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Patienten mit chronischen Schmerzen.

Seit ihrer Gründung hat die DGS mit in-

zwischen über 130 „Regionalen

Schmerzzentren DGS“ bundesweit

Strukturen geschaffen, die eine gute Ba-

sis bilden für eine Weiterentwicklung

von Netzwerkstrukturen, wie ich sie im

letzten Editorial der „Schmerzmedizin“

aufgezeigt habe.

Diese Neugestaltung der Versorgung

in Netzwerkstrukturen mit „Pain Care

Teams“ erfordert gemeinsame Anstren-

gungen von allen Beteiligten, von Pati-

enten, Ärzten, Psychologen, Physiothe-

rapeuten, medizinischen Fachangestell-

ten, Apothekern, Gesundheitspolitikern,

Sozialarbeitern und Krankenkassen, so-

wie auch weiterhin eine enge Zusam-

menarbeit mit dem Berufsverband der

Ärzte und Psychologischen Psychothera-

peuten in der Schmerz- und Palliativme-

dizin in Deutschland e.V.

Nicht ärztliche Expertise gefragt

Pain Care Teams erfordern, um effizient

arbeiten zu können, eine flache Hierar-

chie. Anders als in der Palliativmedizin

stehen in der Schmerzmedizin mit er-

fahrenen Patienten Experten bereit, die

nicht nur für die Betroffenen Lotsen in

einem komplizierten System sein kön-

nen, sondern auch mit ihren eigenen Er-

fahrungen einzeln oder in Gruppen the-

rapeutisch tätig werden können, um

Wege aus demKatastrophisieren und der

Verzweiflung aufzuzeigen – ein Potenzi-

al, das bisher viel zu wenig systematisch

genutzt wird.

Physiotherapeuten mit einer schmerz-

medizinischen Basisqualifikation wer-

den ebenfalls eine entscheidende Rolle

in Pain Care Teams spielen, da bei den

meisten Schmerzkrankheiten Störungen

des Bewegungssystems ursächlich oder

konsekutiv eine Rolle spielen. Nur wenn

alle Beteiligten kommunizieren, die glei-

chen Therapieziele verfolgen und als

Grundlage für Therapieentscheidungen

eine gemeinsame Dokukmentations-

plattform benutzen, kann eine bessere

Versorgung gelingen und können so

auch Kosten gespart werden.

Auch das Berufsbild der medizini-

schen Fachangestellten sowie der alge-

siologischen Fachassistentin wird eine

völlig neue Bewertung erfahren. Sie wer-

den mit zunehmender Qualifikation

nicht nur für die standardisierte Doku-

mentation verantwortlich sein, sondern

verstärkt auch selbstständig therapeu-

tisch tätig werden, sei es in der Patienten­

edukation oder auch in der selbstständi-

gen Durchführung zahlreicher Therapi-

en. Dazu gehören auch das Netzwerk-

management und die Koordination von

Diagnostik und Therapie.

Unbestritten ist die zentrale Bedeu-

tung psychologischer Diagnostik und

psychotherapeutischer Verfahren für

eine effiziente schmerzmedizinische

Versorgung. Trotzdem verirren sich nur

wenige Psychologen in die von allen

Schmerzgesellschaften gemeinsam ge-

tragene Ausbildung zum psychologi-

schen Schmerztherapeuten. Das drin-

gend notwendige Berufsbild „ärztlicher

Schmerzpsychotherapeut“ ist bis heute

nicht definiert.

DGS-Agenda 2020

plus

Eine Neugestaltung der Versorgung er-

fordert in vielen Bereichen eine Neuaus-

richtung der DGS. In seiner zweitägigen

Klausurtagung hat sich der DGS-Vor-

stand an Himmelfahrt 2017 intensiv die-

ser Thematik gewidmet und in der DGS-

Agenda 2020

plus

Ideen entwickelt, die es

mit Ihnen zu diskutieren gilt. Diese

Neuausrichtung kann nur gelingen,

wenn Sie, die Mitglieder der DGS, sie ak-

tiv gestalten mit Leidenschaft und Zu-

versicht, mit Ihrer Expertise, IhremWis-

sen und Ihrer Erfahrung. Dazu möchte

ich Sie herzlich einladen.

Persönliches

Zum Schluss ein persönliches Wort: Seit

über 20 Jahren habe ich das Privileg, der

Deutschen Gesellschaft für Schmerzme-

dizin als Präsident zu dienen und ihre

Geschicke mit zu gestalten. Diese wun-

derbare Aufgabe erfordert ein hohes

Maß an Engagement, Kraft und Zeit und

auch die volle Arbeitskraft. Gesundheit-

liche Probleme haben im vergangenen

Jahr meine Möglichkeiten, für die DGS

tätig zu sein, deutlich eingeschränkt und

ich bin Silvia Maurer, Oliver Emrich, Jo-

hannes Horlemann, Klaus Länger und

Michael Überall zutiefst dankbar, dass

sie zusätzlich zu ihren eigenen Vor-

standsthemen meine Aufgaben gemein-

sammit übernommen haben. Nachdem

nun absehbar ist, dass meine Arbeits-

kraft auch in den nächsten Monaten ein-

geschränkt sein wird, habe ich – mit ein-

stimmiger Unterstützung des gesamten

Vorstandes der DGS – Michael Überall

gebeten, die Mehrzahl meiner Aufgaben

bis zur nächsten Mitgliederversamm-

lung im März 2018 wahrzunehmen. Ich

bin Michael Überall von Herzen dank-

bar, dass er bereit ist, noch mehr Kraft,

Kreativität, Energie und Zeit für unsere

gemeinsamen Ziele zu opfern. Denn nur

mit voller Kraft wird es gelingen, eine

bessere Versorgung für alle Patienten

mit chronischen Schmerzen in diesem

Lande zu erreichen.

Sie alle, liebe Mitglieder, bitte ich: Las-

sen Sie uns gemeinsammit Leidenschaft

und Zuversicht die schmerzmedizini-

sche Zukunft in Deutschland gestalten.

Herzlichst, Ihr

Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe

Deutsche Gesellschaft für

Schmerzmedizin e. V.

www.dgschmerzmedizin.de

Schmerzmedizin 2017; 33 (4)

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