Previous Page  34 / 60 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 34 / 60 Next Page
Page Background

Krieg, Vertreibung, Schmerz

Multimodale Schmerztherapie

bei Migranten

Die Migration ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Schon jetzt ist unsere Gesellschaft

geprägt durch Menschen, die aus unterschiedlichsten Kulturen zu uns kamen. Diese sind zum Teil sehr gut

integriert, zahlen in die Sozialsysteme ein und werden gesundheitlich versorgt. Jedoch stellen gerade die

Menschen, die jüngst fliehen mussten, Ärzte häufig vor neue Herausforderungen.

©© Jonathan Brady / dpa

Richtige Kommunikation erleichtert die

Schmerzbehandlung

Der Austausch zwischen den Behandlern ist für eine multimodale Schmerz-

therapie unerlässlich. Bei kürzlich Geflüchteten erschweren sprachliche Barri-

eren zwischen Patient und Therapeut die Behandlung zusätzlich.

E

in ideales Beispiel für spezielle Ver-

sorgungssysteme ist die multimodale

Schmerzmedizin. Sie kann allerdings

nur dann gelingen, wenn unterschied-

lichste Berufsgruppen und interdiszipli-

näre Fachbereiche miteinander zusam-

menarbeiten und Schmerzprobleme in-

dividuell behandelt werden. Die multi-

modalen oder besser multimodularen

Behandlungsbestandteile kommen aus

dem Bereich der Schmerzmedizin, wie

etwa die Medikamenten- und Injek­

tionstherapie, aus der Schmerzpsycho­

logie sowie aus der Physiotherapie. All

diese Behandlungsbestandteile benöti-

gen eine gute Kommunikation, sowohl

mit dem Patienten als auch mit den Kol-

legen, beispielsweise in einer Schmerz-

konferenz.

Am Anfang der Therapie sollten ge-

meinsame Ziele mit dem Patienten erar-

beitet werden. Wenn dies gelingt, kön-

nen einzelne Therapieschritte und -er-

folge für alle Verhandlungspartner

transparenter und nachvollziehbarer

werden.

Problem der Sprachbarriere

Wie sieht es mit Patienten aus, die erst

vor kurzem aus ihrer Heimat geflohen

sind und noch kein Deutsch sprechen?

Eine Übersetzung durch Angehörige

oder ehrenamtliche Dolmetscher birgt

immer das Risiko eines Filters. Auch

müssen wir berücksichtigen, dass kultu-

relle und ethnische Besonderheiten eine

andere Art der Kommunikation mit

dem Arzt hervorrufen. Es gibt beispiels-

weise Kulturen, in denen es als höflich

erachtet wird, eine Therapie als erfolg-

reich zu bezeichnen, obwohl sie es nicht

ist.

Die individualisierte Medizin, die wir

deutschsprachigen Patienten anbieten

können, gelingt bei schlecht oder gar

nicht/noch nicht deutsch sprechenden

Patienten nicht. Fremdsprachliche Fra-

gebögen können einen Hinweis auf die

DGS

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V.

38

Schmerzmedizin 2017; 33 (4)