Previous Page  31 / 62 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 31 / 62 Next Page
Page Background

von weiteren, häufig auch schmerz­

induzierenden Folgeerkrankungen, sehr

deutlich [44, 45]. Zum Beispiel zeigten

sich im Rahmen retrospektiver Analy­

sen bei 125 Frauen in der Postmenopau­

se deutliche Zusammenhänge zwischen

einer Vitamin-C-Zufuhr und der soge­

nannten Knochenmineraldichte („bone

mineral density, BMD“). Zum einen war

bei dieser Patientengruppe eine positive

Assoziation hinsichtlich der BMD des

Schenkelhalses (Zunahme des BMD um

0,017 g/cm

2

) zu verzeichnen, auf der an­

deren Seite fand sich eine Reduktion si­

cherer Osteoporosezeichen, also eine

Abnahme der postmenopausal induzier­

ten Knochenresorption [46]. Diese wich­

tigen Ergebnisse wurden inzwischen

auch von anderen Untersuchungen be­

stätigt. Klar scheint mittlerweile zu sein,

dass Vitamin C – vor allem in der Post­

menopause – die durch eine Knochenre­

sorption induzierte Osteoporose signifi­

kant unterdrücken kann [47, 48, 49]. Al­

lerdings können diese positiven Effekte,

wie Leveille und Kollegen zeigten [50],

durch eine parallele Östrogengabe leider

teilweise wieder aufgehoben werden.

Auch Rauchen zeigte negative Begleit­

effekte. Sowohl bei der genannten Studie,

in der 1.892 postmenopausale Frauen in­

kludiert wurden, als auch im Rahmen

der NHANES-III-Untersuchungen [51]

zeigte sich sehr deutlich, dass selbst der

Effekt einer langjährigen Vitamin-C-

Einnahme durch diese weiteren Fakto­

ren negativ beeinflusst werden kann. Ob

der positive Vitamin-C-Effekt dadurch

komplett antagonisiert wird, ist bislang

allerdings wissenschaftlich nicht exakt

beschrieben [50, 51, 52]. Dass das Thema

Schmerzprophylaxe und -therapie bei

betroffenen Patienten allerdings einen

enorm hohen Stellenwert besitzt, zeigt

sich allein schon an der medialen Prä­

senz von diesbezüglichen Patientenrat­

gebern, nicht zuletzt veröffentlicht

durch die entsprechenden Selbsthilfe­

gruppen [53].

Vitamin C und Frakturheilung

Eine weitere spannende Frage ist, ob

eine Vitamin-C-Gabe die Fraktur- oder

Knochenheilung, zum Beispiel bei Spon­

tanfrakturen oder Operationen an der

Wirbelsäule, positiv beeinflussen kann.

Klar ist in jedem Fall, dass eine schnel­

lere Rekonvaleszenz zu einer signifikan­

ten Verminderung schmerztherapeuti­

scher Interventionsnotwendigkeiten

führt. Vor allem die Anzahl an späteren

chronischen Schmerzpatienten könnte

so deutlich reduziert werden. Und in der

Tat wurden potenzielle Effekte eines Vi­

tamin-C-Mangels auf die Fraktur- und

Knochenheilung bereits in der 1940er-

Jahren am Tiermodell untersucht. Abge­

leitet von eigenen Untersuchungen an

Meerschweinchen empfahlen Bourne et

al. [54, 55] die Gabe von Vitamin C bei

Knochenschäden oder Frakturen.

Sarisözen et al. [56], aber vor allem

Yilmaz und Kollegen [57] konnten sogar

zeigen, dass schon eine einzige Injektion

von Vitamin C in einer Dosierung von

0,5 mg/kg ausreichte, um die histologi­

sche Heilung der Bruchstelle bei Tibia­

frakturen im Vergleich zu einer

Kontrollgruppe zu beschleunigen (Kno­

chenbildung und Mineralisierung). Um­

gekehrt zeigte sich im Tiermodell bei

Meerschweinchen, die an schwerem

Skorbut litten, eine niedrigere BMD, ein

verringerter Knochenmineralgehalt und

eine beeinträchtigte Kollagenbiosynthe­

se von Gelenkknorpel und Sehnen [58].

Neben der Förderung der Knochenbil­

dung verbessert Vitamin C aber auch

die mechanische Festigkeit der Horn­

haut- und Kallusbildung. Alcanta­

ra-Martos et al. [59] untersuchten

diese Frage an dem wis­

senschaftlich hochin­

teressanten Shionogi

(ODS)-Rattenmo­

dell, bei dem die

Tiere kein körper­

eigenes Vitamin

C

produzieren

können. Sie fan­

den heraus, dass die

Tiere ohne Vitamin-

C-Substitution – und

somit sehr geringen

Vitamin-C-Serum­

spiegeln – auf eine

Torsionsbelastung

(hier im Bereich der

Kallusbildung fünf

Wochen nach Ober­

schenkelfraktur) eine

deutlich geringere

mechanische Resis­

tenz zeigten. Tiere,

die eine Vitamin-C-Substitution erhiel­

ten, hatten dagegen schnellere Heilungs­

raten und zeigten histologisch eine bes­

sere Genesungsrate im Rahmen der Kal­

lusbildung. Mohan et al. [60] konnten

diese positiven Effekte von Vitamin C

anhand eines genetisch veränderten

SFX-Mausmodells (SFX für spontane­

ous fracture) mit defekter präpubertärer

Knochenbildung

auch

für

die

mesenchymale

Zelldifferenzierung

nachweisen. Ein Vitamin-C-Mangel

führte hier zu einer verringerten

Knochenbildung, zu einer reduzierten

Knochendichte und -entwicklung sowie

zu Beeinträchtigungen der Osteoblas­

ten-Differenzierung. Diese Beeinträch­

tigung induzierte vermehrt Spontan­

frakturen [46–67].

Weitere Studien zeigten, dass Vitamin

C auch die Induktion der Osteoblasten-

Differenzierung und die Modulation der

Genexpression in Chondrozyten positiv

beziehungsweise bei einem Defizit nega­

tiv beeinflusst [65]. Kim et al. [66] fan­

den bei Gulo-defizienten Mäusen –

L-Gulonolactonoxidase ist ein Enzym

zur Herstellung von Vitamin C in höhe­

ren Organismen –, dass ein Vita­

min-C-Defizit über einen

Zeitraum von vier Wo­

chen zu verminderten

Plasmaspiegeln von

Osteocalcin, aber auch

zu verminderter Kno­

chenneubildung führ­

te. Sichtbar war

dies vor allem

im

Be­

reich

Studien zeigten

:

Eine

Vitamin-C-Hypovita-

mintose korrieliert

mit der Prävalenz für

Rückenschmerzen.

©© Wavebreak Media/Thinkstock

Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

35