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Die Nebenwirkungen sind bei indikationsgerechter Anwen-

dung gering, Patienten müssen jedoch über typische Neben-

wirkungen wie Benommenheit, Schwindel, Übelkeit, Erbre-

chen und Obstipation aufgeklärt werden. Außerdem müssen

derartige Medikamente besonders dem Zugriff von Kindern

sicher entzogen werden. Mit der Anwendung kurzwirksamer

Opioide stellt sich stets die Frage nach der Entwicklung von To-

leranz und Sucht. Da eine derart fatale Entwicklung nicht völ-

lig auszuschließen ist, muss die Behandlung mit Fentanyl in

der Einzeldosis, aber auch die längerfristige Behandlung mit

anderen nicht retardierten Opioiden Patienten mit Tumor-

durchbruchschmerzen und Luftnotattacken vorbehalten blei-

ben, wobei für letztere keine Zulassung in Deutschland besteht.

Die Anwendung von Fentanyl-Einmalgaben bei Patienten

mit Schmerzen außerhalb der Tumorgenese ist strengstens ab-

zulehnen. Auch beim Tumorschmerzpatienten ist darauf zu

achten, dass die Fentanyl-Anwendung auf den Tumordurch-

bruchschmerz begrenzt bleibt und nicht zum Kupieren von

Ängsten, Unruhe, Schlafstörungen oder dergleichen ausgewei-

tet wird. Patienten mit bekannter Suchtanamnese benötigen

unsere besondere Aufmerksamkeit. Daneben gelten die unzu-

reichende Behandlung der Dauerschmerzen, ein unzureichen-

des soziales oder familiäres Umfeld und die Unerfahrenheit

von Pflegenden und Ärzten als Risikofaktoren für eine miss-

bräuchliche Anwendung kurzwirksamer Opioide.

Fazit für die Praxis

In der Indikation „Tumordurchbruchschmerz“ stellt die An-

wendung kurzwirksamer Opioid-Formulierungen, insbeson-

dere die Anwendung von Fentanyl als Buccal- oder Sublingu-

altablette beziehungsweise als Nasenspray eine sichere, die Le-

bensqualität des Patienten deutlich verbessernde und wirt-

schaftliche Therapie dar. Sie darf Tumorpatienten mit

Tumordurchbruchschmerz nicht vorenthalten werden. Die Be-

handlung der BTCP muss dabei in ein multimodales Behand-

lungskonzept eingebettet sein. Diese Grundsätze sind in aktu-

ellen Leitlinien mit hohem Empfehlungsgrad verankert [7].

Dr. med. Eberhard A. Lux

Klinik für Schmerz- und Palliativmedizin

Klinikum St. Marine-Hospital GmbH Lünen

Altstadtstr. 23

44534 Lünen

E-Mail:

drlux@web.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass er sich bei der Erstellung des Beitrages von kei-

nen wirtschaftlichen Interessen leiten ließ. E. Lux unterhält Honorar-

verträge mit den Firmen Teva und Kyowa Kirin. Der Verlag erklärt, dass

die inhaltliche Qualität des Beitrags von zwei unabhängigen Gutach-

tern geprüft wurde. Werbung in dieser Zeitschriftenausgabe hat kei-

nen Bezug zur CME-Fortbildung. Der Verlag garantiert, dass die

CME-Fortbildung sowie die CME-Fragen frei sind von werblichen Aus-

sagen und keinerlei Produktempfehlungen enthalten. Dies gilt insbe-

sondere für Präparate, die zur Therapie des dargestellten

Krankheitsbildes geeignet sind.

Literatur:

1. Überall MA. DGS Praxisleitlinie Tumorbedingter Durchbruchschmerz

Version 2,0; 2013;

www.DGS-PraxisLeitlinien.de

2. Mercadante S et al. Episodic (breakthrough) pain: consensus confe-

rence of an expert working groupof the European Association for Palli-

ative Care. Cancer 2002;94;832-9

3. Nauck F, Eulitz N. Cancer pain management. Basic therapy and treat-

ment of breakthrough pain. Schmerz 2005;21;359-70

4. Bruera E, Kim HN. Cancer pain. JAMA 2003;290;2476-9

5. Fortner BV et al. A survey of pain-related hospitalizations, emergency

department visits, and physicial office visits reported by cancer patients

with and without history of breakthrough pain. J Pain 2002;4;38-44

6. Corti O, Roberto A. Pharmacological and clinical differences among

transmucosal fentanyl formulations for treatment of breakthrough

cancer pain: a review article. Minerva Anesthesiologica 2014,80;1125-34

7. S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren

Tumorerkrankung, Stand Mai 2015, AWMF-Registernumer 128/00001OL

Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

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