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Delirante Palliativpatienten:

Vorsicht mit Neuroleptika

Palliativpatienten mit Deliriumsymptomen wie Halluzina-

tionen und Verhaltensstörungen erhalten häufig Neuro-

leptika. Eine placebokontrollierte Studie mit Risperidon

und Haloperidol stellt dieses Vorgehen infrage.

E

in Delirium tritt bei bis zu 40% der Palliativpatienten auf.

Für die Therapie von Disstress und Verhaltensstörungen

werden häufig Antipsychotika eingesetzt, allerdings auf schwa-

cher Evidenzbasis. Um ein genaueres Bild von Wirksamkeit

und Sicherheit von Risperidon und Haloperidol speziell bei pal-

liativmedizinisch betreuten Patienten zu erhalten, führten aus-

tralische Wissenschaftler eine randomisierte, placebokontrol-

lierte Studie mit 247 überwiegend onkologischen Patienten mit

einem Durchschnittsalter von 74,9 Jahren und einem leichten

bis mäßiggradigen Delir durch. Die Neuroleptika wurden al-

ters- und symptomadjustiert auftitriert, die Medikation erfolg-

te alle 12 Stunden über bis zu 72 Stunden, zusätzlich erhielten

alle Patienten eine supportive Standardpflege. Mit Hilfe der

„Nursing Delirium Screening Scale“ wurden die Symptome un-

angemessenes Verhalten, unangemessene Kommunikation

und Halluzinationen erfasst. Primäres Studienziel war die

durchschnittliche Gruppendifferenz des aufsummierten

Delirium-Scores zu Studienbeginn und an Tag 3.

Sowohl die Patienten der Risperidon-Gruppe als auch die

Patienten der Haloperidol-Gruppe hatten bei zuvor vergleich-

baren Ausgangs-Scores am Studienende statistisch signifikant

schlechtere Delirium-Scores als Patienten der Placebo-Gruppe.

Die Scores lagen um 0,48 Einheiten (95%-Konfidenzintervall

[KI] 0,09–0,86; p = 0,02) beziehungsweise 0,24 Einheiten

(95%-KI 0,06–0,42; p = 0,009) höher als unter der Kontrolle.

Der Bedarf an zusätzlichemMidazolam war in allen Gruppen

vergleichbar. Extrapyramidale Effekte traten unter den beiden

Neuroleptika signifikant häufiger als unter Placebo auf.

Die Ergebnisse sollten zu denken geben, schreiben die Auto-

ren. Denn die eingesetzten Dosen waren eher niedriger als all-

gemein in der Praxis verordnet. Wichtig sei ein möglichst früh-

zeitiges Erkennen des Delirs, am besten durch ein Screening

bereits zu Beginn der Stationseinweisung, und die rasche Ein-

leitung von nicht medikamentösen Maßnahmen wie Medika-

tionscheck und ausreichende Hydratation.

Fazit:

Palliativpatienten mit leichten bis mäßigen Delirium-

symptomen sollten keine Antipsychotika erhalten. Sie ver-

schlechtern die Symptome und belasten durch extrapyrami-

dalmotorische Nebenwirkungen.

Dr. Barbara Kreutzkamp

Agar MR et al. Efficacy of oral risperidone, haloperidol, or placebo for sym-

ptoms of delirium among patients in palliative care. A randomized clinical

trial. JAMA Intern Med. 2017;177(1):34–42

Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

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