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Wer Optimismus trainiert, erträgt Schmerzen

besser

Eine internetbasierte Intervention aus dem Bereich der sogenannten

Positiven Psychologie soll Patienten mit chronischen Schmerzen zu einem

erträglicheren Leben verhelfen.

D

ie Positive Psychologie will sich von

der angeblich defizitorientierten

traditionellen Psychologie abgrenzen

und sich stattdessen jenen Aspekten des

Lebens zuwenden, die den Menschen

stärken, das Wohlbefinden heben und

allgemein die Lebensqualität steigern.

Niederländische Psychologen umMade-

lon Peters von der Universität Maast-

richt haben untersucht, ob sich auf der

Grundlage dieses Konzeptes auch das

Leben von Patienten mit chronischen

Schmerzen lebenswerter gestalten lässt.

Dabei verwendeten sie ein internetba-

siertes Interventionsprogrammmit dem

Titel „Happy Despite Pain“ (HDP).

Teilnehmer der Studie waren 276

Patienten mit chronischen, imMittel seit

knapp 13 Jahren andauernden, beein-

trächtigenden

muskuloskeletalen

Schmerzen. Sie wurden randomisiert

entweder dem HDP-Programm oder ei-

ner ebenfalls internetbasierten Interven-

tion mit kognitiver, auf verbesserte

Schmerzbewältigung gerichteter Verhal-

tenstherapie zugeordnet. Die Kontroll-

gruppe bildeten Patienten, die einstwei-

len auf eine Warteliste für eine der bei-

den frei zu wählenden Behandlungsfor-

men gesetzt worden waren.

Die HDP sollte die Einstellung sich

selbst gegenüber verbessern und positi-

ve Gefühle sowie Optimismus stärken.

Das Training dafür ging über vier Stu-

fen. Zunächst wurde zwei Wochen lang

das Mitgefühl für die eigene Person ge-

übt, um mehr Selbstständigkeit im Um-

gang mit den emotionalen Folgen der

chronischen Schmerzen zu erlangen.

Dabei helfen sollten etwa ein Mantra so-

wie ein mitfühlender Brief an die eigene

Adresse. In der Woche darauf folgte die

Übung „Drei gute Dinge“. Um statt einer

negativen eine positive Orientierung zu

erlangen, war täglich Buch zu führen

über drei Dinge, die gut gelaufen waren,

und über die Gründe hierfür. Hierauf

galt es, zwei Wochen lang Genusstech-

niken einzuüben, die auf kleine An-

nehmlichkeiten des Alltags gerichtet wa-

ren. Woche sechs und sieben waren dem

„Bestmöglichen Selbst“ gewidmet. Die

Patienten sollten sich ein künftiges gutes

Leben trotz der Schmerzen vorstellen

und Ziele sowie Ideale für verschiedene

Lebensaspekte vom Beruf bis zur Liebe

formulieren.

Nicht schlechter als kognitive

Verhaltenstherapie

Im Vergleich zu den Patienten auf der

Warteliste war die HDP durchaus erfolg-

reich. Was Depressionen und Glücks-

empfinden anging, gab es statistisch be-

trachtet starke Vorteile für die Interven-

tionsgruppe. Keine Unterschiede gab es

bei den körperlichen Beeinträchtigun-

gen. Nahmman die Intervention mit ko-

gnitiver Verhaltenstherapie zum Maß-

stab, schnitt die HDP nicht besser, aber

auch nicht schlechter ab. Beide Interven-

tionen erwiesen sich als wirksam, wobei

es aber Vorteile für die HDP bei Studi-

enteilnehmern mit höherer Bildung gab.

Fazit der Autoren:

Eine internetbasierte

Intervention zur Selbsthilfe bei der Be-

wältigung chronischer Schmerzen, ba-

sierend auf Positiver Psychologie, hat

sich als klinisch nützlich erwiesen, fol-

gern Peters und Kollegen aus ihren Er-

gebnissen. Therapeuten seien nicht er-

forderlich, was eine weite Verbreitung

erleichtern sollte. Ob die HDP als einzel-

ne oder als Zusatzbehandlung am wirk-

samsten einzusetzen sei, müsse noch nä-

her untersucht werden.

Dr. Robert Bublak

Peters ML et al. Happy despite pain: a rando-

mized controlled trial of an 8-week internet de-

livered positive psychology intervention for en-

hancing well-being in patients with chronic

pain. Clin J Pain 2017; online 4. April 2017

Eine Online-Verhaltenstherapie kann

Schmerzpatienten helfen.

©© Monkey Business / stock.adobe.com