Schmerzmedizin 3 / 2019

Würdigung von Forschung und Engagement Grundlagenforschung zur veränderten Immunantwort bei chronischen Schmerzen sowie langjähriges gesundheitspolitisches Engagement wurden in diesem Jahr auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag ausgezeichnet. M it dem „Deutschen Schmerzpreis – Deutscher Förderpreis für Schmerz- forschung und Schmerzmedizin“, der mit 5.000 € dotiert ist, wurden im Rah- men des 30. Schmerz- und Palliativtags PD Dr. Jens Michael Heyn und PD Dr. Benjamin Luchting, beide aus München, ausgezeichnet. Sie erhielten den Preis in Würdigung ihrer Forschungen zum Zusammenhang zwischen chronischen Schmerzen und der adaptiven Immu- nantwort. In klinischen und experimen- tellen Projekten konnten Heyn und Luchting erstmals nachweisen, dass Patienten mit chronischen Schmerzen ein verändertes T-Zell-Muster aufweisen [1, 2, 3]. Unter anderem bilden sie ver- mehrt regulatorische T-Zellen. Diese Be- obachtungen könnten in Zukunft dazu beitragen, neuartige und spezifischere Therapien für Patienten mit chronischen Schmerzen zu entwickeln. Der „Ehrenpreis des Deutschen Scherzpreises – Deutscher Förderpreis für Schmerzforschung und Schmerzme- dizin“ wird alljährlich an Persönlichkei- ten verliehen, die durch ihr Engagement entscheidend zur Verbesserung des Ver- ständnisses um den Problemkreis Schmerz und die Versorgung der betrof- fenen Patienten beigetragen haben. In diesem Jahr wurde Birgitta Gibson wäh- rend des Schmerztags in Frankfurt am Main mit diesem Preis ausgezeichnet. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerz- medizin e. V. als wissenschaftlicher Trä- ger des Preises begründete die Auszeich- nung mit dem großartigen und langjäh- rigen ehrenamtlichen Engagement, das Gibson zur Verbesserung der gesund- heitspolitischen Rahmenbedingungen der Versorgung chronisch schmerz- kranker Menschen gezeigt habe. Dr. Silke Wedekind Literatur: 1. Luchting B et al. PLoS One 2014;9:e104883 2. Luchting B et al. J Neuroinflammation 2015;12:12 3. Heyn J et al. Inflamm Res 2019;68:1–6 Interne Veranstaltung „Verleihung des Deutschen Schmerzpreises und des Ehren­ preises des Deutschen Schmerzpreises 2019“, Deutscher Schmerz- und Palliativtag, Frankfurt am Main, 8. März 2019 Schmerzmediziner wenden sich gegen die „Leitlinien-Industrie“ Leitlinien rücken selten den individuellen Patienten in den Vordergrund und bilden den Praxisalltag nicht immer adäquat ab. Die Praxisleitlinien der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin sollen Ärzten als praxisnahere Orientierung dienen. I n ihrem Bemühen, die Versorgung von Schmerzpatienten zu verbessern, hat die Deutsche Gesellschaft für Schmerz- medizin e. V. (DGS) eigene Praxisleit­ linien veröffentlicht. Wie DGS-Präsi- dent Dr. Johannes Horlemann, Kevelaer, ausführte, steht hinter der Entwicklung der Praxisleitlinien die Erfahrung, dass sich die Vorgaben evidenzbasierter Leit- linien oft als nicht praxistauglich erwei- sen oder nur ein verzerrtes Bild des Praxisalltags widerspiegeln. „In den bis- herigen schmerztherapeutischen Leitli- nien wird die Individualität des einzel- nen Patienten vernachlässigt. Oft sind Alter, Geschlecht und vor allem Multi­ morbiditat, Begleittherapien sowie Schweregrad der Erkrankung nicht mit den untersuchten Kollektiven vergleich- bar, die den Empfehlungen in evidenz- basierten Leitlinien zugrunde liegen“, gab Horlemann zu Bedenken. Die Praxisleitlinien der DGS rücken dagegen nach Angaben des Schmerzthe- rapeuten die Individualität der Patien- ten, ihre komplexen biopsychosozialen Beeinträchtigungen und ihre persönli- chen Bedürfnisse stärker in den Fokus. Die Philosophie, die hinter dieser Leitli- nie steht, hat die DGS in einem zehn Punkte umfassenden Thesenpapier zu- sammengefasst. Das Papier definiert die grundsätzliche Ausrichtung der Fachge- sellschaft gegenüber den Themen Evi- denz und Leitlinien im Kontext der Schmerztherapie. „Mit dem Thesenpa- pier möchte die DGS eine Brücke zwi- schen individuellem Anspruch und wis- senschaftlichem Standard schlagen“, schloss Horlemann. Dr. Silke Wedekind Symposium „Opioide in Schmerz- und Palliativ- medizin – Fundament oder Supplement einer patientengerechten Individualversorgung?“, Deutscher Schmerz- und Palliativtag, Frankfurt am Main, 8. März 2019 Als Maßnahmen zur Geruchsredukti- on empfahl Schürmann eine Spülung des Wundbereichs mit 0,9%iger NaCl- oder Lösung und das an- schließende gleichmäßig Auftragen von 20 ml des Antibiotikums Metronidazol auf dem Wundgebiet. Zusätzlich lässt sich soziale Leben der Patienten deutlich verbessern, wenn es gelingt, den Geruch der exulzerierenden Wunden zu redu- zieren. Probate Mittel hierfür sind bei- spielsweise Aktivkohleauflagen, antimi- krobielle Wundauflagen sowie der tägli- che Wechsel der Körper- und Bett­ wäsche; aber auch Kaffeepulver, Katzenstreu oder Chlorophylllösungen, die aufgestellt werden, haben sich in der Praxis bewährt. Dr. Silke Wedekind Fokusseminar „Schmerztherapie von Wund­ flächen in der palliativen Versorgung – brauchen wir evidence based dazu?“, Deutscher Schmerz- und Palliativtag, Frankfurt am Main, 7. März 2019 Medizin aktuell Kongressbericht vom Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2019 12 Schmerzmedizin 2019; 35 (3)

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQxNTg=