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der metaphysären Spongiosa. Auch hier

war die Gefahr von Spontanfrakturen

erhöht.

Vitaminmangel erhöht

Frakturrisiko

Aber auch im Rahmen der Frakturpro-

phylaxe scheint Vitamin C eine wichtige

Rolle zu spielen. Eine in Schweden

durchgeführte prospektive Untersu-

chung, in der 66.651 Frauen zwischen 40

und 76 Jahren eingeschlossen wurden,

offenbarte eine deutliche Korrelation

zwischen Rauchen und niedrigen Vita-

min-E- oder -C-Spiegeln [67]. Selbst bei

einemMangel von nur einem der beiden

Vitamine war das Risiko, eine Hüftfrak-

tur zu erleiden, um das Dreifache erhöht.

Waren die Spiegel beider Vitamine redu-

ziert, erhöhte sich die Odds Ratio (OR)

sogar auf 4,9. Diese Ergebnisse konnten

durch die „Utah Study of Nutrition“ be-

stätigt werden. In dieser Studie wurden

1.215 Raucher, die im Alter von über 50

Jahren eine Hüftfraktur erlitten, mit

1.349 Patienten, die niemals geraucht

hatten, verglichen. Es zeigte sich interes-

santerweise tatsächlich ein signifikant

protektiver Effekt, wenn die Patienten

im Durchschnitt mehr als 159 mg Vita-

min C pro Tag über einen längeren Zeit-

raum eingenommen hatten [68]. Auch

bei postmenopausalen Frauen, die in der

Vergangenheit geraucht oder Östrogen-

präparate zu sich genommen hatten,

konnte dieser Zusammenhang nachge-

wiesen werden [51]. Eine weitere Studie

konnte ferner zeigen, dass auch die Vit-

amin-C-Dosis durchaus nicht will­

kürlich oder zu niedrig gewählt werden

sollte, denn Patienten, die gemittelt eine

hohe Dosis Vitamin C zu sich nahmen

(313 mg Vitamin C/Tag), hatten signifi-

kant weniger Frakturen der Hüfte oder

der nicht vertebralen Knochen als solche

mit sehr niedrigen Vitamin-C-Dosen

(94 mg/Tag) [69].

Behandlung entzündlicher

Knochen

Vor dem Hintergrund dieser Erkennt-

nisse stellt sich zwangsläufig die Frage,

ob nicht auch entzündliche Geschehen

im Knochen selbst – zum Beispiel im

Rahmen einer häufig lang andauernden

und oft sehr schmerzhaften Osteoarth-

ritis-Erkrankung – auf eine adjuvante

Vitamin-C-Therapie ansprechen wür-

den. Hinsichtlich des Pathomechanis-

mus einer Osteoarthritis ging man lan-

ge Zeit davon aus, dass vor allem

Schäden durch freie Radikale eine signi-

fikante Rolle bei der Entstehung und

Aggravierung dieser Erkrankung spielen

würden [70, 71, 72]. Regan et al. konnten

2008 in der Tat zeigen, dass in der Knie­

gelenksflüssigkeit von Patienten, die un-

ter einer schweren Arthritis litten, die

Konzentration von Antioxidantien sig-

nifikant geringer war als bei Patienten

mit intaktemKnie- und Knorpelgewebe

[73]. Diese spannenden Ergebnisse fo-

kussierten in den darauffolgenden Jah-

ren die Forschungsaktivität auf diesem

Gebiet auf Radikalfänger, und hier ins-

besondere auf Vitamin C. Leider konn-

ten tierexperimentelle Befunde diese

ersten Ergebnisse nicht durchgehend be-

stätigen [74, 75, 76].

Aber auch weitere Untersuchungen

beim Menschen sind hier widersprüch-

lich: Wang und Kollegen [77] zeigten im

Rahmen von Magnetresonanzuntersu-

chungen zwar, dass eine Vitamin-C-

Einnahme über einen Zeitraum von

zehn Jahren zu einer 50%-igen Reduk-

tion von Knochenmarksläsionen führte.

Auch im Rahmen der Clearwater-Osteoarthritis-Studie [78] war bei 11%

der 1.023 untersuchten Patienten eine

radiologisch gesicherte Reduktion

der Osteoarthritis-Erkankungshäufig-

keit nachzuweisen. Dennoch konnten

bislang nicht alle Studien diese ersten

vielversprechenden Ergebnisse verifizie-

ren [79]. Einige der Untersuchungen ka-

men sogar zu einem gegenteiligen Er-

gebnis. Ein Beispiel hierfür sind die Er-

gebnisse von Chaganti et al. [80]. Im

Rahmen der Multicenter-Osteoarthritis-

Studie fand sich bei 3.026 Patienten

leider keine eindeutige Korrelation zwi-

schen den Plasmaspiegeln von Vita-

min C und E und der Inzidenz der Er­

krankung. Klar ist allerdings, dass eine

chronische Osteoarthritis-Erkrankung

schmerztherapeutisch nur schwierig zu

behandeln ist. Insofern lohnt es sicher-

lich, diese Frage noch eingehender zu

untersuchen.

Ein möglicher Ansatz könnte hier die

eingehendere Betrachtung eines beson-

deren Krankheitsbildes, wie zum Bei-

spiel des CRPS („complex regional pain

syndrome“) sein, denn auch hier sind

Entzündungsreaktionen ein wesentli-

cher Bestandteil der Erkrankung.

Schmerztherapeutisch besitzt das CRPS

allerdings eine hohe Relevanz, denn für

die betroffenen Patienten führt diese

Diagnose fast immer zu einer auch

schmerzbedingt anhaltenden Immobili-

sierung und damit regelrecht zur „läh-

menden“ Erkrankungssituation [81–95].

Probleme bereitet hier insbesondere eine

langanhaltende Symptom-Trias, die mit

starken Schmerzen, einer immobilisie-

renden Schwellungsproblematik und ei-

ner ausgeprägten vasomotorischen In-

stabilität der betroffenen Extremität ein-

hergeht. Ausgelöst wird dieses Syndrom

(mit einer Inzidenz von 10–22%) durch

ein Trauma oder einen chirurgischen

Eingriff an einer Extremität, vor allem

im Rahmen von Hand- und Fußgelenks­

operationen [81, 82, 83, 84, 85]. Obwohl

der Auslöser und die pathophysiologi-

schen Mechanismen immer noch nicht

genau bekannt sind, ist bisheriger wis-

senschaftlicher Konsensus, dass haupt-

sächlich eine durch freie Radikale aus-

gelöste vasomotorische Dysregulation,

verbunden mit einer deutlich erhöhten

Permeabilität des Gefäßsystems, eine

besondere Rolle zu spielen scheint [86,

87, 88, 89]. Indirekt bestätigt wird diese

Annahme interessanterweise durch Un-

tersuchungen an Brandverletzten [88].

Hier zeigte eine Vitamin-C-Gabe einen

signifikant positiven Effekt auf die

Extravasation von Flüssigkeiten und

Proteinen.

Hinsichtlich möglicher Effekte von

Vitamin C im Rahmen eines CRPS exis-

tieren allerdings nur sehr wenige Studi-

en. Klar scheint allerdings, wie Zollinger

et al. [82, 83, 90] im Rahmen von Dop-

pelblind-Studien bei Patienten mit dis-

taler Radiusfraktur zeigen konnten, dass

die orale Gabe von 500 mg Vitamin C

pro Tag, eingenommen über 50 Tage

nach der Verletzung im ersten Jahr nach

dem Trauma zu einer – verglichen mit

Placebo – signifikant niedrigeren CRPS-

Erkrankungswahrscheinlichkeit führt

(7% vs. 22%) [89]. Patienten mit einem

bestimmten Frakturtyp oder solche, die

über Beschwerden mit angelegtem Gips

klagten und bekanntermaßen leichter

ein CRPS entwickeln können, profitier-

ten sogar noch stärker von dieser Pro-

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Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

For tbildung

Vitamin C beim chronischen Kreuzschmerz