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perliche Ursachen genauso wie psychi-

sche Faktoren bei der Entstehung von

Schmerzen – im Schmerzzentrum des

RKH Kassel arbeiten deshalb Ärzte fünf

unterschiedlicher Fachrichtungen, Psy-

chologen und Physiotherapeuten sehr

intensiv zusammen. Für die bessere Be-

treuung ihrer Patienten haben Böger

und seine Kollegen das Kasseler Aktiv

Programm (KAP) entwickelt, welches

sowohl tagesklinisch (KAP-T) als auch

stationär (KAP-S) angewandt werden

kann und für jeden Patienten eine indi-

viduelle Therapie vorsieht. KAP vereint

Module der Schul- und der Komplemen-

tärmedizin mit verschiedenen Techni-

ken der Physiotherapie, manuellen Me-

dizin, Osteopathie, Feldenkrais-Metho-

de und Qi-Gong. Neben Techniken zur

Schmerzlinderung lernen die Betroffe-

nen, Schmerzauslöser zu erkennen so-

wie Verhaltensweisen und Denkmuster

zu verändern, die zur Chronifizierung

des Schmerzes beitragen. „Unser Ziel ist

es, dem Patienten wieder Lebensqualität

und Vertrauen in die eigene Leistungs-

fähigkeit zu vermitteln“, verdeutlicht

Böger.

Sanfte Schmerztherapie

Im Schmerzzentrum des RKH Kassel

wird vor allem über sanfte Therapiever-

fahren versucht, den Schmerz zu beein-

flussen: Neben verträglichen Medika-

menten bilden manuelle Medizin und

Osteopathie einen Schwerpunkt des

Hauses, ein weiterer ist die Naturheil-

kunde. Wie engagiert die Schmerzklinik

des RKH in der manuellen Medizin ist,

verdeutlicht ihre Mitgliedschaft in der

Arbeitsgemeinschaft nichtoperativer

orthopädischer manualmedizinischer

Akutkliniken (ANOA). Als einzige Kli-

nik in Nordhessen gehört sie der ANOA

an.

Gespräche mit Psychologen geben den

Patienten durch neue Sichtweisen Kraft

und Mut. Entscheidend zum Erfolg trägt

die aktivierende Therapie an der

Schmerzklinik bei: Physiotherapeuten

trainieren mit den Patienten vor allem

solche Übungen, die später in den Alltag

eingebaut werden können. „Wir versu-

chen mit den Patienten ganz einfache

Übungen zu vereinbaren, für die man

weder ein Fitnessstudio noch eine Ma-

schine braucht“, sagt Böger. „Ein Fahr-

rad oder eine Yogamatte hat fast jeder zu

Hause, ein Theraband kostet zwei Euro

und kann überall befestigt werden, sogar

am Schreibtisch.“ Was außerdem wich-

tig ist: Betroffene sollten ihr Umfeld mit-

einbeziehen, damit Familie und Freunde

den Genesungsprozess unterstützen

können.

16 Tage Behandlung nötig

Viele Patienten kommen mit hohen Er-

wartungen – sie verlassen das Schmerz-

zentrum nach der mehrwöchigen Be-

handlung in der Regel mit wesentlich ge-

ringeren Schmerzen und einem spürba-

ren Plus an Lebensqualität. „Stationäre

Schmerztherapien werden in vielen Ein-

richtungen bundesweit nur über acht bis

neun Tage durchgeführt“, erklärt Böger.

„Wir denken, dass das zu wenig ist. Bis

die Übungen und das erworbene Wissen

richtig sitzen, vergehen gut 16 Tage.“

Damit aus akuten gar nicht erst chro-

nische Schmerzen entstehen, agiert das

RKH Kassel in der Akutschmerzthera-

pie vorbildlich. Gerade wurde die „Qua-

lifizierte Schmerztherapie“ des gesamten

Hauses erfolgreich zertifiziert.

Susann Eilers, Bianca Böhringer

Adressen und Kontaktdaten des Schmerzzentrums Kassel

Rotes Kreuz Krankenhaus Kassel

Hansteinstr. 29

34121 Kassel

Tel: 0561 3086-5790

Fax: 0561 3086-5794

E-Mail:

schmerzzentrum@rkh-kassel.de

Weitere Informationen unter

http://www.rkh-kassel.de/

Leitender Oberarzt Dr. Florian Bosse, Chefarzt Dr. Andreas Böger und

Diplom-Sozialpädagogin Cordula von Andrian-Riesch (von links nach rechts) arbeiten

eng zusammen.

Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

45

Deutsche Gesellschaft für

Schmerzmedizin e. V.

www.dgschmerzmedizin.de