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Praxisbericht

Die Kombination von Esketamin und

Midazolam zur palliativen Sedierung

Bernhard Franzen, Düren; Thomas Sitte, Fulda

Lassen sich quälende Symptome bei Palliativpatienten nicht lindern,

so kann eine palliative Sedierung indiziert sein. Durch den adjuvanten

Einsatz von Esketamin kann diese effektiver und sicherer gestaltet

werden.

P

alliative Sedierung ist der über-

wachte Einsatz von Medikamen-

ten mit der Absicht, das Bewusst-

sein zu reduzieren oder auszuschalten,

um so die Belastung durch sonst uner-

trägliches und durch keine anderen Mit-

tel beherrschbares Leiden zu lindern, in

einer für Patienten, Familie und Be-

handler ethisch akzeptablen Weise. Die

palliative Sedierung kann intermittie-

rend oder kontinuierlich erfolgen und

eine oberflächliche oder eher tiefe Sedie-

rung zum Ziel haben. Die Intention be-

steht eindeutig in der Symptomlinde-

rung, nicht in einer Beschleunigung des

Todeseintrittes [1].

Bestehen bei Palliativpatienten bei-

spielsweise unerträgliche Schmerzen

oder auch Atemnot, die therapierefrak-

tär sind, wird immer wieder von ihnen

oder Angehörigen der Wunsch nach ak-

tiver Sterbehilfe geäußert. Spätestens

dann sollte auch über eine palliative Se-

dierung nachgedacht werden.

Medikamentöse Optionen

Der Einsatz einer palliativen Sedierung

(PS) nach den Leitlinien der EAPC

(EAPC Recommended Framework for

the Use of Sedation in Palliative Care,

[2]) ist mittlerweile europaweit aner-

kannt und wird wohl täglich auf ver-

schiedene Weise umgesetzt. PS kann als

Therapieoption angeboten werden, wenn

die Symptome trotz aller Behandlungs-

versuche vom Patienten als unerträglich

empfunden werden und der Wunsch be-

steht, diese so nicht mehr wahrnehmen

zu müssen. Nach eigenen Erfahrungen

wird die Indikation am häufigsten in

präfinalen Phasen gestellt, in denen eine

delirante, schwer beherrschbare Situati-

on vorliegt. Die Kommunikation mit

dem Patienten ist dann stark einge-

schränkt, eine Genese der Unruhe oft

schwer zuzuordnen. Das Vorgehen er-

folgt in Rücksprache mit dem oder den

Vorsorgebevollmächtigten, die nach

dem mutmaßlichen Willen des Patien-

ten entscheiden müssen.

In erster Linie werden leitliniengerecht

Benzodiazepine und Neuroleptika, selte-

ner Opioide als Sedativa eingesetzt. Die

Applikation erfolgt oral, transmukosal,

transdermal, subkutan und/oder intra-

venös. In der täglichen Praxis handelt es

sich jedoch häufig um eine „Analgose-

dierung“, da meist zusätzlich zur Sedie-

rung die Gabe von Analgetika (Opio-

iden) erfolgt (

Abb. 1

). Entweder erhielt

der Patient bereits eine Opioidanalgesie

und diese wird beibehalten beziehungs-

weise erhöht oder aber das Opioid wird

im Rahmen der PS erstmals eingesetzt.

Esketamin und Midazolam können direkt mit der Infusionslösung verabreicht

werden.

©© contrastwerkstatt / Fotolia

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Schmerzmedizin 2017; 33 (4)

DAGST

Deutsche Akademie für ganzheitliche Schmerztherapie