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Hartnäckige Symptome

Persistierender Singultus bei palliativen

Patienten

Norbert Schürmann, Moers

Viele Patienten leiden in ihrer letzten Lebensphase unter quälenden

Komorbiditäten. Auch ein hartnäckiger Singultus kann auf Dauer

schmerzhaft und kräftezehrend sein. Doch seine Therapie ist so viel­

fältig wie seine Ursachen.

U

nter Singultus versteht man die

unwillkürlichen, sich wiederho-

lenden und rhythmischen spasti-

schen Kontraktionen einseitig oder

beidseitig des Zwerchfelles und der

Atemhilfsmuskulatur, wobei jede Inspi-

ration durch einen plötzlichen Glottis-

verschluss unterbrochen wird.

In der physiologischen Form handelt

es sich um eine meist spontan sistieren-

de Bagatellbeschwerde, die nur selten

zum Arztkontakt führt. Der gelegentli-

che Singultus tritt bei jedem Menschen

auf und ist in der Regel völlig normal.

Unverkennbar ist das typische „Hick-

sen“. Von einem chronischen Verlauf

spricht man, wenn der Singultus mehr

als 48 Stunden andauert. Die Frequenz

kann zwischen zwei- bis 60-mal in der

Minute variieren. Wer schon mal einen

Schluckauf hatte, der sich nicht inner-

halb kürzester Zeit wieder aufhob, weiß

wie anstrengend und kräftezehrend das

für den jeweiligen Patienten sein kann.

Im Bereich der Palliativmedizin sind

zirka 6 – 8% unserer Patienten von die-

sem Phänomen zumindest vorüberge-

hend betroffen [1].

Ursachen

Die Ursachen, die einen Singultus aus-

lösen können, sind vielfältig. Tumoren

im oberen Gastrointestinaltrakt, die zu

Zwerchfellirritationen führen, können

ebenso durch eine Reizung des Bauch-

felles bei Peritonaelkarzinose eine Sti-

mulation des Zwerchfelles beziehungs-

weise des Zwerchfellnerves (Nervus

phrenicus) bewirken. Neben dem Ner-

vus phrenicus können Tumoren im

Hals- und Medistinalbereich auch Irri-

tationen des Nervus vagus auslösen, die

für den malignen Singultus verantwort-

lich sind. Der Zwerchfellnerv steuert die

Bewegungen des Zwerchfells während

der Atmung. Der Vagusnerv koordi-

niert unter anderem Teile der Bewegun-

gen im Bereich des Kehlkopfes und des

Rachens [2, 3].

Patienten mit Tumoren im Bereich

des Kehlkopfes und des Rachens, wie

zum Beispiel Halstumoren, Ösophagus-,

Magen- oder Pankreaskarzinome, ha-

ben im Verlauf ihrer malignen Erkran-

kung in über 80% der Fälle eine Tumor-

kachexie. Ein zusätzlicher persistieren-

©© CHW / Fotolia

Das rasche Trinken von Eiswasser kann einem anhaltenden Schluckauf den Garaus

machen.Schmerzmedizin 2017; 33 (4)

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