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Der Mensch, ein Sicherheitsrisiko?

Anwendung von Sicherheitsstrategien

der Luftfahrt auf die moderne Medizin

Sicherheit ist ein hohes Gut für den Menschen. Ob als Passagier eines

Flugzeugs oder Patient vor einer Operation, man möchte sich sicher

fühlen. Doch wo Menschen agieren, sind Fehler und damit verbundene

Sicherheitsrisiken nicht ausgeschlossen.

D

ie Begeisterung über den techni-

schen Fortschritt verstellt hin

und wieder den Blick auf die Tat-

sache, dass sich die „Biomaschine

Mensch“ – der Bediener und Nutzer der

Technik – seit Jahrtausenden nicht ver-

ändert hat. Seine prinzipiellen Fähigkei-

ten Daten zu verarbeiten, technische

Vorgänge zu regeln und komplexe Gerä-

te zu steuern, haben sich seit Erfindung

der Dampfmaschine nicht verändert

(und werden dies auch in absehbarer Zu-

kunft nicht tun). Interdisziplinärer Ge-

danken- und Erfahrungsaustausch zeigt,

dass ein optimales Zusammenspiel von

Menschen (Team) und Maschine(n) zur

Lösung anspruchsvoller Aufgaben unter

Zeitdruck die Anwendung und Befol-

gung systemübergreifender Regeln und

Gesetze erfordert. Es ist dabei von un-

tergeordneter Bedeutung, ob Arbeitsab-

läufe im Operationssaal, im Cockpit ei-

nes Flugzeuges oder in der Führungs-

zentrale eines Unternehmens betrachtet

werden.

Sicherheit hat in der Luftfahrt einen

hohen Stellenwert, denn größere Flug-

unfälle, die Tote und Verletzte fordern,

erzeugen immer auch großen Schmerz

und Trauer bei den Angehörigen. Durch

die große Aufmerksamkeit der Medien

gelangen Flugunfälle auch in das Be-

wusstsein der Öffentlichkeit. Detaillier-

te Unfalluntersuchungen liefern zusam-

men mit der Auswertung der Flugschrei-

berdaten und der Sprachaufzeichnun-

gen der Cockpit-Kommunikation ein

genaues Bild von Arbeitsbedingungen

und Fehlern, die zu einer Katastrophe

führen.

Fremd- versus selbstbestimmtes

Risiko

So wichtig Sicherheit in „fremdbe-

stimmten“ Situationen beispielsweise als

Passagier oder Patient im Krankenhaus

ist, so gelassen gehen wir mit unserer

Sicherheit häufig dann um, wenn wir da-

von überzeugt sind, selbst alle Fäden in

der Hand zu haben. Zum Beispiel als

Fahrer eines PKW oder beim Sport. Si-

cherheit ist folglich hochgradig subjektiv.

Wenn es darum geht, Gefahren zu be-

kämpfen, stellt sich die Frage, warum

Dinge schief gehen. Eine Beschäftigung

Beide Berufsgruppen tragen eine große Verantwortung hinsichtlich der Sicherheit ihrer Patienten beziehungsweise Passagiere.

©© Monika Wisniewska / stock.adobe.com

DGS

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V.

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Schmerzmedizin 2017; 33 (4)