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©© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

In der Rubrik „Literatur

kompakt“ werden die

wichtigsten Originalarbeiten

aus der internationalen

Fachliteratur referiert.

Akuter Kreuzschmerz: Manuelle Therapien

mäßig wirksam

Eine manipulative Spinaltherapie birgt bei akuten Rückenschmerzen kaum

Risiken, aber auf der Nutzenseite steht auch nur ein kleines Plus.

D

er kurzfristige Effekt von manuellen

Behandlungstechniken an der Wir-

belsäule ist bei akuten Schmerzen im

Lendenwirbelbereich zwar statistisch si-

gnifikant, jedoch klinisch bescheiden:

Zu diesem Schluss kommen US-ameri-

kanische Ärzte, die die Ergebnisse von

randomisierten kontrollierten Studien

(RCT) systematisch analysiert haben. In

den RCT waren Veränderung von

Schmerzen und Funktion unter einer

manipulativen Spinaltherapie (MST),

darunter Osteopathie, Chiropraktik und

Massage, im Vergleich zu einer Schein-

therapie oder zu anderen Behandlungs-

formen untersucht worden.

Analgetischer Effekt ähnlich wie

mit NSAR

Insgesamt wurden in dem Review 26

RCT berücksichtigt. Zum Schmerz lie-

ferten 15 Studien (1.711 Patienten) Daten,

die mit einer visuellen Analogskala

(VAS) oder einer numerischen Rating-

skala (NRS) quantifiziert worden waren.

Die MST allein oder in Kombination mit

weiteren Verfahren war kurzfristig (in-

nerhalb von sechs Wochen) wirksamer

als sonstige Behandlungen, auf einer

100-mm-VAS betrug der Vorteil im Mit-

tel 9,95 mm. Nach Angabe der Studien-

autoren umNeil M. Paige (West Los An-

geles Veterans Affairs Medical Center)

entspricht dies in etwa der Wirkung, die

bei akutem Kreuzschmerz mit einem

NSAR erzielt wird. In zwei der Studien,

die die MST im Vergleich zu entspre-

chenden Scheintherapien geprüft hatten,

war allerdings kein Unterschied im an-

algetischen Effekt festzustellen. Auf-

grund der Heterogenität der Ergebnisse

beurteilen die Studienautoren die Evi-

denzqualität als mäßig.

Funktion etwas verbessert

Die Funktion war ein Endpunkt in 17

Studien. Zwölf Studien (1.381 Patienten)

lieferten ebenfalls mäßige Evidenz für

einen diesbezüglichen Nutzen gegen-

über den Vergleichstherapien. Die mitt-

lere Effektgröße von 0,39 entsprach laut

Paige und Kollegen einer Differenz von

1–2,5 Punkten im Roland-Morris Low

Back Pain and Disability(RMDQ)-Score.

Die größten Effekte der MST, rund

dreimal so hoch wie im Durchschnitt

der anderen Studien, waren in drei Stu-

dien gemessen worden, bei denen für

diese Therapieform besonders geeignet

erscheinende Patienten vorausgewählt

worden waren. Diese Studien wurden

daher von der Metaanalyse ausgeschlos-

sen.

Nebenwirkungen leicht und

vorübergehend

In keiner der RCT wurden gravierende

Nebenwirkungen der MST registriert.

Die Patienten gaben lediglich etwas häu-

figer als bei anderen Therapien zur Pro-

tokoll, dass die Manipulation selbst

schmerzhaft sei. In Fallserien zur MST

bei akuten Kreuzschmerzen berichteten

50–67% der Patienten über leichte vorü-

bergehende Nebenwirkungen, meistens

ein unangenehmes Gefühl oder ver-

stärkter Schmerz an der behandelten

Stelle.

Fazit:

Die mäßige Evidenz und die hete-

rogenen Ergebnisse zur Wirksamkeit

von manuellen Verfahren bei akuten Rü-

ckenschmerzen lassen keinen eindeuti-

gen klinischen Nutzen erkennen. Auf-

grund ihrer geringen Nebenwirkungen

stellen diese Behandlungen trotzdem

eine zusätzliche Therapieoption dar, die

den Patienten nicht belastet und Linde-

rung verschaffen kann.

Dr. Beate Schumacher

Paige NM et al. Association of spinal manipulati-

ve therapy with clinical benefit and harm for

acute low back pain: systematic review and me-

ta-analysis. JAMA 2017;317(14):1451–60

Manuelle Methoden wie Osteopathie

sind nebenwirkungsarm und können die

Funktionalität verbessern.

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Literatur kompakt



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Schmerzmedizin 2017; 33 (4)