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Beim tiefen Beckenschmerz die Faszien

nicht vergessen

Faszien spielen eine nicht unbedeutende Rolle im Zusammenhang mit tiefen

Rückenschmerzen. Veränderungen in diesem Bereich können Ursache eines

myofaszialen Schmerzsyndroms (MPS) sein. Im klinischen Alltag besteht die

Schwierigkeit darin, das MPS in der Abwägung möglicher Diagnosen zu

berücksichtigen und zu erkennen.

A

natomisch werden im Bereich des

Rückens eine oberflächliche Faszie,

drei tiefe Faszien und diverse innere Fas­

zien unterschieden. Veränderungen im

Bereich dieser Faszien können eine Ur­

sache lumbaler Schmerzen und gleich­

zeitig ein Ansatz zur Schmerztherapie

sein, erläuterte Professor Carla Stecco

von der Universität Padova, Italien.

Einige tierexperimentelle Studien ha­

ben bereits den Effekt der Stimulation

der hinteren Lage der tiefen lumbalen

Faszie mit dem Ziel, eine nozizeptive

Antwort zu provozieren,

untersucht.D

r. Robert Schleip von der Universität

Ulm, stellte die Ergebnisse einiger Stu­

dien vor, die jedoch zu Recht unter­

schiedlichen Ergebnissen kamen. Klar

zu sein scheint, dass die Innervation der

tiefen lumbalen Faszien die nozizeptive

Kapazität unterstützt. Allerdings deute

vieles darauf hin, dass es zumindest drei

verschiedene Mechanismen für die fas­

zienbasierten Schmerzen gibt, sagte

Schleip. Ob und welches der Szenarien

für die Schmerzen verantwortlich ist,

gilt es in weiteren Studien herauszufin­

den, um daraus therapeutische Optio­

nen ableiten zu können.

MPS häufig nicht Teil der

Differenzialdiagnose

Nicht zu vergessen sind die idiopathi­

schen Schmerzen im unteren Rückenbe­

reich – ohne eindeutiges medizinisches

Korrelat. In bis zu 95% der Fälle handelt

es sich hier um ein MPS. Triggerpunkte

sind harte Knötchen in der Muskulatur

sowie Verdichtungen oder Fibrosierun­

gen im Bereich der Faszien. Diese führen

zu neurogenen Entzündungen und

Schmerzen. Der erfahrene Arzt könne

diese Punkte ertasten, erklärte Dr. Wolf­

gang Bauermeister vom Schmerzinstitut

München. Mit herkömmlichen bildge­

benden Verfahren wie Röntgen, Compu­

tertomografie oder Magnetresonanz­

tomografie ließen sich die Veränderun­

gen allerdings nicht darstellen. Daher ist

das MPS häufig nicht Teil der Differen­

zialdiagnosen, sagte Bauermeister.

Eine viel beachtete Methode, die die

Triggerpunkte heute sichtbar machen

kann, ist die Weiterentwicklung der Ul­

traschallelastografie, die sogenannte

„real time strain“-Elastografie, die Bau­

ermeister in Singapur vorstellte

(

Abb. 1

a, Abb. 1 b

). Mit dieser Metho­

de könne man tiefe Schichten in Echt­

zeit bei exzellenter Interraterreliabilität

darstellen, so Bauermeister.

Dr. Henrike Ottenjann

Main Session: Stecco C. Role of fascia in non

specific low back pain. Schleip R. The posterior

layer of lumbar fascia as a potential source of

low back pain. Bauermeister W. Sonoelastogra-

phy: Real time measure of elastic properties of

the lumbar fasciae in idiopathic low back pain

and pelvic girdle pain. Bauermeister W et al.

Ultrasound elastography fort he evaluation

of the elastic properties of the thoracolumbar

fascia und back muscles in idiopathic low back

pain. Poster P103. 9

th

Interdisciplinary World

Congress on Low Back Pain, Singapur, 2. No-

vember 2016

©© Schmerzinstitut Dr. Bauermeister, An-Institut der Medizinischen Universität Kharkiv

Abb. 1

: Elastogram des Lendenbereichs. a: Steifheit der thorakolumbalen Faszien; b: Steif-

heit der thorakolumbalen Faszien und der Rückenmuskulatur

a

b

12

Schmerzmedizin 2017; 33 (1)

Medizin aktuell

9. Interdisciplinary World Congress on Low Back Pain