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Cannabis-Gesetz

Das bringt die Neuerung

für die SAPV

Das neue Gesetz zur Verordnung von Cannabis ist in aller Munde. Die

Verschreibung und auch die Kostenübernahme sollen dadurch erleich-

tert werden. Doch werden sich diese Hoffnungen auch in der SAPV be-

merkbar machen?

I

m Rahmen der palliativmedizini-

schen Versorgung hat die therapeuti-

sche Anwendung von Cannabis be-

reits eine bedeutende Historie – mit der

Markteinführung von Dronabinol zur

adjuvanten Behandlung von Krebspati-

enten haben viele Palliativmediziner

über Jahre Erfahrungen gesammelt, wo-

bei einer ersten Euphorie schnell und

nachhaltig eine weitgehende Ernüchte-

rung folgte. Dies sicher auch deshalb,

weil die Erwartungen an die analgeti-

schen, antiemetischen und allgemein-

roborierenden Effekte unrealistisch

hoch angesetzt waren.

Die Geschichte des medizinischen

Einsatzes von Cannabis ist sicher eine

wechselhafte – bis 1941 war Cannabis

mit breiter Anwendungsempfehlung bei

Krämpfen, Hysterie, Schlaflosigkeit,

Schmerzen oder Unruhe in der ameri-

kanischen Pharmakopöe aufgeführt. In

einem allgemeinen Trend zur Reglemen-

tierung des (medizinischen) Gebrauches

von potenziell suchterzeugenden Stoffen

wurde Cannabis 1929 in Deutschland,

ab 1941 auch in den USA verboten. 1964

wurde am Weitzmann-Institut Tetrahy-

drocannabinol (THC) als wohl wichtigs-

tes Cannabinoid der Cannabis-Pflanze

extrahiert. Es folgen 1990 und 1993 die

Entdeckung der Cannabinoidrezeptoren

(CB-I und CB-II) im menschlichen Kör-

per und der Nachweis der Endocannabi-

noide, wobei deren Bedeutung für die

Homöostase nicht endgültig aufgeklärt

ist. Allerdings sind Einflüsse auf Bewe-

gungskoordination, Lernprozesse, Emo-

tionalität, Übelkeit und Erbrechen, Re-

gulation von Wachheit und Körpertem-

peratur bekannt.

In der Cannabis-Pflanze sind eine

Vielzahl von Cannabinoiden nachweis-

bar, wobei die Hauptcannabinoide THC

und Cannabidiol (CBD) heute neben den

Cannabisrohprodukten Anwendung fin-

den. Die Wirkung der beiden Hauptcan-

nabinoide sind durchaus unterschied-

lich: TCH kann analgetisch, antieme-

tisch, appetitsteigernd, muskelentspan-

nend und „psychoaktiv“ wirken, CBD

hat antikonvulsive und anxiolytische Ei-

genschaften. Die Befürworter der thera-

peutischen Nutzung der Hanfblüten ar-

gumentieren damit, dass die Kombinati-

on beider Hauptcannabinoide ihre Wir-

kung und Verträglichkeit verbessert.

Alles neu macht das Gesetz

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur

„Änderung betäubungsmittelrechtlicher

und anderer Vorschriften“ zum 1. März

2017 wurde die Anwendung von Canna-

bis für Ärzte jeder Fachrichtung auf eine

neue Basis gestellt. Die Verordnung zu-

lasten der gesetzlichen Krankenversi-

cherung hat allerdings keine definierte

Indikation zur Grundlage. Dieses uns

ansonsten gut vertraute Regulativ fehlt

im Rahmen der aktuellen Gesetzgebung

– sie existiert weiterhin lediglich für

das Kombinationspräparat Nabiximols

aus THC und CBD zur Be-

handlung mittelschwerer und schwerer

Spastik bei Erwachsenen mit Multipler

Sklerose (MS). Somit können heute Can-

nabis-Blüten und -Extrakte bei jeder In-

dikation verordnet werden, wenn „eine

Unsere Ziele sind:

Qualitätsindikatoren in der ambulan-

ten Palliativmedizin zu definieren

und weiterzuentwickeln,

Betroffene und Angehörige über die

Möglichkeiten einer fachgerechten

palliativmedizinischen Versorgung

zu informieren,

die Diskussion über ethische und

rechtliche Fragestellungen am

Lebensende anzustoßen und zu

vertiefen,

ein langfristiger Kulturwandel im

Umgang mit Tod und Sterben.

Berufsverband der Palliativmediziner

in Westfalen-Lippe e.V.

Geschäftsstelle:

Sabine Schäfer

Dieckmannstraße 200

48161 Münster

Tel. 02 51 / 5308-9960

E-Mail:

info@bv-palliativmediziner.de

Öffentlichkeitsarbeit:

Dr. med. Eberhard A. Lux

Klinik für Schmerz- und

Palliativmedizin am

Klinikum St.-Marien-Hospital Lünen

Telefon: 02306 77-2920

Fax: 02306 77-2921

E-Mail:

drlux@web.de www.bv-palliativmediziner.de

Berufsverband der

Palliativmediziner

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Schmerzmedizin 2017; 33 (4)

in Westfalen-Lippe e.V.