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der Singultus fördert den massiven Kör-

perabbau und mindert zusätzlich deren

Lebensqualität. Häufigste Ursache ist zu

95% eine verstärkte Magendehnung.

Außerdem fördern fettreiche, heiße oder

kalte Speisen sowie Alkohol den Singul-

tus oder können diesen sogar auslösen.

Bei schwerwiegenden neurologischen

Erkrankungen ist der Singultus unter

Umständen einziges Symptom oder der

Hinweis für eine entzündliche Erkran-

kung des zentralen Nervensystems, wie

zum Beispiel bei der Neuromyelitis op-

tica. Auch kann er der erste Hinweis auf

ein ischämisches Geschehen im Bereich

des Hirnstammes (z. B. beim Wallen-

berg-Syndrom) sein.

Unter der erheblichen psychischen Be-

lastung, in der sich die Tumorpatienten

befinden, kann auch ohne ein anatomi-

sches Korrelat ein Singultus ausgelöst

werden.

Klinisches Bild

Der Singultus ist für die Patienten ein

belastendes Symptom, das die Lebens-

qualität des Einzelnen deutlich belasten

kann durch:

Unfähigkeit zu essen und/oder zu

trinken

Exsikose, Gewichtsverlust, was eine

Tumorkachexie fördert

Erschwerte Kommunikation

Förderung von Ängsten und Depres-

sionen, sozialer Rückzug

Erschöpfung

Schlafstörungen

Neu ausgelöste Ösophagitis

Herzrhythmusstörungen (selten)

Therapeutische Ansätze

Die Behandlung des Singultus erfolgt

nach keinem einheitlichen therapeuti-

schen Muster. Es existieren zwar eine

ganze Reihe von Lösungsansätzen, die

allesamt ihre Berechtigung finden, aber

im eigentlichen Sinne die Schwierigkei-

ten aufzeigen, dass unter den vielen Ur-

sachen des Singultus nicht die eine The-

rapieoption zur Verfügung steht. Eine

kausale therapeutische Lösung ist in den

meisten Fällen nicht möglich, hingegen

stehen einige medikamentöse und alter-

native Therapievorschläge zur Verfü-

gung (

Tab. 1

).

Die symptomatische Behandlung des

Singultus zielt auf eine Unterdrückung

des Singultusreflexbogens durch Reduk-

tion der Magendehnung, eine Abschwel-

lung des Gewebes oder eine Reduktion

der Nervenaktivität ab. Bei einer Reflux-

krankheit bietet sich die Therapie mit ei-

nem Protonenpumpenhemmer an. Die

höchste Evidenz und somit Mittel der

erstenWahl scheint die orale Einnahme

von Baclofen mit oder ohne Kombinati-

on von Gabapentin zu sein. Auch die

Gabe von Neuroleptika (Haloperidol,

Metoclopramid oder Domperidon) als

Tab. 1: Medikamentöse Therapieoptionen bei Singultus [2]

Medikament

Wirkung/Wirkungsort

Dosis

Metoclopramid,

Domperidon

Reduktion der Magendehnung

3 – 4 × 10 mg/d oral

Baclofen

Muskelrelaxans, Blockierung des

Singultusstimulus

3 × 5 – 20 mg/d oral

Gabapentin,

Pregabalin

Antikonvulsivum, Blockierung des

Singultusstimulus

3 × 300 – 600 mg oral

2 × 75 – 150 mg oral

Haloperidol

Zentrale Unterdrückung des

Singultusreflexes

3 × 1 – 4 mg/d oral

Fortecortin

Abschwellende Wirkung

8 – 24 mg/d oral

Nifedipin

Kalziumantagonist, Herabsetzen

der Muskelspannung

2 – 3 × 10 mg/d sublingual

Protonenpumpenhemmer

(z. B. Pantoprazol)

Herabsetzung der Magensäure

1 – 2 × 20 – 40 mg/d oral

Lidocain

blockiert spannungsabhängige

Natriumkanäle in den Zell­

membranen der Nervenzelle

1. s. c.-Infusion mit

1 – 4 mg/kg KG mg/d

2. Lidocain Gel 2% oral

Valproat

blockiert spannungsabhängige

Natrium- und Kalziumkanäle

Einschleichend bis

20 mg/kg KG/d

Amitriptylin

unbekannt

3 × 10 – 25 mg/d oral

Chlorpromazin

Blockade verschiedener

Neurotransmitterrezeptoren

3 × 25 – 50 mg/d oral

Tab. 2: Alternative Behandlungsvorschläge [1]

Nichtmedikamentöse Therapie Mögliche Maßnahmen

Atemmanöver

Anhalten des Atems, Valsalvamanöver, Hyperventilation,

Rückatmen in Beutel, Supra-Supramaximale Inspiration [10]

nasale und pharyngale

Stimulation

Druck auf Nasenwurzel oder Oberlippe, Inhalation von reizenden

Stoffen, Gurgeln mit Wasser, rasches Trinken von Eiswasser, Niesen,

Reizen des Gaumens

Vagusstimulation

Druck auf Augenbulbus, Karotismassage

Magenentleerung

induziertes Erbrechen, Magensonde, Fasten

Beruhigen des

Nervus phrenicus

Kühlen oder Massieren des Oberbauchs; Blockade oder partielle

Resektion des Nervus phrenicus

psychiatrische Behandlung

Verhaltenstherapie, Hypnose

Akupunktur

Akupunktur der Punkte PE6 (Neiguan), Ma36 (Zusanli), DU9

(Zhiyang)

Stromtherapie

faradische und galvanische Stromapplikation, elektrophrenische

Stimulation

For tbildung

Persistierender Singultus

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Schmerzmedizin 2017; 33 (4)