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Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Göppingen

Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.

„Eine Bedarfsplanung oder Sicherstellung der Versorgung von

Patienten mit schweren Schmerzen existiert auch heute noch in

keiner Kassenärztlichen Vereinigung.“

Aufbruch in eine neue

Versorgungswelt

N

ichts ist besser geworden, Schmerzpatienten

sind heute schlechter versorgt als vor zwei

Jahren, ihre Zahl hat zugenommen auf in-

zwischen 3,4 Millionen Menschen mit schwersten

problematischen Schmerzen“, klagte Michael A.

Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga, auf

dem 2. Nationalen Versorgungsforum Schmerz im

März 2017 in Berlin. Susanne Wüste, Vizepräsiden-

ten der Deutschen Schmerzliga kommentierte:

„Schmerzpatienten müssen teilweise über 100 km

weit fahren, um einen kompetenten Ansprechpart-

ner zu finden“ und Joachim Nadstawek, Präsident

des BVSD, forderte „eine Schutzzone für Schmerz-

mediziner“, umwenigstens einen Bestandschutz für

existierende Einrichtungen zu ermöglichen, da im-

mer weniger Schmerzmediziner Nachfolger für ihre

Praxen finden können.

Vertreter von Krankenkassen, Kassenärztlicher

Bundesvereinigung, Physiotherapeuten, Psychothe-

rapeuten, Apothekern sowie Politik und Fachgesell-

schaften waren der Einladung von DSL, DGS und

BVSD gefolgt, um nach zwei Jahren die Versor-

gungssituation von Patienten mit chronischen

Schmerzen erneut zu analysieren. Die von großer

Offenheit aller Beteiligten geprägte Diskussion be-

stätigte abermals, dass die Versorgungssituation für

die meisten Betroffenen weiterhin unerträglich ist,

dass – wie schon vor zwei Jahren – auch heute noch

eine Bedarfsplanung oder Sicherstellung der Ver-

sorgung in keiner Kassenärztlichen Vereinigung

existiert. Das von den Veranstaltern weiterhin für

richtig gehaltene Konzept eines Querschnittsfaches

„Schmerzmedizin“ mit einem entsprechenden Fach-

arzt würde zwar die Möglichkeit zu einer fachge-

bietsorientierten Bedarfsplanung eröffnen, scheitert

aber weiterhin an den Widerständen zahlreicher

Fachgesellschaften. Unter diesem Aspekt war sich

die Konferenz einig, dass neue Versorgungskonzep-

te einen Weg aus dem Dilemma weisen könnten.

Das Commitment aller Beteiligten, konstruktiv an

einem solchen Konzept mitarbeiten zu wollen, er-

öffnet Perspektiven für eine bessere Versorgung in

der Zukunft. Einen ersten Entwurf dieses Konzep-

tes finden Sie ab Seite 38.

Wieder einmal bildet diese Ausgabe die ganze

Themenvielfalt der Schmerz- und Palliativmedizin

ab. Ganz besonders ans Herz legen möchte ich Ih-

nen jedoch die Berichterstattung vom Deutschen

Schmerz- und Palliativtag 2017, der sich intensiv

mit demThema Schmerzversorgung inTheorie und

Praxis beschäftigt hat (ab Seite 10), sowie die Arbeit

von Hanne Albert, der Preisträgerin des Deutschen

Schmerzpreises 2017 (Seite 40). Über ihre revoluti-

onären Ansätze der Behandlung von chronischen

Rückenschmerzen mit Antibiotika konnten Sie be-

reits in der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift lesen.

In zahlreichen Diskussionsforen habe ich herablas-

sende und mitleidige Kommentare zu dieser The-

matik gefunden. Eine seriöse Auseinandersetzung

mit den Daten lohnt sich und könnte auch ihr Welt-

bild verändern.

Ich wünsche Ihnen viel Freude mit dieser Ausga-

be der „Schmerzmedizin – Angewandte Schmerz-

therapie und Palliativmedizin“ und verbleibe mit

herzlichen Grüßen,

Ihr

Gerhard H. H. Müller-Schwefe

Schmerzmedizin 2017; 33 (3)

3

Editorial