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Pharmawi ssen aktuel l

Abb. 1:

 Unter Methocarbamol nehmen Schmerzintensität und schmerzbedingte Beeinträchtigungen im Alltag deutlich ab 

(modifiziert nach [1])

Rückenschmerz

Großer therapeutischer Gewinn  

durch Myotonolytikum

Sind wichtige mechanische und viszerale Ursachen als Ursache von

Rückenschmerzen ausgeschlossen, gibt es pathophysiologisch gute

Gründe für einen Therapieversuch mit Myotonolytika. Für Metho-

carbamol gibt es neue Evidenz aus einer aktuellen Auswertung des

DGS-PraxisRegisters Schmerz.

▬▬

Rückenschmerzen sind ein häu-

figer Behandlungsgrund. Sie korrelie-

ren eher wenig mit der mechanischen 

Belastung, betreffen in etwa zwei Drit-

tel die Lendenwirbelsäule und sind in 

neun von zehn Fällen unspezifisch, 

berichtete Prof. Dr. Andreas Straube, 

München. Zunächst gelte es, mecha-

nisch-spezifische Ursachen, wie eine 

Kompressionsfraktur oder einen Band-

scheibenprolaps (etwa 8%), nicht me-

chanische wie Neoplasien, Abszesse 

und Blutungen (etwa 1%) sowie vis-

zerale Ursachen wie Aortenaneurys-

mata, Nierenprobleme und paraverte-

brale Entzündungen (etwa 2%) auszu-

schließen. Ist dies erfolgt, gäbe es 

pathophysiologisch gute Gründe für 

einenTherapieversuchmit Myotonoly-

tika, z. B. Methocarbamol (

®), 

das explizit zur Behandlung von 

schmerzhaften Verspannungen zuge-

lassen ist.

ImVersorgungsalltag habenMuskel-

relaxantien wie Methocarbamol einen 

festen Platz, wie die von PD Dr. Michael 

Überall, Nürnberg, vorgestellten neu-

en Daten aus dem DGS-PraxisRegister 

Schmerz zeigen. Überall betonte, dass 

eine möglichst rasche Mobilisierung 

bzw. die Vermeidung jeglicher länger 

andauernder Immobilisierung heute 

Ziel der Therapie sein müsse, da die 

Immobilisierung der Treiber für die 

Chronifizierung von Schmerzen sei. 

„Vor diesem Hintergrund kommt den 

Muskelrelaxantien eine neue Rolle zu“, 

sagte Überall.

Die aktuelle Auswertung des DGS-

PraxisRegisters Schmerz zum 4. Quar-

tal 2015 umfasst 4.961 von Schmerz-

therapeuten behandelte Patientenmit 

ausschließlich Kreuz-/Rückenschmerz. 

Von diesen Patienten wurden 943 mit 

Methocarbamol behandelt, davon 339 

Patienten als Neueinstellungen. Für 251 

der Patienten lag eine standardisierte 

Dokumentation vor, für 234 Patienten 

eine Dokumentation über vier Wochen. 

Etwa drei Viertel der Patienten wiesen 

gemäß Schmerzgraduierung nach von 

Korff Schmerzen vomGrad I und II auf, 

bei etwa der Hälfte der Patienten mit 

beginnender Chronifizierung. Die 

Schmerzen bestanden bei 43%bereits 

seit mehr als drei Monaten. Die Patien-

ten hatten im Median schon vier Ärz-

te aufgesucht und drei Vortherapien 

erhalten, darunter Nichtsteroidale Anti-

rheumatika (NSAR), Analgetika der 

WHO-Stufen 1 und 2, Antiepileptika 

und Antidepressiva. „Die Patientenwa-

ren nie wirklich schmerzfrei“, skizzier-

te Überall die Ausgangssituation.

Schmerzen und schmerzbedingte

Beeinträchtigungen reduziert

Die Post-hoc-Analyse ergab innerhalb 

der vier Behandlungswochen eine 

deutliche Verbesserung (

Abb. 1

) [1]. Re-

lative Besserung des Schmerzes gemes-

sen als ≤30mm auf der visuellen Ana-

log-Skala (VAS) erreichten 87,3% der 

Patienten [2]. „Neun von zehn Patien-

ten profitierten von der Therapie mit 

Methocarbamol. Der therapeutische 

Gewinn betrug 87,2%“, so Überall. Der 

Behandlungseffekt war in der ersten 

Woche am stärksten, im weiteren Ver-

lauf kam es aber zu weiterer Verbesse-

rung. Ihr zuvor definiertes individuel-

les Behandlungsziel (VAS<25mm) hat-

ten nach einerWoche 31,5%der Patien-

ten erreicht, nach zwei Wochen 44,3%, 

nach drei Wochen 58,4%und nach vier 

gering

mittel

groß

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Baseline

Die Daten von 234 mit Methocarbamol behandelten Patienten sind über vier Wochen standardisiert dokumentiert.

Woche 1 Woche 2 Woche 3 Woche 4

24-Stunden-Schmerzintensität des

chronischen Rückenschmerzes (mm VAS)

10

9

8

7

6

5

4

3

2

1

0

Baseline Woche 1 Woche 2 Woche 3 Woche 4

schmerzbedingte Beeinträchtigung im Alltag

(mPDI-Subskalen)