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Medizin Repor t aktuell

Impressum

 Literaturarbeit„Therapie starker Schmerzen mit retardiertem Oxycodon/Naloxon: Individuelle Dosierung in Abhängigkeit von der Schmerzintensität“ • 

Medizin Report aktuell Nr. 436462 in: Schmerzmedizin 4/2017 • Autor: Stephanie Mühlbauer, Obernburg • Redaktion: Teresa Windelen • Leitung Corporate Publishing: 

Ulrike Hafner (verantwortlich) • Springer Medizin Verlag GmbH, Heidelberger Platz 3, 14197 Berlin • Geschäftsführer: Joachim Krieger, Fabian Kaufmann • Die Springer 

Medizin Verlag GmbH ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Nature • © Springer Medizin Verlag GmbH

Mit freundlicher Unterstützung der Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Limburg

Die Herausgeber der Zeitschrift übernehmen keine Verantwortung für diese Rubrik.

Chronisch starke Schmerzen erfordern eine intensive, auf den Patienten abgestimm-

te Schmerztherapie. Retardiertes Oxycodon/Naloxon (OXN) lindert individuell titriert

in verschiedenenWirkstärken bis zu 160/80mg stärkste Schmerzen effektiv ohne

Organtoxizität. Seit April 2017 liegt Oxycodon/Naloxon in höherenWirkstärken von

60mg/30mg und 80mg/40mg vor.

Therapie starker Schmerzen mit retardiertem Oxycodon/Naloxon

Individuelle Dosierung in Abhängigkeit 

von der Schmerzintensität

Nicht nur Tumor-, sondern auch akute 

undchronische Schmerzenbenigner Ursache 

erfordern oft hohe Dosen von weit mehr als 

100mg Morphinäquivalent. Eine Analyse er-

gab, dass von 1.703 Patienten mit Nicht-Tu-

mor-Schmerzen 15,5% mit Opioiden in hö-

herenWirkstärken behandelt wurden [1]. In-

dikationen dafür waren chronische Schmer-

zen, somatoformeStörungen, Rückenschmer-

zen, Spondylosen, akuteBandscheibenvorfäl-

le und Arthrosen (Hüfte/Knie). Häufig litten 

diese Patienten auch an internistischen Be-

gleiterkrankungen – wie Diabetes, Adiposi-

tas,HyperlipidämieundkoronarerHerzerkran-

kung– sowieanpsychischenStörungen–wie 

Schlafstörungen und Depression. Noch häu-

figer sind bei Tumorschmerzen höhereWirk-

stärkenerforderlich[2]:75%derTumorpatien-

tenkönnenmitTagesdosenvonbis zu250mg 

Morphinäquivalent ausreichend analgetisch 

behandelt werden; bei jedem vierten Krebs-

kranken sind jedoch weit höhere Dosierun-

genvonbis zumehrerenGrammerforderlich. 

Verträglich und effizient überWochen

Retardiertes OXN (

®) lindert stärkste 

Schmerzenauchbei Schmerzkrankenmit ge-

störter Darmfunktion, dader periphereOpio-

idantagonist Naloxon gastrointestinale 

Nebenwirkungenverhindert. Dies zeigte eine 

aktuelle multizentrische Phase-III-Studie bei 

243 Patientenmit opioidpflichtigen Schmer-

zen, die vor Studienbeginn an Obstipation 

gelittenhatten [3]. Doppelblind randomisiert 

erhielten123Patienten retardiertesOXNund 

120 retardiertesOxycodon (OXY) inDosierun-

gen von160mgOXNbzw. bis zu160mgOXY 

für fünf Wochen. Die Fixkombination war 

ebenso analgetischwirksamwieOXY alleine, 

die Schmerzen sanken auf ein erträgliches 

Niveau (Werte von 3,6 auf der visuellen Ana-

log-Skala [VAS]). Für eine zufriedenstellende 

Analgesiewarenbei jedemDrittenDosierun-

gen von mehr als 140mg OXY täglich nötig.

195 Patienten führten die Therapie nach 

einer Umstellung auf das retardierte OXN 

über weitere 24Wochen in einer Dosierung 

von bis zu 180/90mg OXN fort. Jeder Drit-

te benötigte mindestens 160mg retardier-

tes OXN (23,6 % 160/80 mg, 12,3 % 

180/90mg). Die Darmfunktion blieb imMit-

tel aufWerten unter 30, gemessenmit dem 

BFI (Bowel Function Index), im Normalbe-

reich. Bei den vorher mit retardiertem OXY 

behandelten Patienten sank der BFI inner-

halb einer Woche von 45,3 auf 30. Die 

Nebenwirkungen unterschieden sich in die-

ser Studie nicht von den aus anderen Stu-

dien bekannten Nebenwirkungen bei nied-

rigeren Dosierungen (Übelkeit, Hyperhid-

rosis, Diarrhöe, Schwindel). Ähnliche Daten 

erhielt man aus der Subanalyse von 50 Tu-

morerkrankten [4]: In der Extensionsphase 

benötigten 17,1%160mg undweitere 20% 

die 180mg OXN Höchstdosis für eine suffi-

ziente Analgesie [4]. 

Abhängigkeitsrisiko

:▬Das▬Risiko▬einer▬Abhängigkeit▬kann▬

bei▬Opioiden▬nicht▬vollständig▬ausgeschlossen▬werden,▬so▬

dass▬es▬bei▬jedem▬Patienten▬individuell▬zu▬berücksichtigen▬

ist▬und▬eine▬vorsichtige▬Abwägung▬von▬Nutzen▬und▬Risi-

ken▬(ggf.▬Prüfung)▬erfolgen▬muss.▬Ein▬Abhängigkeitsrisiko▬

besteht▬u.a.▬wenn▬Opioide▬falsch▬angewendet▬oder▬miss-

braucht▬werden.▬Ein▬zentraler▬Aspekt▬für▬das▬Suchtpoten-

zial▬einer▬Substanz▬ist▬die▬anregende▬Wirkung▬unmittel-

bar▬nach▬Einnahme

.

Therapieerfolg durch Aut-idem-Ausschluss

FF

Retardierte Opioide gehören zu den Arznei-

mitteln,beideneneingenerischerSubstanz-

wechsel Risiken birgt [6]. 

FF

UmSchmerzkrankevoreinemunsachgemä-

ßenAustauschzubewahren,solltenÄrzte ihr 

RechtaufSubstitutionsausschlussnutzen[7].

FF

DasAut-idemwirdaufgehoben,wennderArzt 

ein Aut-idem-Kreuz auf das Rezept druckt. 

FF

Ein nachträglich handschriftlich ergänztes 

Aut-idem-KreuzerforderteineerneuteUnter-

schrift des Arztes mit Datum. 

FF

DieGründefürdenAut-idem-Ausschlusssind 

in der Patientenakte zu dokumentieren (zur 

Argumentation im Falle einerWirtschaftlich-

keitsprüfung)

.

Literatur

1.▬ Marshall▬U▬et▬al.,▬Eur▬J▬Pain▬2016,▬20:767–776

2.▬ AVP▬Therapieempfehlungen▬der▬Arzneimittelkom-

mission▬der▬deutschen▬Ärzteschaft▬Tumorschmer-

zen▬~▬3.▬Auflage▬2007

3.▬ Janecki▬M▬et▬al.,▬Poster▬305▬presented▬at▬the▬World▬

Congress▬on▬Pain,▬Yokohoma,▬Japan,▬2016▬▬▬

4.▬ Hopp▬M▬et▬al.,▬Poster▬136,▬presented▬at▬the▬World▬

Congress▬on▬Pain,▬Yokohoma,▬Japan,▬2016▬▬

5.▬ Aktuelle▬Fachinformation▬Targin

6.▬ Deutsche▬pharmazeutische▬Gesellschaft▬e.V.:▬Gute▬

Substitutionspraxis.▬24.02.2014▬/Aktualisierung▬der▬

GSP-Leitlinie▬vom▬07.03.2002▬

7.▬ Deutsches▬Arzt▬Portal:▬Aut▬idem▬in▬der▬Praxis.▬http://

www.deutschesarztportal.de/praxishilfe/autidem/

aut-idem-in-der-praxis/▬aufgerufen▬am▬29.05.2017

Wann und wie hochtitrieren?

FF

Wird unter retardiertemOXN die schnell frei-

setzende Rescuemedikation (ungefähr 1/6 

derTagesdosisvonOXY)häufigeralszweimal 

pro Tag regelmäßig benötigt, ist meist die 

Dosis zu erhöhen [5]. 

FF

Sinnvoll sind Schritte von zweimal täglich 

2,5mg/1,25mg ,5mg/2,5mgoderwennnö-

tig10mg/5mgOXNalleeinbiszweiTage[5].

FF

Ziel ist eine adäquate Analgesie mit einer 

stabilenDosisbeizweimaltäglicherGabemit 

sowenigBedarfsmedikationwiemöglich[5].