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schlussgrund für Leistungen der SAPV

ist. Vielmehr komme es auf die Zielset-

zung der Strahlen- und Chemotherapie

an. Ferner wurde in der Begutachtungs-

anleitung nochmals verdeutlicht, dass

die Einschätzung, ob die Voraussetzun-

gen nach § 3 der SAPV-Richtlinie erfüllt

sind, unabhängig davon zu treffen ist, ob

es sich bei der zugrunde liegenden Er-

krankung um eine onkologische oder

nicht onkologische Erkrankung handelt

(vgl. Kapitel 2., 3.1. der Begutachtungs-

anleitung). Die Begutachtungsanleitung

ist sowohl für die Krankenkassen als

auch die MDK-Gemeinschaft verbind-

lich. Es bleibt abzuwarten, wie sich die

Möglichkeiten zur SAPV-Ausgestaltung

in unserem Vertragsgebiet entwickeln –

SAPV als Teamleistung ist sicher unum-

stritten (Erbringung in der Kombinati-

on QPA + Koordinator oder QPA + qua-

lifizierte Palliativpflege mit einem Palli-

ativpflegedienst in Kooperation).

Die Schnittstelle zwischen dem Kran-

kenhaus und der ambulanten Versor-

gung ist nicht immer unkritisch. In Ein-

zelfällen der besonders intensiven Ver-

sorgung scheint der Besuch eines Koor-

dinators oder des Palliativarztes im

Krankenhaus vor der Einschreibung des

Patienten in die „Vereinbarung“ sinnvoll

zu sein. Allerdings kann hier die Ein-

schreibung des Patienten aus dem Kran-

kenhaus heraus bestenfalls vorbereitet

werden. Erst mit dem Tag der Entlas-

sung ist eine Aufnahme des Patienten in

den Palliativvertrag möglich. Ein Ein-

schreiben während der Aufenthaltszeit

des Patienten im Krankenhaus – was

durchaus sinnvoll sein könnte – wird

von den Krankenkassen strikt abgelehnt

und wurde bereits mehrfach mit dem

Verdacht eines Abrechnungsbetruges

kommentiert.

Mit dem wachsenden Bekanntheits-

grad der Möglichkeiten ambulanter Pal-

liativversorgung werden wir immer wie-

der über unsere Notfallnummer von Pa-

tientenangehörigen oder Pflegeeinrich-

tungen kontaktiert, obwohl der Patient

bis dato nicht in die SAPV-Vereinbarung

aufgenommen wurde. Es hat sich in un-

serem Palliativnetz etabliert, sich in die-

sen wenigen Fällen den Hilfesuchenden

nicht zu verweigern und zum nächst-

möglichen Zeitpunkt den Kontakt zum

Hausarzt zu suchen, um rückwirkend

die Einschreibung zu erwirken. In den

angestrebten Kooperationsvereinbarun-

gen mit den Altenheimen sollte jedoch

sehr klar formuliert werden, dass der

PKD-Bereitschaftsdienst kein Ersatz für

den allgemeinen ärztlichen Notdienst

sein kann und will.

Die Frage nach der Pumpe

Eng verbunden mit demThema der Not-

falleinschreibung ist die Frage der Be-

reitstellung von elektronischen PCA-

Pumpen. Die Voraussetzung für eine ef-

fektive Patientenversorgung in der Regi-

on eines PKD ist es, sich mit allen

Beteiligten (Krankenhaus, Altenheim,

Hausärzte etc.) auf einen Pumpentyp

mit zu einigen. Ist dies geschehen, so

kann mit den Pumpenherstellern oder

den kooperierenden Sanitätshäusern die

Bereitstellung von „Kommissionsware“

vereinbart werden, sodass zu jeder Zeit

Zugriff auf die PCA-Pumpe oder das nö-

tige Material besteht. Dieses sollte an

einem Ort aufbewahrt werden, welcher

jederzeit für alle Beteiligten erreichbar

ist (z. B. Palliativstation, Hospiz, Praxis-

räume des diensthabenden PKD etc.).

Die Anschaffung eines eigenen Geräte-

pools in einem PKD ist kritisch, sowohl

von Seiten der Refinanzierung als auch

vom bürokratischen Aufwand her. Denn

wie will der PKD als „Vermieter“ der

Pumpen den Krankenkassen gegenüber-

treten?

Direkt verknüpft mit der Bereitstel-

lung der PCA-Pumpe ist die Portversor-

gung. Auch hier sollten sich die Beteilig-

ten des PKD auf ein Fabrikat mit unter-

schiedlichen Nadellängen einigen. Die

Portversorgung sollte durch die Koordi-

natoren oder speziell geschulte Palliativ-

pflege im Pflegedienst erfolgen (auf der

Grundlage eines Versorgungsstandards).

Die Abgabe zur Durchführung/Verant-

wortung der Port- und Pumpenversor-

gung an dritte Dienstleister (Ernäh-

rungsteams etc.) sehe ich kritisch – so-

wohl bezüglich der Indikation, der Ko-

operation, aber auch hinsichtlich der

Kosten und der Qualität.

Regelungen der Leichenschau

Die Durchführung der Leichenschau

muss mit den einzelnen Hausärzten ab-

gesprochen werden. In Fällen spezifi-

scher Maßnahmen wie zum Beispiel pal-

liativer Sedierung sollte der QPA die Lei-

chenschau durchführen, da nur er die

Tragweite der Maßnahmen und deren

rechtliche Implikationen überblicken

kann. Generell sollte die Leichenschau

vorrangig von dem Arzt durchgeführt

werden, der den Behandlungsverlauf des

Patienten kennt. Außerdem sollte die

Leichenschau zeitnah nach dem Be-

kanntwerden des Versterbens eines Pa-

tienten durchgeführt werden. Hierzu

führt § 9 des Gesetzes über das Fried-

hofs- und Bestattungswesen (BestG

NRW) mit Stand vom 2. Februar 2017

aus: „Ärztinnen und Ärzte sind ver-

pflichtet, unverzüglich nach Erhalt der

Todesanzeige die unbekleidete Leiche

oder die Totgeburt persönlich zu be-

sichtigen und sorgfältig zu untersuchen

(Leichenschau) sowie die Todesbeschei-

nigung auszustellen und auszuhändigen.

(…) Notärztinnen und Notärzte im öf-

fentlichen Rettungsdienst sind während

der Einsatzbereitschaft und während des

Einsatzes, sobald sie den Tod festgestellt

haben, weder zur Leichenschau noch zur

Ausstellung der Todesbescheinigung

verpflichtet.“

Erfolgt die Leichenschau und das

Ausstellen der Todesbescheinigung

durch den Palliativarzt, so sollte der

Hausarzt zeitnah vomVersterben seines

Patienten informiert werden (es sei da-

ran erinnert, dass für den Besuch an-

lässlich der Leichenschau die Ziffer

„Hausbesuch“ nicht angesetzt werden

darf!). Wie lange ein Verstorbener in der

Häuslichkeit verbleiben darf, ist eben-

falls klar geregelt (§ 11 Abs. 2: Aufbe-

wahrung Toter): „Tote sind spätestens 36

Stunden nach dem Tode, jedoch nicht

vor Ausstellung der Todesbescheini-

gung in eine Leichenhalle zu überfüh-

ren. Auf Antrag von Hinterbliebenen

kann die örtliche Ordnungsbehörde die

Aufbewahrung Toter an einem anderen

geeigneten Ort genehmigen, wenn ein

ärztliches Zeugnis bescheinigt, dass

hiergegen keine Bedenken bestehen.“

Dr. med. Eberhard A. Lux, Lünen

Schmerzmedizin 2017; 33 (3)

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