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KI 2,05–7,31). Außerdem war die Wahr-

scheinlichkeit für ein CFS oder CWP bei

jungen Frauen rund doppelt so hoch wie

bei jungenMännern, mit ausgeprägteren

Gender-Effekten für das CWP im Ver-

gleich zumCFS. Befragte mit ausschließ-

lichem CFS berichteten mit größerer

Wahrscheinlichkeit

über

stärkere

Schmerzen und eine größere Belastung

durch die Schmerzen – ein Zusammen-

hang, der allerdings stark durch Kovari-

ablen wie Angst, Depression oder kör-

perliche Symptome beeinflusst wurde.

Zunehmende Werte auf den Angst- und

Depressionskalen korrelierten mit dem

Risiko für eine CFS- und noch stärker für

eine CFS-CWP-Komorbidität, ein singu-

läres CWP dagegen lediglich mit der

Höhe der Angst-Scores.

Fazit:

In einer Geburtskohortenstudie

hatten fast 15% der teilnehmenden Ju-

gendlichen mit einem CFS zusätzlich

ein CWP. Nicht immer sind die Schmer-

zen stark ausgeprägt, weshalb aktiv

nachgefragt und die CFS-Therapie ge-

gebenenfalls angepasst werden sollte.

Ob sich CFS und CWP möglicherweise

ausgehend von Angststörungen oder

Depressionen entwickeln, sollte in wei-

teren Studien geklärt werden.

Dr. Barbara Kreutzkamp

Norris T et al. Chronic fatigue syndrome and

chronic widespread pain in adolescence: popu-

lation birth cohort study. J Pain 2017; 18:285–94

Analgetika-induzierter Kopfschmerz

morphometrisch sichtbar gemacht

Analgetika-Missbrauch bei Kopfschmerzpatienten geht mit kortikalen Verän-

derungen einher. Mithilfe der voxelbasierten Morphometrie wurden Auffällig-

keiten bei kortikaler Dicke und kortikaler Faltung in einigen Hirnregionen von

betroffenen Migränepatienten untersucht.

M

edikamenten-induzierter Kopf-

schmerz beruht vermutlich unter

anderem auf einer reversiblen Absen-

kung der Schmerzschwelle in peripheren

und zentralen Zentren. Beschrieben

sind funktionelle und strukturelle Ver-

änderungen in verschiedenen Hirnbe-

reichen wie ein Hypometabolismus in

orbitofrontalen Regionen, ein Zuwachs

von grauer Substanz in Striatum, Thala-

mus und Gyrus fusiformis und eine Ab-

nahme von grauer Substanz in präfron-

talemKortex und Cortex insularis. Nach

erfolgreicher

Analgetika-Entzugsbe-

handlung bilden sich einige dieser Ver-

änderungen zurück. Im Rahmen einer

monozentrischen Studie mit 29 Migrä-

nepatienten mit Medikamenten-indu-

ziertem Kopfschmerz (medication-over-

use headache, MOH) wurde nun per vo-

xelbasierter Morphometrie (VBM) nach

kortikalen Auffälligkeiten im Vergleich

zu 29 passenden gesunden Probanden

gesucht. Dazu wurde zunächst ein hoch-

auflösendes T1-gewichtetes MRT des

Gehirns angefertigt und die kortikale

Dicke und Gyrifikation mit dem Soft-

wareprogramm FreeSurfer analysiert.

Im Vergleich zu den Kontrollproban-

den war bei den MOH-Patienten die kor-

tikale Dicke im linken präfrontalen Kor-

tex vermindert und die Gyrifikation in

einem sich vom fusiformen Kortex bis in

benachbarte mediale Temporallappen-

regionen erstreckenden Cluster erhöht.

Auch in einem anderen Cluster des rech-

ten Okzipitalpols zeigte sich bei den

MOH-Patienten eine vermehrte Gyrifi-

kation. Eine höhere kortikale Faltung im

rechten Okzipitalpol war prädiktiv für

eine schlechtere Response auf eine Ent-

zugsbehandlung mit abruptem Abset-

zen des missbrauchten Analgetikums.

Unter den Non-Respondern waren auch

alle drei Patienten mit Opiat-Miss-

brauch.

Fazit:

Migränepatienten mit einem An-

algetika-induzierten Kopfschmerz zei-

gen in voxelbasierten morphometri-

schen Untersuchungen strukturell-funk-

tionelle kortikale Veränderungen. Diese

Veränderungen stehen vermutlich mit

einer maladaptiven neuronalen Plastizi-

tät und verschlechterter supratentorialen

Schmerzmodulation in ursächlicher Ver-

bindung.

Dr. Barbara Kreutzkamp

Riederer F et al. Cortical alterations in medica-

tion-overuse headache. Headache 2017; 57:

255–65