Previous Page  6 / 62 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 6 / 62 Next Page
Page Background

Fibromyalgie

Hypnose kann helfen

Eine sehr alte Methode der psycho­

therapeutischen Schmerztherapie ist die

Hypnose. Bei Fibromyalgiepatienten gelingt

es damit offenbar bis zu einem gewissen

Grad, Schmerzen und psychischen Stress zu

reduzieren und auch den Nachtschlaf zu

verbessern.

Hinweise darauf haben die Forscher – ein

interdisziplinäres Team der Universitäten

Regensburg, Bochum, Saarbrücken und der

TU München – in einer Metaanalyse über

neun randomisierte kontrollierte Studien

(RCT) gefunden (Zech N. et al. Eur J Pain

2016; November 29).

An den Studien beteiligt waren insgesamt

457 Erwachsene mit einer Fibromyalgie­

diagnose gemäß den Kriterien des Ameri­

can College of Rheumatology. In allen

Studien wurde die Intervention jeweils mit

einer Kontrollgruppe verglichen, entweder

Standardtherapie, Physiotherapie, auto­

genes Training, Aufmerksamkeitskontrolle

oder „Warteliste“.

Wie die Autoren berichten, waren die Pati­

enten nach Abschluss der Therapiesitzun­

gen mit Hypnose beziehungsweise Imagi­

nation den Kontrollgruppen in den primä­

ren Endpunkten Schmerzlinderung und

Stress signifikant überlegen.

Ein „klinisch relevanter Nutzen“, definiert als

Risikoreduktion ummindestens 10% bezie­

hungsweise bei den kontinuierlichen Varia­

blen als Effektstärke > 0,2, ergab sich nach

Therapieende zudem für die Endpunkte

mindestens 30%ige Schmerzlinderung,

mittlere Schmerzintensität, Fatigue und

Schlafstörungen.

Bei der Qualität der Studien mussten die

Forscher große Abstriche machen: Die

Studiendauer variierte zwischen vier und

zehn Wochen. Bei der Hypnose herrschte

erhebliche Heterogenität bei Gesamtzahl

und Frequenz der Sitzungen.

Insgesamt, so die Autoren, war die thera­

peutische Qualität nur bei drei RCT als hoch

anzusetzen.

Dr. Elke Oberhofer

Analgetika für Alzheimer-Patienten

Mehr Paracetamol, weniger

NSAR und schwache Opioide

Im

Gebrauch

von

Schmerzmitteln gibt es zwi­

schen Patienten mit Alzhei­

mer-Diagnose und Personen

ohne Alzheimer zwar geringe,

aber charakteristische Unterschiede. Finni­

sche Forscher haben für eine Kohortenstu­

die zum Schmerzmittelkonsum die Daten

von gut 67.000 zu Hause lebenden Patienten

mit Morbus Alzheimer und ebenso vielen

Kontrollpersonen ohne Demenz analysiert

(Hamina A et al. Eur J Pain 2016; November

14). Untersucht wurde die Schmerzmittel­

einnahme der Alzheimer-Patienten im ers­

ten halben Jahr nach der Diagnose, wobei

ihnen Kontrollprobanden passend nach

Alter, Geschlecht und Wohnort gegenüber­

gestellt wurden.

Im Ganzen gesehen waren die Unterschie­

de gering. 34,9% der Alzheimer-Patienten

und 33,5% der Kontrollpersonen nahmen

im untersuchten halben Jahr für eine Zeit

lang Schmerzmittel ein. Am häufigsten

schluckten die Probanden Paracetamol:

25,0% der Alzheimer-Patienten und 19,1%

der Kontrollpersonen. Bei nichtsteroidalen

Antirheumatika (NSAR) lagen hingegen die

Kontrollpersonen mit 17,3% gegenüber

13,2% der Alzheimer-Patienten vorn.

Insgesamt nahmen Alzheimer-Patienten

seltener Opioide ein (7,1% vs. 8,3%). Aller­

dings ging der Unterschied auf den Ge­

brauch schwächer wirksamer Opioide zu­

rück (5,0% vs. 6,9%). Stark wirksame Opio­

ide dagegen wurden von Alzheimer-Patien­

ten häufiger konsumiert als von den

Kontrollpersonen, etwa Buprenorphin

(1,4% vs. 0,9%) und Fentanyl (0,8% vs. 0,6%).

Zu zwei oder mehr Analgetika griffen wie­

derum die Kontrollen öfter (7,4% vs. 6,8%).

Darüber, wie angebracht die Schmerzmit­

telgaben für die Teilnehmer waren, gibt die

Untersuchung keine Auskunft.

Dr. Robert Bublak

Cannabis

Stadt will legale

Abgabe testen

Die Stadt Düsseldorf will in einem

Pilotprojekt die legale Abgabe von

Cannabis erproben und sucht nach

Wegen, dafür vom Bundesinstitut für

Arzneimittel und Medizinprodukte

(BfArM) eine Ausnahmegenehmi­

gung zu erhalten.

„Ziel ist, modellhaft eine lizensierte

Stelle einzurichten, bei der aus­

schließlich Erwachsene legal Canna­

bis-Produkte für den persönlichen

Gebrauch erwerben können“, teilte

die Stadt mit. Ob und wann die Pläne

realisiert werden können, steht noch

nicht fest. Als Verkaufsstellen sind

Apotheken im Gespräch.

Die Abgabe soll von Aufklärungs-

und Präventionsmaßnahmen beglei­

tet werden. „Es geht vor allemdarum,

Risiken aufzuzeigen und Hilfen zum

Ausstieg anzubieten“, betonte Ge­

sundheitsdezernent Professor Andre­

as Meyer-Falcke. Ein ähnliches Projekt

des Berliner Bezirks Friedrichshain-

Kreuzberg war am Veto des BfArM

gescheitert. Deshalb sucht Düssel­

dorf eine andere Lösung. Die Stadt

will zunächst die Sondergenehmi­

gung für eine Studie mit 500 volljäh­

rigen Probanden beantragen. Die

Hälfte soll die Droge unter legalen

Bedingungen kaufen können. Die

Studie werde rund eine Million Euro

kosten. Die Ergebnisse sollen mit

dem Antrag an das BfArM gehen.

(iss)

©© Atomazul / Fotolia

Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

9