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Methadon im Ensemble der verfügba-

ren Opioide.

Risiken beim Einsatz von

Methadon beachten

Methadon ist in den Vereinigten Staaten

eines der am meisten verordneten opio-

iden Schmerzmittel (zirka 5– 20%). Es

wird aber in Deutschland fast aus-

schließlich für die Substitutionsbehand-

lung im Rahmen der Drogenentzugsthe-

rapie eingesetzt. Methadon ist in der

Herstellung sehr preiswert, aber es be-

stehen spezifische Risiken vor allem be-

zogen auf das Reizleitungssystem des

Herzens und die vergleichsweise kom-

plizierte Pharmakodynamik. Nicht nur

deshalb wird D,L-Methadon unter

Schmerzmedizinern zunehmend pro-

blematisiert und zwar vorwiegend dort,

wo es am breitesten im Einsatz ist, näm-

lich in den USA: „Methadone is a syn-

thetic opioid used for the treatment of

opioid addiction and for treatment of

chronic pain. The safety of methadone

has been called into question by data in-

dicating a large increase in the number

of methadone-associated overdose

deaths. This increase appears largely re-

lated to the dramatic rise in the use of

methadone for chronic pain, though a

small proportion of deaths occur in pa-

tients treated for opioid addiction” [7].

Die US-amerikanische Schmerzge-

sellschaft hat wegen des „dramatischen“

Anstiegs der Methadon-Verordnungen

zur Therapie von Nichttumorschmerzen

eigens eine Leitlinie nur für dieses Opi-

oid erstellt. Darin steht zu lesen: „Der

Gebrauch von Methadon ist dramatisch

angestiegen, sicher teilweise wegen der

zu anderen lang wirksamen Opioiden

geringeren Kosten und obwohl es nur

begrenzte Evidenz für die Wirksamkeit

von Methadon bei chronischen Schmer-

zen gibt“ [7].

Das Hauptrisiko wird neben der ver-

gleichsweise schwierigen Titrationspha-

se bis zu einem „steady state“ in einer

möglichen

QTc-Zeit-Verlängerung

durch die Bindung an den HERG-Kanal

an Herzmuskelzellen bis hin zum plötz-

lichen Herztod (Torsades de Pointes) ge-

sehen. Vorsorglich wird vor der Aus-

wahl von Methadon als Schmerzmittel

obligat ein EKG gefordert, denn etwa

5% der Bevölkerung haben eine QTc-

Zeit von mehr als 450 ms (long QT-Syn-

drom). Deshalb ist bei einer QTc-Zeit

größer als 500 ms auf jeden Fall eine Al-

ternative zu Methadon indiziert. In der

Regel beginnt man eine Methadon-

Schmerztherapie mit einer einzigen Ta-

gesdosis von 10 – 40 mg, die man wö-

chentlich um zirka 10 mg steigert. Die

Halbwertszeit von Methadon ist etwa

vier- bis sechsmal so lang als bei ande-

ren Opioiden (z. B. Oxycodon, Hydro-

morphon, Fentanyl nicht retardiert)

und liegt ungefähr bei 24 Stunden, sie

kann aber auch nur 15 Stunden betra-

gen oder bis zu 60 Stunden. Wenn man

fünf Halbwertszeiten für einen „steady

state“ hinterlegt, kann die Ersteinstel-

lung damit bis zu zwölf Tage dauern.

Methadon wird in der Leber überwie-

gend über CYP3A4 abgebaut und bin-

det zu fast 90% an Plasmaproteine.

Dementsprechend kann es zu Wirkver-

stärkungen oder -minderungen bei

CYP3A4-aktiven

Co-Medikationen

kommen. Ansonsten ist – insbesondere

in der Einstellungsphase – mit den opi-

oidtypischen Nebenwirkungen wie

Übelkeit, Erbrechen, Vigilanzstörungen

und Verstopfung zu rechnen.

In Kenntnis dieser pharmakologi-

schen und pharmakodynamischen Be-

sonderheiten des Methadons dürfte es

deshalb unter Beachtung der Kautelen

eines EKG und einer langer Einstel-

lungsphase sowie einer Beachtung mög-

licher Interaktionen kein Problem dar-

stellen, bei Patienten mit der Indikation

einer opioiden Schmerztherapie auch ge-

legentlich auf D,L-Methadon zurückzu-

greifen. Dies gilt besonders dann, wenn

sich Patienten in einer verzweifelten Si-

tuation (bislang letztlich nicht bewiese-

ne, aber auch nicht verworfene) Hoff-

nungen auf einen onkologischen Zusatz-

nutzen machen.

SanRat Dr. med. Oliver Emrich,

Ludwigshafen

Literatur

1.

http://www.pharmazeutische

-zeitung.

de/?id=65110

2. Friesen C et al. Methadone, commonly used

as maintenance medication for outpatient

treatment of opioid dependence, kills leuke-

mia cells and overcomes chemoresistance.

Cancer Res 2008;68(15):6059–64

3.

https://www.tagesschau.de/inland/krebs-

therapie-methadon-101.html

4.

http://www.uniklinik-ulm.de/news/artic-

le/1119/stellungnahme-zur-tumortherapie-

mit-methadon-1.html

5.

http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/insti-

tute/rechtsmedizin/home/forschung/for-

schungsprojekte/methadon-in-der-krebs-

therapie.html

6.

http://dgschmerzmedizin.de/download/

schmerzmedizin/2016_01_Schmerzmedizin.

pdf

7. Roger Chou et al. J Pain 2014;15(4):321–37

Abb. 1

: Muster eines BTM-Rezepts für Methadon; 1 ml oder 20 Tropfen entsprechen 10 mg

Methadon.

DGS

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e. V.

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Schmerzmedizin 2017; 33 (4)