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©© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

In der Rubrik „Literatur

kompakt“ werden die

wichtigsten Originalarbeiten

aus der internationalen

Fachliteratur referiert.

k

w

Diabetische Neuropathie:

Topisches Capsaicin reduziert den Schmerz

Capsaicin-Pflaster sind eine bewährte Option in der analgetischen Lokal­

therapie bei Neuralgien und Polyneuropathien. Nun liegt erstmals eine Studie

zum Effekt bei der schmerzhaften diabetischen Polyneuropathie vor.

S

chmerzhafte Polyneuropathien bei

Diabetikern werden meist syste­

misch mit Antidepressiva, Antikonvul­

siva oder Opioiden therapiert. Dosis­

titrationen, Neben- und Wechselwir­

kungen sowie das Abhängigkeitspoten­

zial limitieren den Einsatz dieser

Pharmaka bei gleichzeitig nicht sehr ho­

her Evidenz. In der Zweitlinie werden

8%-Capasaicin-Pflaster empfohlen. Lo­

kales Capsaicin hemmt die hyperakti­

ven Neuronen, wird kaum systemisch

resorbiert und muss nicht titriert wer­

den. Studien bei postherpetischen Neu­

ralgien und HIV-assoziierten Polyneu­

ropathien attestierten dem Paprika­

scharfstoff eine über 12 Wochen anhal­

tende Schmerzreduktion nach nur einer

rund 30-minütigen Applikation. In der

STEP-Studie wurden nun erstmalig

Wirksamkeit und Sicherheit bei der dia­

betischen Polyneuropathie überprüft.

Insgesamt 369 Patienten mit einer

diabetischen Polyneuropathie erhielten

randomisiert über 30 Minuten entweder

das 8%-Capsaicin- oder ein Placebo­

pflaster direkt auf die schmerzenden

Stellen auf dem Fußrücken appliziert.

Um die Verblindung aufrechtzuerhalten,

fanden Behandlung und Auswertung

durch zwei getrennte Ärztegruppen statt

und die Patienten erhielten die Informa­

tion, dass das typische Brennen auch un­

ter Placebo auftreten könne.

Beim primären Studienendpunkt,

dem durchschnittlichen Rückgang des

„Numeric Pain Rating Scale Scores“ zwi­

schen Studienbeginn und den Wochen

2 bis 8, war das Capsaicin-Pflaster Place­

bo moderat, aber statistisch signifikant

überlegen (–27,4 vs. –20,9%; p = 0,25).

Der Wirkunterschied wurde ab Woche

2 sichtbar und blieb bis zur Woche 12 er­

halten. Auch Schlafstörungen besserten

sich unter Verum im Vergleich zu Place­

bo in moderatem Ausmaß.

Rund ein Drittel der Patienten der

Capsaicin-Gruppe berichteten über pas­

sagere Lokalreaktionen wie Schmerzen

und Brennen, die teilweise mit Akutan­

algetika behandelt werden mussten. An­

sonsten bestanden zwischen beiden

Gruppen keine Unterschiede im Neben­

wirkungsprofil. Die sensorische Wahr­

nehmung zum Beispiel vonWärme, Käl­

te und Vibrationsreizen veränderte sich

unter Capsaicin ebenfalls nicht.

Fazit:

Bei Patienten mit diabetischer

Polyneuropathie reduziert die einmalige

30-minütige Applikation eines 8%-Cap­

saicin-Pflasters die neuropathischen

Schmerzen im Vergleich zu Placebo

moderat, statistisch signifikant und lang

anhaltend über bis zu 12 Wochen. Der

Wirkeffekt ist vergleichbar mit dem

anderer Therapieoptionen, die Verträg­

lichkeit gut.

Dr. Barbara Kreutzkamp

Simpson DM et al. Capsaicin 8% patch in pain-

ful diabetic peripheral neuropathy: a rando-

mized, double-blind, placebo-controlled study.

J Pain 2017;18:42–53

Das in manchen Paprika- und Chilischoten enthaltene Capsaicin hemmt hyperaktive

Neuronen und damit den Schmerz auch bei Polyneuropahtien.

©© _jure / iStock

Literatur kompakt



Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

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