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Ingwertabletten zur Verfügung. Ho-

möopathie hat sich dagegen in einer ran-

domisierten Studie nicht bewährt [12].

Mukositis

Zu Honig bei Mukositis gibt es mittler-

weile eine ganze Reihe positiver Studien

[13], wobei der für die Wundtherapie

empfohlene Manukahonig bei dieser In-

dikation versagt [14]. Weitere Optionen

sind ein Vitamin E-Öl [15], die Kryothe-

rapie (Lutschen von Eiswürfeln während

der intravenösen Gabe) [16], aber auch

eine verbesserte Mundhygiene und das

Kauen von Kaugummi [17].

Diarrhö

Zur Prävention und Therapie der Diar-

rhö zeigen Studien mit verschiedenen

Probiotika positive Effekte. Jedoch sind

die eingesetzten Bakterienstämme un-

terschiedlich und vergleichende Daten

fehlen [18]. Patienten mit sehr starker

Immunsuppression sollten Probiotika

nicht einnehmen, vereinzelt wurden In-

fektionen beschrieben. Heilerde ist nicht

wirksam [19] und wegen einer mögli-

chen Beeinflussung der Resorption von

onkologischen Medikamenten kontrain-

diziert. Dagegen zeigt eine randomiser-

te Studie, dass bei Selenmangel ein Aus-

gleich die Diarrö während einer Becken-

bestrahlung signifikant vermindert [20].

Neurotoxozität

Zur Prävention oder Behandlung der

Polyneuropathie unter verschiedenen

onkologischen Medikamenten sind un-

terschiedliche Vitamine und Spurenele-

mente allein oder in Kombination unter-

sucht worden. Für keine Substanz gibt es

solide Evidenz für einen Benefit [21]. Für

Carnitin ergab sich in einer Studie sogar

ein negativer Effekt [22].

Hormonentzugserscheinungen

Während die Daten für die Homöopa-

thie auch bei dieser Indikation negativ

sind [23], liegt die Ansprechrate für

Traubensilberkerzenextrakt (Cimicifuga

racemosa) bei etwa 25–30% und damit

etwas über der Ansprechrate unter Pla-

cebo [24]. Die langjährige Sorge, dass

Traubensilberkerze ein Phytoöstrogen

und damit kontraindiziert bei hormon-

abhängigen Mammakarzinomen sei, ist

mittlerweile widerlegt [25].

Für Hitzewallungen bei Männern

wurde jetzt in einer Studie die Wirksam-

keit von Salbei nachgewiesen [26].

Mehrere Studien zeigen, dass Patien-

tinnen mit Muskel- und Gelenkbe-

schwerden unter einer antihormonellen

Therapie häufig unter einemVitamin-D-

Mangel leiden und dass bei ihnen eine

hochdosierte Substitution zur Verbesse-

rung der Symptome führen kann [27].

Auch aus diesem Grund empfiehlt sich

bei Tumorpatienten eine Spiegelkontrol-

le, da diese in Deutschland häufig er-

niedrigt sind.

Akupunktur

Akupunktur wurde in der Onkologie

gegen verschiedene Nebenwirkungen

der onkologischen Therapie eingesetzt.

Die meisten Studien haben ein hohes

Risiko für einen Bias [28]. Die einzige

Indikation, die häufig mit positiven Er-

gebnissen für die Akupunktur genannt

wird, ist Übelkeit und Erbrechen. Aller-

dings ist es hier unklar, wie die Aus-

wahl des meist gewählten Akupunktur-

punktes (P7 am Unterarm) zu begrün-

den ist. Auch sind die Ergebnisse zur

Wirkung bei Übelkeit oder Erbrechen

bei akuten oder verzögerten Sympto-

men widersprüchlich, sodass die Indi-

kation fraglich ist. Wenn, dann ist eine

vom Patienten selbst durchgeführte

Akupressur sicherlich die sinnvollste

Alternative.

Fazit für die Praxis

Komplementäre Maßnahmen zur Ver-

besserung der Nebenwirkungen einer

onkologischenTherapie sind bei Tumor-

patienten weit verbreitet. Für einige

Symptome wie Fatigue und Übelkeit

und Erbrechen gibt es gute Evidenzen

für den Einsatz der Komplementär­

medizin. Bei Indikationen mit wider-

sprüchlicher Datenlage sollte über den

Einsatz von Nahrungsergänzungsmit-

teln und Phytopharmaka im Einzelfall

entschieden werden.

Prof. Dr. med. Jutta

Hübner

Universitätsklinikum

Jena, Am Klinikum 1,

07747 Jena

E-Mail: jutta.huebner@

med.uni-jena.de

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