophylaxe von Mig- ränetagen wirksamer als Placebo. Bei 9,8% der Patienten in den EVOLVE-Stu- dien und 29,5% der Patienten in der REGAIN-Studie hatten zwei und mehr Vortherapien bei der Prophylaxe von Migräne versagt. Auch diese Patienten profitierten von beiden Galcanezumab- Dosierungen im Vergleich zu Placebo – vom ersten Tag an und über zwölf Wo- chen hinweg. In dieser Patientensub- gruppe fiel der Placeboeffekt geringer aus als bei den übrigen Patienten. Die Reduktion der monatlichen Migräneta- ge schien bei einer 120-mg-Dosierung besonders deutlich, vor allem bei chro- nischer Migräne (REGAIN). Die Sicher- heitssignale unter Galcanezumab waren in der Subgruppe der mehrfach refrak- tären Patienten wie in der Gesamtko- horte auf Placeboniveau. Ubrogepant Die Phase-III-Studie ACHIEVE I prüft randomisiert und placebokontrolliert den oralen CGRP-Rezeptorantagonis- ten Ubrogepant in den Dosierungen 50 und 100 mg zur Akuttherapie der Mig- räne [5]. Beide koprimären Endpunkte wurden erreicht: Zwei Stunden nach Einnahme von Ubrogepant erzielten signifikant mehr Patienten mit einer akuten Migräneepisode eine Schmerz- freiheit (50 mg: 19,2%, 100 mg: 21,2%) als mit Placebo (11,8%). Signifikant mehr Patienten waren mit Ubrogepant (50 mg: 38,6%, 100 mg: 37,7%) auch zwei Stunden nach Einnahme frei von dem für sie am meisten belastenden Be- gleitsymptom (am häufigsten Photo- phobie, gefolgt von Phonophobie und Nausea) (Placebo: 27,8%). Joel M. Trug- man von Allergan aus Madison/USA betonte, diese Unterschiede seien nicht nur statistisch signifikant, sondern auch klinisch relevant. Der CGRP-Rezeptorantagonist wurde gut vertragen, Nebenwirkungen und ihre Häufigkeit unterschieden sich nicht von denen unter Placebo. Als Einsatzge- biet sieht Trugman vorrangig eine Mig- räne, die durch Triptane und andere Standardtherapien nicht kontrolliert ist. Eine zweite zulassungsrelevante Studie prüft Ubrogepant derzeit in den Dosie- rungen 25 und 50 mg gegen Placebo. Die Zulassung in den USA wird in der ersten Jahreshälfte 2019 angestrebt. Friederike Klein / Gunter Freese 70 th AAN Annual Meeting, Los Angeles, 21.–27.4.2018 1. Silberstein S für Saper JR et al. S20.001, Symposium S20: Best of headache 2. Lipton RB, Clinical Trials Plenary Session 3. Reuter U et al. Emerging Science Platform Session ES.009 4. Aurora SK et al. S20.004. Symposium S20: Best of headache 5. Joel M. Trugman et al. Emerging Science Platform Session ES.008 Schmerzmedizin 2018; 34 (4) 9

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