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Ist eine transforaminale Kortisoninjektion

wirklich sinnvoll?

Bandscheibenvorfälle mit Wurzelkompression sind eine mögliche Indikation

für transforaminale Steroidinjektionen. Sie haben einen kurzfristigen Effekt

und führen zu schneller Remobilisierung. Für die Praxis relevant wäre es zu

wissen, welche Patienten davon nicht profitieren.

I

m Rahmen einer Studie wurden die

Daten von 51 Patienten unter anderem

mit Radikulopathie, Diskusprolaps, la-

teralem Rezessus oder auch Sequester

im Bereich von L3/4/5 und S1 untersucht.

Die Ansprechraten für die Kortikoidin-

jektionen lagen bei 56% nach zwei Wo-

chen, 44% nach drei Monaten und 38%

nach sechs Monaten. Das Outcome

nahm ab, wenn mehr als zwei der Risi-

kofaktoren – kombinierter motorischer

und sensorischer Defekt, Übergewicht

oder degenerative Spinalkanalstenose –

vorlagen. Die Chance eines Therapiever-

sagens wurde dadurch signifikant er-

höht.

Die Ergebnisse der vorgestellten Un-

tersuchung legen nahe, dass Patienten

mit einem kombinierten sensorischen

und motorischen Defizit frühzeitig an

einen Neurochirurgen überwiesen wer-

den sollten, statt sie erst mittels Injekti-

onen zu behandeln.

Würde man die Patientengruppe

selektionieren, die am wenigsten von ei-

ner Injektion profitiert, würde das die

Anzahl unnötiger Prozeduren reduzie-

ren. Gleichzeitig würde man diejenigen

finden, die von einer frühen chirurgi-

schen Intervention Vorteile hätten.

Dr. Henrike Ottenjann

Rocher L. Predictive factors of efficacy of trans-

foraminal corticosteroid injections in patients

with low back pain and radiculopathy. 9

th

Inter-

disciplinary World Congress on Low Back Pain,

Singapur, 3. November 2016

Eiskunstläuferin mit Hüftschmerzen

Erhöhte körperliche Aktivität wie bei Leistungssportlern steigert auf Dauer

das Risiko für Schmerzen und Arthrose der Gelenke. Eine individuelle physi-

kalische Therapie kann dabei helfen, nach einem operativen Eingriff den Leis-

tungssport wieder aufzunehmen.

L

abrumläsionen im Bereich der Hüfte

schränken die Bewegung ein und er-

höhen langfristig das Arthroserisiko.

Ursachen sind körperliche Aktivitäten,

besonders bei Sportarten mit wiederho-

lenden Bewegungen. Sie können aber

auch Folge von Verletzungen oder

Krankheiten sein, die den Knochen oder

Knorpel des Hüftgelenks in Mitleiden-

schaft ziehen. Die Behandlungsmöglich-

keiten sind physikalische Therapie, In-

jektionen, entzündungshemmende Me-

dikamente oder auch die arthroskopi-

sche Naht der Gelenklippe, um eine

Hüftarthrose effektiv zu verhindern.

Was fehlt, sind Daten zur postoperativen

Versorgung. Professor Lynette Khoo-

Summers, Washington University Phy-

sicians St. Louis Children‘s Hospital,

USA, stellte in diesem Zusammenhang

den besonderen Fall einer Eiskunstläu-

ferin vor, die bei bekannter Hüftdyspla-

sie und Psoriasisarthritis Schmerzen im

Bereich beider Hüften hatte.

Die Sportlerin kam wegen eines „fe-

moral anterior glide“-Syndromes und

Hüftadduktion mit medialer Rotation

zur dritten Hüftoperation in die Klinik.

Ziel war, dass die Patientin postoperativ

weiter Schlittschuhlaufen kann. Daher

folgte der Diagnose angepasst, im An-

schluss an die Operation eine individu-

ell physikalische Therapie. Diese bein-

haltete Übungen zu korrekter Hüftad-

duktion, medialer Rotation und Vor-

wärtsgleiten des Oberschenkels. Gleich-

zeitig erfolgte eine Stärkung der M. ilio-

psoas, gluteus maximus, gluteus medius

und der tiefen lateralen Hüftrotatoren.

Stretching wurde bewusst vermieden.

Diese Übungen führten zum Erfolg und

könnten ein Anhaltspunkt dafür sein,

wie individuelles Training Stärke und

Stabilität wieder herstellen kann, um so-

gar wieder Leistungssport betreiben zu

können.

Dr. Henrike Ottenjann

Khoo-Summers L. Examination and treatment

of a competitive figure skater with bilateral hip

pain and psoriatic arthritis. Washington Univer-

sity School of Medicine St. Louis, Missouri, USA.

Physical Therapy and Department of Orthopae-

dic Surgery. 9

th

Interdisciplinary World Congress

on Low Back Pain, Singapur, 3. November 2016

Leistungssport

wie Eiskunstlauf

kann das Risiko

einer Arthrose

erhöhen.

©© OSTILL / Getty Images / iStockx

Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

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