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fen in verschiedenen Variationen zur

Unterbrechung der Okklusionskontakte

und zur Dämpfung der Kraftspitzen im

Vordergrund. Konfektionierte und mit

Wasser gefüllte Aufbisskissen (Aquali-

zer) bieten eine Soforthilfe und lassen

sehr schnell erkennen, ob aufgetretene

Beschwerden, vor allem auch Schmerzen

durch eine mögliche stomatognathe

Dysfunktion ausgelöst werden. Im zahn-

technischen Labor hergestellte Entlas-

tungschienen sollen dazu dienen, mög-

lich falsche dentale Interkuspitationen

zu entschlüsseln. Auf diese Weise wird

demUnterkiefer ermöglicht, eine für ihn

muskulär optimierte Lagebeziehung zur

Maxilla einzunehmen. Aufgrund der

Reversibilität dieser Maßnahmen, kann

gleichzeitig eine möglicherweise erfor-

derliche und später durchzuführende

okklusale Umprogrammierung der

Kauflächenbeziehung

probatorisch

überprüft werden. Flankiert werden

diese Maßnahmen durch manualthera-

peutische und physikalische Therapien

(

Tab. 2

) einschließlich der Anleitung zu

kiefergelenksstabilisierenden

Bewe-

gungsübungen oder auch durch elektro-

physikalische Therapien (TENS, Mag-

netfeld, Matrix-Rhythmus-Therapie).

Besteht der Verdacht auf tagsüber durch-

geführte Parafunktionen, kann eine

Selbstbeobachtung unter Verwendung

von farblichen Erinnerungsmarkierun-

gen im täglichen Lebensumfeld weiter-

helfen. Schmerzmittel mit antirheuma-

tischen (NSAR, Coxibe, AHP 200) und

zum Teil muskelrelaxierenden Eigen-

schaften (wie Flupirtin, Tolperison) sind

bei extremen und weiterhin persistieren-

den Schmerzen in Erwägung zu ziehen.

Auch Botulinuminjektionen können bei

extrem starken Muskelverspannungen

erforderlich werden. Um die psycho­

emotionale Causa zu beeinflussen eig-

nen sich verschiedene Entspannungs-

verfahren wie autogenes Training, pro-

gressive Muskelrelaxation, Hypnose

oder Biofeedback. Der Einsatz von ho-

möopathischen Mitteln, eventuell sogar

Konstitutionsmitteln und Phytothera-

peutika (auch Blütenessenzen) hat sich

ebenfalls besten bewährt.

Bei Funktionsstörungen im stomato-

gnathen System erzielt man die nachhal-

tigsten Therapieerfolge, wenn Funkti-

onsstörungen interdisziplinär und

multiprofessionell unter Berücksichti-

gung ganzheitlich-systemischer Zusam-

menhänge behandelt werden. Die Deut-

sche Akademie für Ganzheitliche

Schmerztherapie (DAGST) bietet ent-

sprechende Fortbildungsseminare an, in

welchen Kenntnisse dieser Zusammen-

hänge ausführlich vermittelt werden.

Hardy Gaus

Zahnarzt und Heilpraktiker

Kirchstraße 15

72479 Straßberg

Abb. 4

: Stufentherapie bei craniomandibulärer Dysfunktion

Aufbissbehilfe/Schienen/Selbstbeobachtung

Lokaltherapie

therapeutische Lokalanästhesie/

transkutane elektrische Nervenstimulation/Akupunktur

Myotonolytika

(Flupirtin/Tolperison/

Methocabamol/ Baclofen)

Botulinum

Entspannung

(autogenes Training/

Hypnose/Biofeedback/

progressive Muskelrelaxation/

emotional freedom procedure)

Manualtherapie/

Bewegungsübungen/Osteopathie/

Matrix-Rhythmus-Therapie

©© DAGST e.V.

Tab. 2: Maßnahmen bei

craniomandibulärer Dysfunktion

Mobilisation limitierter Kiefergelenke

Massage

Muskel-/Fasziendehnung

Muskuläre Koordinationsschulung

Selbstübungsprogramme

Muskuläre Stabilisierung der Kiefergelenks­

einheit

Wärme- und Kältetherapie

Tab. 1: Hinweise auf Störungen des myopsychoarthrogenen Systems

Dentale Symptome

Abrasionen

Schlifffacetten

Keilförmige Defekte

Risse und Aussprengungen

Zahnfrakturen

Parodontale Symptome

Rezessionen

Gingivitiden

Hyperplasien

Zahnlockerung

Kiefergelenkssymptome

Knacken

Reiben

Deviationen

Bewegungseinschränkungen

Muskuläre Symptome

Hartspann/Myogelosen

Triggerpunkte

Bewegungseinschränkungen

Neurologische Symptome

Schmerzen

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Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

DAGST

Deutsche Akademie für ganzheitliche Schmerztherapie