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Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Göppingen

Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V.

„Zuversicht scheint mir eine der wichtigsten Zutaten

für effektive ärztliche Therapie zu sein.“

Mit Zuversicht ins neue Jahr

A

m Anfang eines neuen Jahres wünschen wir

uns Glück, Gesundheit und Zuversicht. Das

alles wünsche ich Ihnen selbstverständlich

auch – für Sie persönlich und auch für Ihre wichti-

ge Arbeit, insbesondere bei Patienten mit chroni-

schen Schmerzen. Bei aller Professionalität braucht

gerade die Heilkunst immer auch ein Quäntchen

Glück – Glück für den Patienten, den richtigen Arzt

zu finden, Glück für den Behandler, auch bei um-

fassendem Wissen die richtigen Ideen für die Lö-

sung von Problemen zu finden. Aber braucht es

auch Zuversicht?

Zuversicht scheint mir eine der wichtigsten Zuta-

ten für effektive ärztliche Therapie zu sein. Der Du-

den definiert Zuversicht als „festes Vertrauen auf

eine positive Entwicklung in der Zukunft, auf die

Erfüllung bestimmter Wünsche und Hoffnungen“.

Für Schmerzpatienten trifft dies sicher in ganz be-

sonderem Maße zu. Zuversicht und Hoffnung sind

– so zeigt die Placeboforschung – der Zündfunke für

die Aktivierung des inneren Heilers. Nicht nur die

Stimulation endogener Schmerzkontrolle, sondern

auch körperliche Reaktivierung und die Wiederauf-

nahme sozialer Kontakte basieren auf Zuversicht

und Hoffnung, solange diese nicht auf leeren Ver-

sprechen beruhen, sondern auf der Grundlage soli-

den ärztlichen Wissens.

Aber woher nehmen Sie selbst ihre Zuversicht an-

gesichts einer Welt, die aus den Fugen zu geraten

scheint, angesichts jahrelanger, sinnloser Karrieren

von Schmerzpatienten, weil das deutsche Gesund-

heitssystem nach wie vor schmerzmedizinische

Diagnostik undTherapie als randständiges Problem

betrachtet, das keiner strukturierten Versorgung,

geschweige denn einer Bedarfsplanung bedarf. An-

gesichts der Wahrnehmung, dass trotz intensiver

Forschung wichtige Probleme der Schmerzmedizin

wie etwa das CRPS oder die Neuropathie nicht ku-

rativ, sondern allenfalls palliativ behandelt werden

können. Angesichts überbordender Bürokratie, die

eigentlich für Freizeit reservierte Lebenszeit auf-

frisst?

Wie ist es möglich, dass Sie trotz all dieser Wid-

rigkeiten Ihren Beruf weiter mit Freude und Zuver-

sicht ausüben? Ich bin überzeugt, dass diese Zuver-

sicht auf drei wesentlichen Fundamenten beruht: Es

ist die Begeisterung für ärztliches Handeln, für eine

Tätigkeit, die mehr als vieles andere Sinn stiftend

und beglückend ist. Es ist Ihre Erfahrung, die Sie

Probleme, Krankheitsverläufe und Perspektiven

richtig einschätzen lässt. Und es ist Ihr Wissen das

Sie sich jeden Tag neu erwerben, um Ihren Patien-

ten die bestmögliche Schmerzdiagnostik und The-

rapie zukommen zu lassen.

Die „SCHMERZMEDIZIN“ wird Sie hierfür

auch in diesem Jahr begleiten, Ihnen in jeder Aus-

gabe neuestes Wissen vermitteln und Sie in die ak-

tuellen schmerzmedizinischen Diskussionen einbe-

ziehen. Sie wird CME-Beiträge enthalten, neueThe-

rapien vorstellen, über Neues und Kurioses berich-

ten, und Ihnen zeigen, auf welchen Veranstaltungen

Sie selbst neuestes Wissen erlangen können. So zum

Beispiel auf dem Deutschen Schmerz- und Pallia-

tivtag 2017 vom 22. bis 25. März 2017, mit dem

Schwerpunktthema „Schmerzmedizin – Praxis und

Theorie der Versorgung“.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein Jahr vol-

ler Glück, Gesundheit und Zuversicht!

Herzlichst,

Ihr

Gerhard H. H. Müller-Schwefe

Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

3

Editorial