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Abb. 2:

 Änderung der Beweglichkeit unter Methocarbamol (modifiziert nach [5])

Impressum

Pharmawissen aktuell  

430701 in:

Ärzte Zeitung 

Der Schmerz 1/2017

Schmerzmedizin 1/2017

Symposium  „Muskuläre 

und fasziale Schmerzen: 

ZwischenTheorie und 

Therapie“ anlässlich des 

Deutschen Schmerz- 

kongresses, Mannheim, 

21.10.2016

Berichterstattung: 

Dr.Wiebke Kathmann, 

Karlsruhe

Redaktion:   

Ann Köbler

Leitung Corporate 

Publishing: Ulrike Hafner  

(verantwortlich) 

Springer MedizinVerlag 

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Heidelberger Platz 3  

14197 Berlin

Geschäftsführer:  

Joachim Krieger,  

Fabian Kaufmann 

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Ulm

Die Herausgeber der 

Zeitschrift übernehmen 

keineVerantwortung für 

diese Rubrik.

Literatur:

1.

Überall M et al., DGS-PraxisRegister Schmerz, 4. Quar-

tal 2015 (data on file)

2.

Überall M et al., Manuskript inVorbereitung

3.

S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurolo-

gie (DGN)„Lumbale Radikulopathie“, AWMF-Register-

nummer 030/058, gültig bis 10/2016

4.

NationaleVersorgungsLeitlinieKreuzschmerz,AWMF-

Registernummer nvl/007

5.

Emrich O et al., MMW Fortschritte der Medizin 2015,

157, Suppl 5:9–16

Wochen 70,1% der Patienten – eine 

deutliche Verbesserung gegenüber 

dem Ausgangswert von 3,2%.

Auch die körperliche Funktionalität 

und die schmerzbedingten Beeinträch-

tigungen imAlltag, gemessenmit Sub-

skalen des modifizierten Schmerzbe-

einträchtigungsindex (mPDI) besser-

ten sich.

Überalls Fazit zum Einsatz von Me-

thocarbamol bei chronischen Rücken-

schmerzen: „Die Daten sprechen für 

eine signifikante und klinisch relevan-

te Schmerzreduktion und das Erreichen 

der patientendefinierten Ziele – ein 

insgesamt gutes Ergebnis.“

Evidenz zu Methocarbamol bei

akutem Rückenschmerz

Methocarbamol ist als oral verabreich-

tes Muskelrelaxans eine wirksame und 

gut verträgliche Therapieoption für 

Patienten mit akuten unspezifischen 

Rückenschmerzen.

In der Therapie von Patienten mit 

unspezifischen Rückenschmerzen se-

hen die S2k-Leitlinie der Deutschen 

Gesellschaft für Neurologie (DGN) [3] 

und die Nationale VersorgungsLeit- 

linie Kreuzschmerz [4] einen Platz für 

Myotonolytika. Letztere empfiehlt sie 

zur Behandlung des akuten oder chro-

nischen unspezifischen Rückenschmer-

zes, wenn nicht medikamentöse Maß-

nahmen und Nicht-Opioid-Analgetika 

zu keiner Besserung geführt haben, so 

Straube.

Bei akuten unspezifischen Rücken-

schmerzen hat Methocarbamol seine 

Wirksamkeit u. a. in einer randomisier-

ten, doppelblinden, placebokontrol-

lierten Studie mit 202 von deutschen 

Orthopäden betreuten Patienten ge-

zeigt. Einschlusskriterien waren seit 

mindestens 24 Stunden bestehende 

starke akute Rückenschmerzen auf-

grund von muskulären Verhärtungen 

und Krämpfen imBecken- und Lenden-

bereich sowie eine eingeschränkte Be-

weglichkeit (Finger-Boden-Abstand 

>30 cm; Lumbalflexion >4 cm). Die 

Schmerzen durften nicht entzündli-

cher, karzinogener, nervaler/neurolo-

gischer Genese sein und auch nicht de-

generativ, chronisch oder traumatisch 

bedingt sein. Die Patienten erhielten 

für maximal acht Tage täglichmaximal 

3×2 Tabletten Methocarbamol oder 

Placebo. Bei Schmerzfreiheit konnten 

sie die Therapie früher beenden.

Unter Methocarbamol beendeten 

deutlich mehr Patienten die Therapie 

wegen Schmerzfreiheit vorzeitig als 

unter Placebo (43,9 % vs. 18,4 %; 

p<0,0001). Der Anteil der Patienten, 

die schmerzfrei wurden, stieg schnell 

an und erreichte nach acht Tagen 

>80% [4]. Die Beweglichkeit wurde als 

besser eingestuft und war auch objek-

tiv besser (modifiziertes Schober-Maß 

19,4 vs. 18,4; Finger-Boden-Abstand 

18,3 cm vs. 27,7 cm;

Abb. 2

) [5]. Beim 

Abschlusstermin beurteilten 67% der 

mit Methocarbamol behandelten Pa-

tienten versus 35% der mit Placebo 

behandelten die Therapie als wirksam. 

Von den Ärzten galt dies für 70% ver-

sus 35%. Die Verträglichkeit war sehr 

gut; relevante Vigilanzstörungen tra-

ten nicht auf. Fast die Hälfte der mit 

Methocarbamol behandelten Patien-

ten hatte keine Bewegungseinschrän-

kungen mehr; der Finger-Boden-Ab-

stand war deutlich geringer.

Einfluss von Faszien und Muskeln

Untersuchungen von Prof. Dr. Siegfried 

Mense, Heidelberg, zum Einfluss einer 

Fasziitis auf die Erregbarkeit von Rü-

ckenmarksneuronen lassen darauf 

schließen, dass Faszien und Muskeln 

zumRückenschmerz beitragen können, 

was den Nutzen von Myotonolytika 

bei Rückenschmerzen unterstreicht: 

Unter normalen Bedingungen gehört 

L3 nicht zum Einflussgebiet der Fascia 

thoracolumbalis. Im Zustand der Ent-

zündung breitet sich das Einflussge-

biet aber durch Erregung von Neuro-

nen im Rückenmark nach kaudal aus. 

Dies könnte den subjektiven Eindruck 

der Schmerzausbreitung erklären.

Parallel dazu kommt es bei patho-

logischen Veränderungen der Faszien 

zu sehr starken Wechselwirkungen 

zwischen Antrieb der Faszien undMus-

keln. Der verstärkte Antrieb von der 

entzündeten Faszie erhöht den An-

trieb der Muskeln des kaudalen Rü-

ckens und umgekehrt. Der verstärkte 

Impulseinstrom von den Nozizeptoren 

der Faszie fördert somit die Durch-

schaltung der Impulse von den nicht 

entzündeten Muskeln. Umgekehrt 

steigert eine Entzündung des Muscu-

lus multifidus den Antrieb der Fascia 

thoracolumbalis. Das bedeutet, dass 

unabhängig davon, wo in den Weich-

teilen des kaudalen Rückens eine Lä-

sion vorliegt, die Hinterhornneurone 

verstärkt auf Impulse aus allen tiefen 

Geweben reagieren.  

50

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

Methocarbamol

202 Patienten mit akuten Rückenschmerzen erhielten maximal acht Tage lang 3×2 Tabletten Methocarbamol oder Placebo.

Placebo

p<0,001

p<0,001

Anteil der Patienten ohne

Einschränkungen der Beweglichkeit (%)

30

25

20

15

10

5

0

Methocarbamol

18,3

Placebo

27,7

45,9

16,3

Finger-Boden-Abstand, Mittelwert (cm)

SAP283181