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Schmerzkonferenz

Therapie häufig ohne

ausreichendes Konzept

Auf den von den DGS-Schmerzzentren veranstalteten Schmerzkonferenzen

stellen Kollegen regelmäßig besonders interessante Fälle vor. Auf der Konfe-

renz „Linker Niederrhein“ im November 2016 führte der Fall eines Patienten

zur Diskussion über die Indikationen periradikulärer Therapien.

D

ie Schmerzkonferenz „Linker

Niederrhein“ schaut auf eine Ge-

schichte von über zwei Jahrzehn-

ten zurück. Neben Fachvorträgen wer-

den hier regelmäßig werden hier, regel-

mäßig Patienten vorgestellt, und auch

untersucht, um anschließend gemein-

schaftlich mit Kollegen das schmerzme-

dizinische Prozedere zu besprechen. Die

Konferenz ist offen, neben vielen Haus-

ärzten nehmen auch alle an der Schmerz-

medizin beteiligten Professionen teil.

Die Schmerzkonferenz am 24.11.2016

wurde durch A. Hein, O. Buchbinder,

J. Horlemann und W. Sohn geleitet. Vor-

gestellt wurde ein Patient, geboren 1973,

der seit 15–20 Jahren über Rücken-

schmerzen klagt. Er befand sich wenige

Tage zuvor in erstmaliger schmerzmedi-

zinischer Behandlung, dort wurde seine

Aufnahme nach dem iDocLive®-

Programm dokumentiert.

Schmerzintensivierung seit

Sommer 2016

Der Patient ist Lehrer an einem Gymna-

sium und leidet unter organisatorischem

Stress, insbesondere an der Schule und

in der Familie. Auffällig war, dass er sei-

ne Tochter seit dem Sommer 2016 nicht

mehr auf der Schulter tragen konnte,

weil belastungsabhängige Schmerzen in

der Lendenwirbelsäule (LWS) auftraten,

die von stechendem Charakter waren.

Diese verstärkten sich in der Ferienzeit

des Sommers 2016 akut. Die Nacht des

Patienten wird häufig durch schmerz­

bedingte Schlafstörungen unterbrochen.

Er ist mittlerweile stark depressiv, an-

triebsverarmt, hat Hobbys und soziales

Engagement aufgegeben. In den letzten

Jahren hat er sämtliche erreichbaren

Orthopäden aufgesucht, die folgende

Diagnosen stellten:

Rezidivierende Lumboischialgien bei

LWS-Degeneration mit Facettenarth-

rosen; insbesondere L4/5 und L5/S1.

Beinverkürzung links reell 1,5 cm

Senkspreizfuß beidseits

Retropatellararthrose

Der Patient hat schätzungsweise 30–40

verschiedene Aufnahmen und mehrfa-

che MRT-Aufnahmen der LWS durch-

führen lassen. Etwa 20 infiltrative

Behandlungen unter radiologischer

Kontrolle mittels Computertomografie

wurden im Bereich der Facetten durch-

geführt – gleichzeitig eine Facettende-

nervation. In der Untersuchung fiel ein

druckschmerzhaftes Iliosakralgelenk

auf mit Beeinträchtigung des Vorlauf-

phänomens. Neurologische Defizite be-

stehen nicht. Auffällig war ein Klopf-

schmerz über der LWS, insbesondere an

L5/S1, ein deutliches Abtraining der sta-

Im Auftrag der

Schmerzfreiheit

Die wichtigsten Ziele der DGS:

Förderung der Schmerzmedizin in

Forschung und Lehre

Entwicklung von Standards für die

Aus-, Fort- und Weiterbildung in der

Schmerzmedizin

Entwicklung von Qualitätsstandards

in der Schmerzmedizin

Weiterbildung auf allen Gebieten der

Schmerzdiagnostik und -therapie

Qualitative und quantitative Verbes-

serung der schmerzmedizinischen

Patientenversorgung

Förderung der palliativmedizini-

schen Versorgung

Aufbau eines nationalen und inter-

nationalen Netzwerkes Schmerz­

medizin

Versorgungsforschung im Bereich

der Schmerzmedizin

Gründung regionaler Schmerz­

zentren und Schmerzkonferenzen

Wissenschaftliche und fachliche

Beratung und Unterstützung von

Ärzten, Psychologen und allen

Berufsgruppen in der Patienten­

versorgung

Wissenschaftliche und fachliche

Beratung von öffentlich-rechtlichen

Körperschaften, Kostenträgern,

Politik und Öffentlichkeit

Flächendeckende schmerzmedizini-

sche Versorgung durch Etablierung

eines Facharztes für Schmerzmedizin

Deutsche Gesellschaft für

Schmerzmedizin e. V.

Geschäftsstelle:

Heike Ahrendt

Lennéstraße 9, 10785 Berlin

Telefon: 030 8562188 - 0

Fax: 030 22185342

E-Mail: heike.ahrendt@

dgschmerzmedizin.de

Vorstand:

Dr. med. Gerhard H. H. Müller-Schwefe

(Präsident)

Dr. med. Oliver Emrich (Vizepräsident)

Dr. med. Johannes Horlemann

(Vizepräsident)

Klaus H. Längler (Vizepräsident)

Dr. Silvia Maurer (Vizepräsidentin)

PD Dr. med. Michael A. Überall

(Vizepräsident)

www.dgschmerzmedizin.de

Deutsche Gesellschaft für

Schmerzmedizin e. V.

www.dgschmerzmedizin.de

„Es besteht ein Mangel

an Schmerzdiagnostik

im Bereich muskulärer

Schmerzursachen so­

wie eine mangelhafte

Bewertung psycho­

sozialer Schmerzen.“

Dr. med. Johannes Horlemann

Leiter des Regionalen Schmerz­

zentrums DGS Geldern

DGS

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.

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Schmerzmedizin 2017; 33 (1)