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mand zur Apotheke fahren kann. Dieses

wohlmeinende Vorgehen kann aller-

dings im Gegensatz zu geltendem Recht

stehen, wonach die Menge der Opioide

den Dreitagesbedarf nicht überschreiten

darf (

Tab. 1

). Es sei daran erinnert, dass

die Weitergabe von Opioiden im Straf-

prozess mit der Weitergabe von illegalen

Drogen auf gleicher Stufe steht und

schlimmstenfalls den Verlust der Appro-

bation nach sich ziehen kann. Wer

möchte schon eine ruhende Approbati-

on oder ein laufendes Ermittlungsver-

fahren mit entsprechendem Nieder-

schlag in der Presse riskieren?

Begründungen, gegen die Regelung

des Betäubungsmittelgesetzes zu versto-

ßen, sind vielfältig denkbar: Sollte ich

eine Opiatmedikation des ambulanten

Patienten A, welcher diese nicht (mehr)

benötigt, unter dem Gesichtspunkt der

Kostenersparnis dem möglicherweise

sehr dankbaren Patienten B nicht doch

weitergeben, zumal wir regelmäßig von

Seiten der Kassenärztlichen Vereini-

gung an wirtschaftliche Verordnungs-

weise und Kostenersparnis erinnert wer-

den? Nein, wir sollten nicht zum Dealer

werden! Das geltende Recht (

Tab. 2

,

Tab. 3

) ist auch von uns Ärzten uneinge-

schränkt zu respektieren. Die Weiterga-

be von stark wirksamen Opioiden ist

allerdings mittels BTM-Rezept im Al-

tenheim oder im stationären Hospiz ge-

stattet. Das Rezept wird auf den Emp-

fänger der Medikation ausgestellt und

enthält gleichsam die Herkunft des Me-

dikamentes (Patientenname, Geburts-

datum), etwa eines verstorbenen Patien-

ten. Davon wird das Blatt 1 dann in die

Akte des Empfängers, das Blatt 3 des

BTM-Rezeptes in die Akte des „Spen-

ders“ gelegt und der mittlere Durch-

schlag in der Praxis für zwei Jahre ver-

wahrt.

Im Palliativmedizinischen Konsiliar-

dienst Lünen-Werne (allerdings nicht

nur hier) hat sich die Einführung einer

sogenannten Notfallbox bewährt. Jedem

Patienten, der in unsere ambulante Pal-

liativstruktur integriert wird, wird diese

Notfallbox (vgl. Kasten,

Tab. 4

) rezep-

tiert, zentral organisiert durch unsere

Koordinatoren. Die Lieferung erfolgt

über die mit unserem Palliativnetz ko-

operierende Apotheke, wobei wir die

freie Apothekenwahl des Patienten da-

mit nicht untergraben wollen. Es kommt

selten vor, dass der Patient ausdrücklich

die Belieferung durch „seine“ Apotheke

wünscht. In diesem Fall werden die glei-

chen Medikamente rezeptiert – nur mit

der Box wird es nichts! Der Inhalt der

Notfallbox hat sich aus unseren jahre-

langen Erfahrungen ergeben und wurde

in den ersten Jahren mehrfach angepasst.

Es ist unbedingt notwendig, dem Patien-

ten im Erstgespräch die Sinnhaftigkeit

und Notwendigkeit der Notfallbox zu er-

klären. Geschieht dies in angemessener

Art, lehnen Patienten unsere Notfallbox

nur sehr selten ab. Die Idee einer Not-

fallbox soll Sie alle dazu anregen, über

die Problematik der nicht statthaften

Weitergabe von Medikamenten und

auch der kurzfristigen Verfügbarkeit mit

all ihren Konsequenzen nachzudenken

und geeignete Maßnahmen für Ihren

PKD abzuleiten.

Dr. med. Eberhard Lux, Lünen

Tab. 4: Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung – BtmVV § 5c Abs. 1

(1) Hospize und Einrichtungen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung dürfen in ihren

Räumlichkeiten einen Vorrat an Betäubungsmitteln für den unvorhersehbaren, dringenden und

kurzfristigen Bedarf ihrer Patienten (Notfallvorrat) bereithalten. Berechtigte, die von der Möglichkeit

nach Satz 1 Gebrauch machen, sind verpflichtet,

1. einen oder mehrere Ärzte damit zu beauftragen, die Betäubungsmittel, die für den Notfallvorrat

benötigt werden, nach § 2 Absatz 4 Satz 2 zu verschreiben,

2. die lückenlose Nachweisführung über die Aufnahme in den Notfallvorrat und die Entnahme aus dem

Notfallvorrat durch interne Regelungen mit den Ärzten und Pflegekräften, die an der Versorgung

von Patienten mit Betäubungsmitteln beteiligt sind, sicherzustellen und

3. mit einer Apotheke die Belieferung für den Notfallvorrat sowie eine mindestens halbjährliche Über­

prüfung der Notfallvorräte insbesondere auf deren einwandfreie Beschaffenheit sowie ordnungs­

gemäße und sichere Aufbewahrung schriftlich zu vereinbaren; der unterzeichnende Apotheker zeigt

die Vereinbarung der zuständigen Landesbehörde vor der ersten Belieferung schriftlich an;

§ 6 Absatz 3 Satz 2 bis 4 gilt entsprechend

Tab. 3: Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung – BtMVV § 5b Abs. 4

4) Betäubungsmittel, die nach Absatz 3 gelagert wurden und nicht mehr benötigt werden, können von

dem Arzt

1. einem anderen Patienten dieses Alten- oder Pflegeheimes, dieses Hospizes oder dieser Einrichtung

der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung verschrieben werden,

2. an eine versorgende Apotheke zur Weiterverwendung in einem Alten- oder Pflegeheim, einem

Hospiz oder einer Einrichtung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung zurückgegeben

werden oder

3. in den Notfallvorrat nach § 5c Absatz 1 Satz 1 überführt werden

Inhalt der Notfallbox

5 Amp MSI 10mg

5 Amp

25 mg

5 Amp

20 mg

50 Tbl.

1,0 mg

3 supp

10 supp

500 mg

Je 3 sterile Spritzen 2 ml, sc-Kanülen und Aufzugskanülen

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Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

in Westfalen-Lippe e.V.

Berufsverband der

Palliativmediziner