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DN4-Scores — nach Angaben von

Bouhassira bei 20,9% (n = 106) der Pati-

enten mit chronischen Schmerzen (5,9%

aller Patienten). Das stimmte bei 88%

der Patienten mit der klinischen Beur-

teilung überein. Bei 86 Patienten stan-

den die neuropathischen Schmerzen im

Zusammenhang mit dem Tumor. Nach

Ansicht der Ärzte beruhten die neuropa-

thischen Schmerzen bei fast 48% der Pa-

tienten auf einer lokalen Progression der

Tumoren oder auf Metastasen, bei mehr

als 45% auf einer oder mehreren Krebs-

therapien und bei 7% auf beidem.

Die Intensität der neuropathischen

Schmerzen sei dabei höher gewesen als

die der nicht neuropathischen.

Für die Ermittlung der Schmerzinzi-

denz standen die Befunde von 1.285

Studienteilnehmern zur Verfügung. Bei

873 von ihnen erfolgte mindestens eine

Untersuchung drei oder sechs Monate

nach der ersten. 599 Patienten wurden

zu beiden Zeitpunkten untersucht. Wie

die Ärzte berichten, lag die Inzidenz

chronischer Tumorschmerzen in die-

sem Zeitraum zwischen 13% und 28%.

Als neuropathisch wurden Schmerzen

bei knapp 20% dieser Patienten einge-

stuft.

Fazit der Autoren:

Die Studie zeigt die

Heterogenität der Schmerzen bei Tu-

morpatienten, erklären die Autoren.

Deshalb sei es besonders wichtig, die

Schmerzleiden genau zu charakterisie-

ren, um den Patienten eine ausreichende

und individuelle angepasste Schmerzbe-

handlung zu garantieren.

Peter Leiner

Bouhassira D et al. Prevalence and incidence of

chronic pain with or without neuropathic cha-

racteristics in patients with cancer. Pain 2017;

158(6):1118–25

Lokalisierter Kopfschmerz: Diagnostik ohne MRT

Wenn bei Kindern mit lokalisiertem Kopfschmerz keine neurologischen Auf-

fälligkeiten vorliegen, ist es einer britischen Studie zufolge unwahrscheinlich,

dass den Beschwerden eine ernste Ursache zugrunde liegt. Ein routinemäßi-

ges MRT halten die Studienautoren deshalb für unnötig.

W

enn der Kopfschmerz immer wie-

der an der gleichen Stelle auftritt,

kommen bei Patienten schnell Ängste

auf, an einem Hirntumor oder Ähnli-

chem zu leiden. Auch viele Ärzte möch-

ten in solchen Fällen mit einer bildge-

benden Untersuchung lieber auf Num-

mer sicher gehen. Dass aber auch primä-

re Kopfschmerzen wie Migräne oder

Spannungskopfschmerz häufig lokali-

siert auftreten, hat sich jetzt in einer bri-

tischen Studie gezeigt. Am Queen’s Uni-

versity Hospital in Essex haben Mas Ah-

med und Kollegen 292 Patienten zwi-

schen 5 und 17 Jahren mit lokalisiertem

Kopfschmerz untersucht. Dies waren

21% aller Patienten unter 18 Jahren, die

sich innerhalb von vier Jahren wegen

Kopfschmerzen aller Art an der Klinik

vorgestellt hatten.

Die Kinder hatten mindestens fünf

Schmerzattacken hinter sich, 51% hat-

ten 1–14 Attacken pro Monat erlebt. Als

chronisch wurde der Kopfschmerz ein-

gestuft, wenn er in den vorangegange-

nen drei Monaten an mindestens 15 Ta-

gen pro Monat aufgetreten war. Alle

Probanden waren neurologisch unauf-

fällig. 177 der Patienten verspürten den

Schmerz an einer Stirnseite, 104 am

Hinterkopf und 11 im Scheitelbereich.

Nach der International Classification

of Headache Disorders wurde in 192 Fäl-

len eine Migräne, in 30 Fällen ein Span-

nungskopfschmerz und bei 22 Kindern

und Jugendlichen ein medikamentenin-

duzierter Kopfschmerz diagnostiziert.

Bei 43 Patienten wurden die Beschwer-

den als unspezifisch eingeordnet.

Keine spezifischen MRT-Befunde

Bei 96% der MRT-Untersuchungen er-

gab sich ein normaler Befund. Bei 4%

der Kinder mit lokalisiertem Kopf-

schmerz zeigten sich in der bildgeben-

den Untersuchung Auffälligkeiten. Da-

bei handelte es sich allerdings aus-

schließlich um unspezifische Zufallsbe-

funde. Bei keinem dieser Patienten war

eine operative Intervention erforderlich.

Fazit der Autoren:

Würden keine neu-

rologischen Besonderheiten festgestellt,

so Ahmed und Kollegen, sei es unwahr-

scheinlich, dass eine bedrohliche Ätio-

logie hinter den Beschwerden stecke.

Deshalb sollte ihrer Meinung nach bei

ansonsten gesunden und unauffälligen

Kindern mit lokalisiertemKopfschmerz

kein routinemäßiges MRT durchgeführt

werden.

Auch die britischen Leitlinienautoren

erwähnen die Notwendigkeit einer Bild-

gebung bei lokalisiertem Kopfschmerz

nicht ausdrücklich und betonen, dass

Migräne und Cluster-Kopfschmerz ein-

seitig auftreten können.

Dr. Christine Starostzik

Ahmed MAS et al. Site locked headaches in pae-

diatric patients do not require routine brain

imaging and rarely have a serious aetiology.

Acta Paediatr. 2017;106(5):791–95

96% der MRT-Untersuchungen bei

Kindern mit Kopfschmerzen ergaben

normale Befunde.

©© Salih Dastan / photos.com

Schmerzmedizin 2017; 33 (4)

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