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Dr. Dietrich Munz

Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer

„Die Bundespsychotherapeutenkammer wird sich am

Aktionsplan für eine bessere ambulante Versorgung von

Patienten mit chronischen Schmerzen beteiligen.“

Schmerzpatienten gemeinsam

besser versorgen

S

chmerztherapie ist interdisziplinär und hat ein

weites Spektrum. Dies spiegelt sich erneut in

den Beträgen dieser Ausgabe der „Schmerz-

medizin“ wider, in der ein breites Themenfeld von

Schmerztherapie in der Palliativmedizin bis hin zur

multimodalen Schmerztherapie von Migranten, die

Krieg und Vertreibung erlebt haben, behandelt wird.

Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen,

vor denen wir aktuell in Deutschland stehen, ver-

langen in der Gesundheitsversorgung im Allgemei-

nen und in der Versorgung von Flüchtlingen und

Migranten im Besonderen die Zusammenarbeit un-

terschiedlicher Berufsgruppen. Diese Kooperation

setzt die Fähigkeit und die Bereitschaft zur Zusam-

menarbeit voraus. Als Vertreter einer der an der

Schmerztherapie beteiligten Professionen, der Psy-

chotherapeuten, möchte ich unseren klaren Willen

zur Zusammenarbeit zum Ausdruck bringen.

Doch der gute Wille allein reicht für eine gelin-

gende Versorgung nicht aus. Auch wenn die Bedeu-

tung psychischer Faktoren für die Schmerzentste-

hung, -wahrnehmung und -bewältigung heute un-

umstritten ist und schmerzpsychologische Angebo-

te ein fester Bestandteil der multimodalen Behand-

lung in vielen Schmerzzentren geworden sind, gibt

es aus unserer Sicht noch viel zu tun.

Der Schwerpunkt schmerzpsychotherapeutischer

Tätigkeit liegt derzeit im stationären und teilstatio-

nären Bereich. Allerdings sind insgesamt immer

noch zu wenige Psychotherapeuten in Schmerzen-

tren beschäftigt. Vor allem gibt es aber Defizite in

der ambulanten schmerztherapeutischen Versor-

gung. Dabei sollten sich im ambulanten Bereich –

wie in den spezialisierten Schmerzeinrichtungen

bereits üblich – interdisziplinäre Schmerzteams eta-

blieren, in denen Hausärzte, Schmerzmediziner,

Psychotherapeuten und Physiotherapeuten koope-

rieren und eng zusammenarbeiten. Die Bundespsy-

chotherapeutenkammer wird sich deshalb am ge-

meinsamen Aktionsplan der Deutschen Gesell-

schaft für Schmerzmedizin und der Deutschen

Schmerzliga zur Entwicklung von Netzstrukturen

für eine bessere ambulante Versorgung von Patien-

ten mit chronischen Schmerzen beteiligen.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist eine der

Herausforderungen, der sich ein auf demGebiet der

Schmerztherapie arbeitender Psychologischer Psy-

chotherapeut oder Kinder- und Jugendlichenpsy-

chotherapeut stellen muss. Aber auch darüber hin-

aus setzt die Behandlung von Schmerzpatienten ein

umfangreiches Wissen voraus. Vertiefte Kenntnisse

über biologische, psychologische und soziale

Grundlagen des Schmerzgeschehens, Mechanismen

der Schmerzentstehung und -chronifizierung sowie

der spezifischen Diagnostik und Behandlung bei

unterschiedlichen Schmerzsyndromen sind Vor-

aussetzungen für eine spezifische Schmerzpsycho-

therapie. Kenntnisse, die in der Ausbildung zum

Psychotherapeuten noch nicht ausreichend vermit-

telt werden. Daher versuchen wir, die Schmerzpsy-

chotherapie auch innerhalb unseres Fachs als einen

wichtigen Bereich zu fördern, für den sich Psycho-

therapeuten nach der Ausbildung weiter qualifizie-

ren können, um den Patienten eine bessere Versor-

gung – auch im ambulanten Bereich – zu bieten.

Den Herausforderungen der interdisziplinären

Versorgung werden sich Psychotherapeuten darü-

ber hinaus vor allem dann stellen, wenn sie positive

Erfahrungen in der Kooperation mit den anderen

Berufsangehörigen gemacht haben. Wenn uns das

gelingt, bin ich zuversichtlich, dass wir mit verein-

ten „interdisziplinären“ Anstrengungen die Versor-

gung von Schmerzpatienten in Deutschland weiter

verbessern werden.

Ihr

Dietrich Munz

Schmerzmedizin 2017; 33 (4)

3

Editorial