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den. Die von allen schmerzmedizini-

schen Fachgesellschaften getragene For-

derung nach dem Facharzt für Schmerz-

medizin als Querschnittsfach hatte noch

2007 Eingang in die Ethik-Charta der

Deutschen Schmerzgesellschaft (DGSS)

gefunden, 2015 wurde sie auf dem Altar

der Partikularinteressen der Fachgesell-

schaften geopfert und ersatzlos gestri-

chen.

Bedarfsplanung wäre möglich

Die Bedarfsplanung-Richtlinie des Ge-

meinsamen Bundesausschusses (zuletzt

geändert am 16. Juni 2016) würde nach

Abschnitt 8, §36 und § 37 (Sonderbedarf,

Maßstäbe für zusätzliche lokale und

qualifikationsbezogene Sonderbedarfs-

feststellungen [Paragraf 101 Absatz 1

Nummer 3 SGB V]) durchaus eine an der

fachgebietsbezogenen Zusatzbezeich-

nung „Spezielle Schmerztherapie“ orien-

tierte Bedarfsplanung ermöglichen. Bis

heute ist dies allerdings in keiner einzi-

gen Kassenärztlichen Vereinigung um-

gesetzt. Darüber hinaus zeigt die Erfah-

rung der letzten Jahre, dass die Proble-

me von Patienten mit schweren chroni-

schen Schmerzen, deren Krankheit sich

nicht an die Grenzen der einzelnen

Fachgebiete hält, nicht mit der fachge-

bietsbezogenen

Zusatzbezeichnung

„Spezielle Schmerztherapie“ gelöst wer-

den können.

SASV – ein Ausweg

Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es?

Versuche, die Existenz der „chroni-

schen Schmerzkrankheit“ als komple-

xe bio-psycho-soziale eigenständige

Erkrankung abzustreiten, stärken die

Verfechter der Theorie, dass Patienten

und ihre Erkrankungen sich gefälligst

an die klassischen etablierten Fachge-

biete zu halten haben.

Die Einsicht, dass klinische Fachge-

biete durch die Versorgungsnotwen-

digkeit von Patienten und ihren Er-

krankungen definiert sein sollten,

lässt angesichts der komplexen Prob-

leme von Patienten mit chronischen

Schmerzen mit funktionell/orthopä-

dischen, neurologischen, psychologi-

schen/psychiatrischen und anästhesi-

ologischen Aspekten die Forderung

nach einem „Facharzt für Schmerz-

medizin“ zwingend erscheinen, ein

Aspekt, der gerade den Anästhesisten

– angesichts der Entstehung ihres ei-

genen Fachgebiets – naheliegen sollte.

Wenn eigentlich sinnvolle Lösungen

(Facharzt für Schmerzmedizin) an

Fachgebietspartikularinteressen schei-

tern, müssen neue Versorgungsstruk-

turen entstehen. Die „Spezialisierte

Ambulante

Schmerzmedizinische

Versorgung“ (SASV) als neue Versor-

gungsstruktur eröffnet Perspektiven

für eine bessere Versorgung von Pati-

enten mit chronischen Schmerzen.

Anforderungen an die SASV

Ein erster Zehn-Punkte-Plan beschreibt

wichtige Aspekte der SASV. Um die Ver-

sorgung zu verbessern muss das Ange-

bot folgende Voraussetzungen erfüllen:

1.

Es muss flächendeckend, wohnort-

nah und ambulant zur Verfügung

stehen.

2.

Frühintervention und Prävention

der Schmerzchronifizierung sind

wichtige Ziele des Konzeptes, ebenso

wie

3.

effektives Übergabemanagement

und zeitnaher Therapiebeginn für

Patienten

mit

chronifizierten

Schmerzen.

4.

Ein „Pain Care Team“ sollte den spe-

zialisierten Einzelkämpfer ersetzen.

In diesem Team sind Kernkompe-

tenzen und Strukturen zu fordern,

wie etwa Hausarzt, Schmerzmedizin,

Psychologie, Physiotherapie und

algesiologische Fachassistenz.

5.

Ein Netzmanagement, am besten

durch eine algesiologische Fachassis-

tenz mit erweiterter Qualifikation,

ist erste Anlauf- und Koordinations-

stelle.

6.

Über verbindliche Kooperationen

sind weitere Fachgebiete in das Netz

einzubeziehen wie zum Beispiel

Neurologie, Orthopädie, Chirurgie,

Zahnmedizin, Sozialarbeit.

7.

Für alle im Netz Beteiligten ist eine

schmerzmedizinische Basisqualifi-

kation zu fordern.

8.

Eine verbindliche gemeinsame Do-

kumentationsplattform ermöglicht

Transparenz und Effizienz.

9.

Adäquate, pauschalierte Vergütun-

gen vermeiden Fehlanreize durch in-

adäquate Einzelleistungsvergütung.

10.

Für einzelne Patientengruppen müs-

sen Therapieoptionen und Therapie-

ziele definiert werden, um entspre-

chend der notwendigen Ressourcen

Honoraranteile der einzelnen Betei-

ligten zu berechnen.

DGS als Schrittmacher

In den letzten 30 Jahren war die Deut-

sche Gesellschaft für Schmerzmedizin

durch die Entwicklung von Definitionen

und Standards, von Curricula und von

Versorgungverträgen immer der Schritt-

macher für eine bessere Versorgung von

Patienten mit chronischen Schmerzen.

Lassen Sie uns erneut gemeinsam auf-

brechen zu einer neuen Versorgungsof-

fensive, diskutieren Sie mit, bringen sie

ihre Ideen und Vorschläge ein, damit die

zukünftige Versorgung von Patienten

mit chronischen Schmerzen nicht im

Gestrüpp der Fachgebietsinteressen ste-

cken bleibt.

Herzlichst,

Ihr

Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe

DSL-Vorstand mit großer Mehrheit bestätigt

Auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Schmerzliga (DSL) e.V. wurde der

amtierende Vorstand mit großer Mehrheit für weitere drei Jahre im Amt bestätigt.

Mit dieser Wiederwahl honorierten die anwesenden DSL-Mitglieder die großen Erfol-

ge des Vorstandes bei der Konsolidierung des Finanzhaushaltes und der konzeptio-

nellen Anpassungen der DSL an das sich ändernde gesundheitspolitische Umfeld in

den vergangen fünf Jahren. Bei jeweils nur einer Stimme Enthaltung wurdenmit 97,8%

der abgegebenen Stimmen PD Dr. med. Michael A. Überall als DSL-Präsident sowie

Birgitta Gibson, Susanne Wüste, Uta Obst und Günter Rambach als DSL-Vizepräsiden-

ten gewählt.

Deutsche Gesellschaft für

Schmerzmedizin e. V.

www.dgschmerzmedizin.de

Schmerzmedizin 2017; 33 (3)

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