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DAGST-Veranstaltungen

©© RRF Fotolia

und Bewegungsapparates beteiligt. Eine

nicht korrekte Lagebeziehung vom be-

weglichen Unter- zum Oberkiefer führt

zwangsläufig über musculofasziale Kräf-

te zu einer veränderten Kopfhaltung und

daraus resultierend zu einer statisch not-

wendigen Gegenregulation des Organis-

mus im Bereich der Wirbelsäule und der

Extremitäten. Selbstverständlich können

umgekehrt auch orthopädische Fehlstel-

lungen und Dysfunktionen wie anatomi-

sche Beinlängenverkürzungen zu Fehl-

bisslagen führen und damit irritations-

fördernd auf den beschriebenen stoma-

tognathen Regelkreis einwirken.

Craniofaziale Veränderungen

Der negative Hauptinput auf das Regel-

system erfolgt über eine gestörte Okklu-

sion der Oberkiefer- und Unterkiefer-

zahnreihen zueinander (

Abb. 2

). Idea-

lerweise sollten sich die Zahnreihen in

auf der Kaufläche gleichmäßig verteilten

und gleich starken punktförmigen Kon-

takten berühren (sogenannte habituelle

Interkuspitationsposition, HIP). Es gibt

individuelle Unterschiede in der Kon-

taktpunktanordnung auf jedem einzel-

nen Zahn, auch wenn im Laufe von vie-

len Jahrzehnten verschiedene Autoren

versucht haben, standardisierte Okklu-

sionskontaktkonzepte als Dogma zu eta-

blieren (unter anderem Gysi, Stuart,

Lundeen, Thomas). Idealerweise sollte

durch die Lokalisation dieser Kontakt-

punkte eine möglichst axiale Kraftein-

leitung (im physiologisch korrekten

Kauakt etwa 80 Newton) auf jeden ein-

zelnen Zahn und damit auf dessen Paro­

dontium erfolgen und über Führungsflä-

chen eine interferenzfreie Artikulation

in allen Dimensionen ermöglicht wer-

den.

Störungen eines optimalen Okklusi-

ons- und Artikulationsmusters sind lei-

der sehr häufig anzutreffen und haben

vielfältige Ursachen, die oftmals auch

ganzheitlich-systemisch bedingt sind.

So kann es bereits intrauterin oder bei

der Geburt zu Deformationen der Schä-

delknochen und damit einhergehenden

craniofazialen Veränderungen kommen

(sogenannte KISS-Kinder). Lösen sich

diese Deformitäten nicht spontan oder

durch adäquate therapeutische Unter-

stützung (wie durch craniofaziale The-

rapie oder Osteopathie), werden die

Zahnleisten mit den später durchtreten-

den Zähnen nicht die optimale Relation

zueinander einnehmen können. Ebenso

können das Nichtstillen, der Missbrauch

von Saugern oder das exzessive Herum-

kauen auf verschiedenen Gegenständen

wie Spielzeug oder Tüchern beim Säug-

ling zur Veränderungen der knöchernen

Kieferspange führen. Rezidivierende In-

fekte mit Behinderung der Nasen­

atmung bei vor allem lymphadenisch

veranlagten Kleinkindern bergen die

Gefahr einer habituellen Mundatmung

mit daraus resultierender Fehlhaltung

der Zunge. Neben Sprach- und Schluck-

störungen kommt es zu Schmalkiefern

und nachfolgenden kieferorthopädi-

schen Problemen mit Zahn- und/oder

Kieferfehlstellungen bereits imMilchge-

biss. Mit verantwortlich sind dabei auch

Ernährungsfehler mit der Gefahr von

Dysbiosen und frühzeitiger Etablierung

von Nahrungsmittelintoleranzen. Kon-

servierungsstoffe und die unreflektierte

Gabe von Antibiotika verstärken diese

Problematik erheblich.

Adaptation des Regelkreises

Noch häufiger und gravierender sind die

gut gemeinten zahnärztlichen therapeu-

tischen Maßnahmen zur Behandlung

kariöser Läsionen oder auch von trau-

Kursvorschau

Datum

Kursort

Weiterbildungen

Von den Ärztekammern anerkannt!

80 h Spezielle Schmerztherapie

Kursweiterbildung; Blockkurse à 40 h

18.–21.5.2017

Berlin

Block 1 / 40 UE / CME-Punkte

29.6.–2.7.2017

Berlin

Block 2 / 40 UE / CME-Punkte

16.–19.11.2017

Mannheim

Block 1 / 40 UE / CME-Punkte

7.–10.12.2017

Mannheim

Block 2 / 40 UE / CME-Punkte

Basiskurs Palliativmedizin; 40 h

21.–25.6.2017

Mannheim

40 UE / CME-Punkte

Fortbildungen

1.–2.4.2017

Mannheim

Interkulturelle Kommunikation in der med. Praxis

Referentin: PD Dr. Claude-Helene Mayer

24.6.2017

Homburg (Saar)

6. Homburger Schmerz- und Palliativkongress

24.–25.6.2017

Tübingen

Das Zahn-, Mund- und Kiefersystem als systemisch

wirksame Schmerzursache

Programmänderungen vorbehalten

Alle Kurse können Sie auch bequem online buchen unter

www.dagst.de

.

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Vom 24. –25. Juni 2017 findet in Tü-

bingen folgende Fortbildung statt:

„Das Zahn-, Mund- und Kiefer­

system als systemisch wirksame

Schmerzursache“

Dentogene Mechanismen der

Schmerzentstehung – Diagnostik,

Prophylaxe und Therapie von

Schmerzen unter ganzheitlichen

Gesichtspunkten.

Kursreferent: Hardy Gaus, Zahnarzt

Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

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