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fahrungen und Empfehlungen einer

SPG-Expertengruppe [9] (

Abb. 1

). Dar-

über hinaus ist es wichtig, die Indikati-

onsstellung und Patientenauswahl in der

Patientenakte zu dokumentieren.

Die Elektroden des miniaturisierten

Implantats werden in unmittelbarer

Nähe des SPG platziert. Das SPG ist ein

komplexes, extrakranielles Ganglion

mit multiplen autonomen, sensorischen

und motorischen Fasern. Der Nervus

Vidianus, der über den Canalis pterigo-

ideus die Fossa pterigopalatina erreicht

und in das SPG mündet, führt sympa-

thische und parasympathische Fasern.

Im SPG werden die parasympatischen

Fasern synaptisch verschaltet, die sym-

pathischen nicht. Die elektrische Stimu-

lation des SPG wird mittels eines mobil-

funkgroßen externen Steuergeräts vom

Patienten während der Attacke ausgelöst

und soll den Tonus der hirnversorgen-

den Gefäße beeinflussen. Der Stimulator

erhält seine Energieversorgung über

transkutane magnetische Induktion. Es

besteht keine Kabelverbindung nach au-

ßen. Auch die Programmierung erfolgt

berührungsfrei transkutan.

Die präoperative Diagnostik umfasst

eine Feinschicht-Computertomografie,

mit anschließender Herstellung eines

3-D-Modells, anhand dessen die Länge

des Implantats unter vier Größen ausge-

wählt wird. Eine anatomische Voraus-

setzung zur SPG-Implantation ist eine

lichte Weite des lateralen Eingangs der

Fossa pterigopalatina von minimal

1,2 mm. Eine präoperative Panorama-

schichtröntgenaufnahme der Zähne und

eine allgemein zahnärztliche Sanierung

mindestens des betroffenen Quadranten

sind obligat.

Einsatz der SPG-Stimulation

Die Operation erfolgt stationär in na-

saler Intubationsnarkose unter Durch-

leuchtungskontrolle. Der seitliche Ober-

kiefer wird über einen Zahnfleischrand-

schnitt freigelegt. Geführt an der Ober-

kieferhinterwand wird der Zugang in

die Fossa pterigopalatina mit vorgeboge-

nen Spezialraspartorien präpariert. Da-

nach wird ein Führungsdraht eingelegt,

dessen Lage an der Durchleuchtung

kontrolliert wird. Bei korrekter Lage

wird der Führungsdraht durch die

Elektrode mit Hilfe eines vorgebogenen

Abb. 1

: Klinischer Indikationspfad zur SPG-Stimulation (

Implantation) des Rot Kreuz Krankenhauses Kassel

Stationäre

Behandlung

-

Implantation

Qualitätsprüfung

nach dem SGBV

(§§2, 12, 137c)

Ausreichend

Zweckmäßig

Wirtsschaftlich

Aktueller

Stand

der

medizinischen

Erkenntnisse

Fachübergreifende QS

(z.B. Neurologie,

Anästhesie, Chirurgie)

ja

ja

Präoperative

Überprüfung anhand

von KIP-Schmerzskala-

Dokumentation

Prüfung der

Indikation

Interdis-

ziplinäre

Indikations-

konferenz

im CCC

Stabilisierung

des Erfolges

Indikationsstellung am RKH Kassel

(Cluster-Kompfschmerz Competenz Centrum − CCC, CSG e.V.)

nein

und/oder

Positivliste

Patientenselektion

Keine

-Implantation

Chronischer Cluster-

Kopfschmerz

gemäß ICHD-3 beta

mit Seitenpräferenz

Adäquater Einsatz von

akzeptabler Dosis und Dauer

definierter Wirkstoffe

Ausschluss

Kontraindikationen

oder

Vorliegen einer

symptomatischen Ursache

oder

Ungünstige Anatomie im

Bereich des SPG

oder

Bestimmte Vorbehandlungen/

-operationen oder Vorerkrankungen

oder

Medikamentenübergebrauch/

Medikamenteninduzierter KS

(Mögliche) Schwangerschaft/

Stillzeit

oder

Schwere psychische Erkrankung

und/oder

Keinen oder unzureichenden

therapeutischen Effekt

und/oder

Unerträgliche

Nebenwirkungen

und/oder

Kontraindikationen verhindern

medikamentöse Therapie

nein

nein

nein

nicht

fachüber-

greifend

validiert

nein

Massive andauernde

Beeinträchtigung des Patienten

durch den cCK nachweisbar

Kriterien für Patientenselektion erfüllt

(Goadsby, 2006; Jürgens, 2014)

©© Rotes Kreuz Krankenhaus Kassel

Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

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