Previous Page  9 / 46 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 9 / 46 Next Page
Page Background

mas. Auch viszerale Schmerzen an inne-

ren Organen ließen sich darstellen. Die

Datensicherheit der Software sei gewährt,

betonte Überall. Die Server befinden sich

nach seinen Angaben in Deutschland,

ein unabhängiger Datenschutzbeauf-

tragter sei an der Entwicklung beteiligt

gewesen und kontrolliere das System

weiterhin. Außerdem seien die Daten

verschlüsselt und dezentral gelagert.

DGS und DSL stellen in diesem Jahr

das Thema „Tumorschmerz“ in den Mit-

telpunkt. Mit der Praxisumfrage Tu-

morschmerz werden explizit Symptom-

belastungen bei tumorbedingten Dauer-

und Durchbruchsschmerzen abgefragt.

Laut Überall müssen bei diesen Patien-

ten die zugrundeliegenden Schmerzen

kontinuierlich evaluiert werden, um so-

wohl den Behandlungsbedarf als auch

die Behandlungsintensität an das aktuell

angestrebte Behandlungsziel anzupas-

sen. Dies sei mit dem von der DGS und

DSL entwickelten Online-Fragebogen

„Tumorschmerz“ nun erreicht worden.

Patienten haben ein Recht auf kompe-

tente Schmerzmedizin. Das heißt aber

nicht, dass sie schicksalsergeben eine

medikamentöse Therapie hinnehmen

sollen“, sagte die Vizepräsidentin der

Deutschen Schmerzliga Brigitta Gibson.

Viel wichtiger sei ein „Schmerz-Manage-

ment“, bei dem die Patienten zu Exper-

ten in eigener Sache werden. „Meiner

Meinung nach sind Selbsthilfegruppen

eine gute Stütze und ein wichtiger Bau-

stein in der Schmerzbehandlung“, so

Gibson weiter. Die Teilnehmer einer

Selbsthilfegruppe verbinde die Erfah-

rung, an chronischen Schmerzen zu lei-

den, sie gingen mit dieser Tatsache aber

unterschiedlich um. Austausch und ge-

meinsame Aktivitäten hätten schon vie-

len Betroffenen aus dem Schmerztal in

ein „relativ normales Leben“ geholfen.

Christoph Fuhr und Marco Mrusek

Auftakt-Pressekonferenz 28. Deutscher Schmerz-

und Palliativtag, Frankfurt am Main, 22.3.2017

Für Antidepressiva bei chronischen Schmerzen

gibt es gute Argumente

Zwischen Schmerzen und Depression gibt es eine Vielzahl von Wechselwir-

kungen. Sie können sich gegenseitig bedingen oder jeweils als Komorbidität

auftreten. Der Ansatz mit einer antidepressiven Therapie gleichzeitig „zwei

Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“, ist daher attraktiv und einer unimoda-

len Schmerztherapie möglicherweise überlegen, erfordert aber Fingerspit-

zengefühl.

N

SAR oder Muskelrelaxanzien sind

nur selten die optimale Wahl bei

chronischen Schmerzen. Antidepressiv

wirkende Substanzen können hier

durchaus die bessere Alternative sein, da

sie schmerzmodulierend wirken. Sie be-

einflussen zum Beispiel die Nozizeption,

etwa über Verstärkung noradrenerger

Systeme die absteigende zentrale

Schmerzhemmung positiv, so die Psych-

iaterin und Psychotherapeutin Dr. Mi-

riam Butz vom Rotes Kreuz Kranken-

haus Kassel. Hinzu kommt, dass depres-

sive Verstimmungen und psychosoziale

Belastungsfaktoren entscheidend an der

Schmerzchronifizierung beteiligt sind.

Auch die Schmerzwahrnehmung ist im-

mer kontextabhängig und wird durch

die emotionale Grundstimmung beein-

flusst. Und schließlich ist ein nicht uner-

heblicher Teil chronischer Schmerzpati-

enten zugleich manifest depressiv.

Angst und Depression sind nach meh-

reren Erhebungen die häufigsten psychi-

schen Komorbiditäten bei chronischen

Rückenschmerzen. Dabei können

Schmerzen Ausdruck einer Depression

sein, es kann sich aber auch die Depres-

sion als Folge der schmerzbedingten

Funktionseinschränkung entwickeln.

Beide Erkrankungen haben zudem ein

gemeinsames biologisches Substrat und

können sich gegenseitig begünstigen

oder verstärken. Interessante Optionen,

allerdings meist off-label, sind dabei ins-

besondere serotonerge und noradrener-

ge Wirkprinzipien wie SSRI, SSNRI oder

auch Mirtazapin.

DGS-Präsident Dr. Gerhard Müller-Schwefe warb auf dem Schmerz- und Paliativtag in

Frankfurt für ein neues Versorgungskonzept.

©© Image Source_x Image Source_x

Medizin aktuell

28. Deutscher Schmerz- und Palliativtag

12

Schmerzmedizin 2017; 33 (3)