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Probleme mit der Opioidtherapie vermeidbar

Bis zu 90% aller Krebspatienten leiden

in fortgeschrittenen Krankheitsstadien

trotz guter Kontrolle der Dauerschmerzen

unter Tumordurchbruchschmerzen (TDBS).

Schnell wirksame Fentanylpräparate sind

aufgrund ihres raschen Wirkeintritts und

der kurzen Wirkdauer die Strategie der

Wahl. TDBS-Episoden treten oft mehrmals

pro Tag binnen drei bis fünf Minuten auf,

halten aber nur 30 bis 45 Minuten an, erklär-

te Professor Sven Gottschling von der Uni-

versität Homburg/Saar. Nicht retardierte

Opioide seien bei TDBS wegen ihrer langsa-

men Anflutung und langen Wirkdauer un-

geeignet, da für den Patienten jede Sekunde

zähle. Ein transmukosales Fentanyl wie

werde dank spezieller Galenik binnen

Sekunden direkt über die Mundschleimhaut

aufgenommen und wirke in weniger als

zehn Minuten. Das wirke sich nachweislich

positiv auf Angst, Depression und schmerz-

bedingte Beeinträchtigung der Patienten

aus, so Gottschling. Wenn Komplikationen

wie Schluckstörungen, Xerostomie oder

Candidiasis die orale Einnahme verhindern,

sei bei TDBS ein Fentanylnasenspray die

beste Wahl. Vorteilhaft bei einem pektin-

haltigen Nasenspray wie

sei eine

Spray-Gel-Technologie mit spezieller Phar-

makokinetik, wodurch das Opioid gut an

der Mukosa hafte. Dies verbessere die An-

und Abflutung des Wirkstoffs im Vergleich

zu anderen schnell wirksamen Fentanylen.

Wird eine opioidinduzierte Obstipation

(OIC) konkret erfragt, ist sie mit über 40%

die häufigste chronische Nebenwirkung bei

chronischen Nichttumorschmerzen, berich-

tete Professor Martin Storr aus Starnberg.

Da es keine Gewöhnung an diesen Effekt

gebe, sei von Beginn an eine Laxanzien-

dauertherapie indiziert. Schlechte Compli-

ance und begrenzte Wirksamkeit können

eine Umstellung auf einen „Peripherally

Acting Mu-Opioid Receptor Antagonist“

wie Naloxegol (pegyliertes Naloxon,

®) sinnvoll machen. Naloxegol wirkt

kausal auf gastrointestinale Mu-Opioidre-

zeptoren und normalisiert die Darmmotorik.

Etwa jeder vierte OIC-Patient spricht trotz

korrekter Verwendung langfristig auf La-

xanzien nicht ausreichend an, so Storr.

Durch die kausale OIC-Therapie mit Nalo-

xegol (25 mg, einmal täglich) kam es in den

Zulassungsstudien im Median bereits nach

7,6 Stunden (Placebo 41,1 Stunden) zum

ersten Stuhlgang.

Dr. Andreas Häckel

Pressekonferenz „Moderne Therapieoptionen

bei Tumordurchbruchschmerz und Opioid-in-

duzierter Obstipation“, Frankfurt am Main,

14.12.2016; Veranstalter Kyowa Kirin GmbH

CRPS: Multimodale Therapie so früh wie möglich beginnen

Bei Patienten mit komplexem regiona-

len Schmerzsyndrom (Complex Regional

Pain Syndrome, CRPS; Synonym Morbus

Sudeck) kommt ein multimodales Behand-

lungskonzept zum Tragen. Zu den mögli-

chen physiotherapeutischen Maßnahmen

zählt die Spiegeltherapie, die auch in der

Phantomschmerzbehandlung Anwendung

findet.

Das CRPS ist ein posttraumatisches

Schmerzsyndromeiner Extremität, bei dem

die Schmerzen imVergleich zumerwarteten

Heilungsverlauf unangemessen stark sind.

Definitionsgemäß müssen die Symptome

außerhalb (in der Regel distal) der Trauma­

stelle auftreten und dürfen sich nicht auf das

Innervationsgebiet peripherer Nerven oder

Nervenwurzeln beschränken. „Der Krank-

heitsverlauf ist individuell sehr unterschied-

lich. Es können sensorische, motorische,

autonome und trophische Störungen auf-

treten“, berichteteMonika Thomm, Klinik für

Anästhesiologie und Operative Intensiv­

medizin, Universitätsklinikum Köln.

Die Therapie des CRPS sollte immer eine

Kombinationsbehandlung unter aktiver

Mitarbeit des Patienten sein und möglichst

frühzeitig einsetzen. Ziele einer multimoda-

len Therapie des CRPS sind laut Thomm:

Verhindern einer Chronifizierung

Reduktion der Schmerzproblematik

Wiederherstellung der Extremitäten-

funktion

Stärken der Kompetenzen im Selbst-pflegemanagement

Das Spektrum ist breit gefächert, es umfasst

medikamentöse, physio- und ergothera-

peutische sowie invasive Maßnahmen. Da

CRPS-Patienten oftmals eine ausgeprägte

Ängstlichkeit und Selbstwertproblematik

aufweisen, die den Krankheitsverlauf und

Therapieerfolg beeinflussen können, spielt

laut Thomm auch die Psychotherapie eine

entscheidende Rolle im multimodalen Be-

handlungskonzept.

Über die Ende des letzten Jahrhunderts

entwickelte und unter anderem in der

Phantomschmerzbehandlung eingesetzte

Spiegeltherapie berichtete Ergotherapeu-

tin Maren Wosnitzka, Berufsgenossen-

schaftliche Unfallklinik in Duisburg. Bei

dieser zu den Imaginationstherapien gehö-

renden Behandlungsform wird ein gesun-

des Körperglied gespiegelt, so dass die

amputierte Gliedmaße für den Patienten

scheinbar wieder vorhanden ist. Das Gehirn

interpretiert nach einiger Zeit Berührungs-

und Bewegungsreize der gesunden Glied-

maße durch die Spiegelung so, als ob sie

vom amputierten Körperteil kämen. „Dies

kann zu einer Linderung der Phantom-

schmerzen und Steigerung der Lebensqua-

lität führen“, erläuterte Wosnitzka. Am An-

fang der Therapie sei eine engmaschige

Betreuung des Patienten wichtig, später

könne der Patient auch ohne Unterstützung

durch den Therapeuten arbeiten. Die Spie-

geltherapie sei ihrer Erfahrung nach für die

funktionelle Rehabilitation von CRPS-Pati-

enten ebenfalls eine erfolgversprechende

Physiotherapieoption.

Gudrun Girrbach

Pflegesymposium „Neu denken, anders denken,

vernetzt denken in der Pflege“ beim Deutschen

Schmerzkongress 2016, Mannheim, 21.10.2016

Pain Care Award 2016

Im Rahmen des Pflegesymposiums

wurde zum vierten Mal der vom Unter-

nehmen Mundipharma ausgelobte

Pain Care Award verliehen. Ausgezeich-

net wurde der „Akutschmerzdienst“

von Tamara Kasten, DIAKOVERE

Henriettenstift gGmbH Hannover.

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Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

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