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Spezialimplantats ersetzt. Abschließend

wird das Implantat durch einige Osteo­

syntheseschrauben dauerhaft am seitli­

chen Oberkiefer oberhalb der Zahnwur­

zeln befestigt (

Abb. 2

,

Abb. 3

). Darüber

wird die Gingiva reponiert und vernäht.

Nach dem circa einstündigen Eingriff

bleiben keine sichtbaren Narben zurück.

Postoperative Weiterbehandlung

Zehn Tage postoperativ werden die Näh­

te entfernt. Ein störungsfreier klinischer

Heilungsverlauf zeigt sich vor Allem an

einer ungestörten Mundöffnung. Ent­

zündliche Infiltrate beziehungsweise

Wundinfektionen sind aufgrund des

intraoralen Zugangswegs möglich und

werden lokal desinfizierend und gegebe­

nenfalls antibiotisch behandelt. Nach

etwa vier Wochen wird der Stimulator

erstmals aktiviert und in Zusammenar­

beit mit der Herstellerfirma program­

miert, damit ein optimales Stimulati­

onsergebnis erzielt wird. Dabei sind

mehrere – gegebenenfalls auch außer­

planmäßige – Kontakte mit hohem Be­

treuungsbedarf des Patienten einzukal­

kulieren. Die übliche Medikation läuft

dabei zunächst weiter und kann im Er­

folgsfall sukzessive reduziert werden.

Ergebnisse der Neurostimulation

Die Ergebnisse aus der multizentrischen,

randomisierten und kontrollierten Stu­

die „Pathway – CH1“ zeigen, dass etwa

zwei Drittel der Patienten von der Sti­

mulation zur Attackenkupierung profi­

tiert [11] (

Abb. 4

). Bei einem Teil der

Patienten reduziert sich zusätzlich auch

die Attackenfrequenz, was noch nicht

vollständig verstanden wird. Diese Er­

gebnisse gelten sowohl für die experi­

mentelle Phase als auch für die offen

durchgeführte Langzeitstudie der

Patientenkohorte über 24 Monate

(

Abb. 5

). Zurzeit sind die publizierten

Patientenzahlen noch zu klein, um ver­

lässliche Aussagen zur Wirksamkeit zu

treffen. Immerhin handelt es sich offen­

bar um eine Methode, die wenig Neben­

wirkungen und Komplikationen hervor­

ruft. Auf der Grundlage dieser Daten

modellieren Pietzsch et al. die Kosten­

effektivität der SPG-Stimulation [12].

Die Autoren kommen zu dem Schluss,

dass die SPG-Stimulation bereits nach

etwas mehr als fünf Jahre eine kosten­

effektive Therapieoption im deutschen

Gesundheitswesen darstellt. Da Cluster­

kopfschmerz dem Grunde nach eine „le­

benslange“ Beeinträchtigung für die be­

troffenen Patienten darstellt, konnten

die Kosteneinsparungen nach sieben

Jahren auf 9.857 Euro beziffert werden.

Erste Langzeitdaten bestätigen dabei die

seinerzeit zugrunde gelegten Annah­

men zur Wirksamkeit der Methode im

Zeitverlauf [13, 14].

Fazit

Bei Patienten mit Clusterkopfschmerz,

die konservativ nicht ausreichend be­

handelbar sind, stellt die SPG-Stimula­

tion eine vielversprechende und wirt­

schaftliche Methode der Therapieopti­

mierung dar. Auf der Grundlage der

derzeit vorliegenden Studienergebnisse

und der Empfehlungen in Leitlinien

weist die Methode bereits heute „das Po­

tenzial einer erforderlichen Behand­

Abb. 2

: Postoperatives digitales Volumen-

tomogramm mit Lage des Stimulators an

der Schädelbasis hinter und oberhalb des

Oberkiefers in der Fossa pterigopalatina

am Nervus Vidianus

©© Autonomic Technologies (ATI

)

Abb. 3

: Panorama-

schichtröntgenaufnahme

mit Lage des Neurosti-

mulators oberhalb der

Zahnwurzeln

©© Autonomic Technologies (ATI

)

Abb. 4

: Schmerzlinderung und Schmerzfreiheit 15, 30, 60 und 90 Minuten nach der SPG-

Stimulation (F = vollständig, SP = Subperception, S = Schein)

F SP S

100

75

50

25

0

Schmerz-Response

T15

T30

T60

T90

Schmerzlinderung

Attacken schmerzfrei

Attacken mit Response (%)

F SP S

F SP S

F SP S

©© Modifiziert nach [11]

30

Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

For tbildung

Clusterkopfschmerz