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Schmerzmedizin 2017; 33 (4)

For tbildung

Mind-Body-Medizin

Sich achtsam gegen den Schmerz

wappnen

Anna Paul, Holger Cramer, Thomas Rampp, Marc Werner, Gustav J. Dobos, Essen

Entspannungstechniken und die Schulung der Wahrnehmung sind

die wichtigsten Elemente der Mind-Body-Medizin. Sie helfen Schmerz­

patienten, Einfluss auf ihre Symptome zu nehmen.

T

herapie für eine dickere Haut“, so

nannte eine Patientin mit chroni-

schen Schmerzen die Mind-Body-

Medizin. Diese Weiterentwicklung der

naturheilkundlichen Ordnungstherapie

– der Lehre einer angemessenen Lebens-

führung, wie sie von Sebastian Kneipp

oder dem Schweizer Maximilian Bir-

cher-Benner formuliert wurde – zielt vor

allem auf einen veränderten Umgang

der Patienten mit ihren Schmerzen ab.

Individuelle gesundheitsbezogene Res-

sourcen im biopsychosozialen sowie

spirituellen Bereich werden aufgespürt,

körperliche und seelische Selbsthei-

lungskräfte gestärkt. Die Patienten ler-

nen, sich selbst sensibler wahrzuneh-

men und mehr und mehr auf ihre Sym-

ptome Einfluss zu nehmen (Selbstwirk-

samkeit). Das führt in der Folge dazu,

dass die empfundene Schmerzstärke ab-

nimmt.

Schnittstelle zwischen Nerven-

und Immunsystem

Impulse aus der Stressforschung, der

Psychoneuroimmunologie, aber auch

der Motivations- und Hirnforschung ha-

ben die klassische Ordnungstherapie zur

Mind-Body-Medizin erweitert. Zwei

wichtige Impulsgeber waren der Kardio-

loge Herbert Benson, Harvard Medical

School, und der Stressforscher Jon Ka-

bat-Zinn, Universität Massachusetts

Medical School in Worcester. Benson

entwickelte Methoden und Übungspro-

gramme, um eine „Relaxation Response“

zu erreichen – die gezielte „Umkehr“ der

Stressantwort des Körpers durch Atem-

übungen und andere Entspannungs-

©© contrastwerkstatt / Fotolia

Meditation und

progressive Muskel­

relaxation können

chronische Schmerzen

lindern.